Markt&Technik-Forum Teil 2 Professional Maker und Open-Source-Hardware

Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums "Industriecomputer & Embedded Systeme"
Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums "Industriecomputer & Embedded Systeme"

Zur embedded world 2016 hat die Embedded-Branche die neue Kundengruppe der Professional Maker für sich entdeckt. Jetzt berichtet die Expertenrunde über ihre ersten Erfahrungen und mögliche Konsequenzen.

Christian Eder, Director Marketing von congatec, ist begeistert: »Die Maker sind klasse, die machen die Innovationen. Sie kombinieren bekannte Blöcke und erschaffen etwas Neues. Und die Szene hat das Thema Software voran gebracht – vor allem Linux.« Zudem gefällt ihm, dass sich junge Leute wieder stärker mit Hardware beschäftigen. »Allmählich kommen dann die Dinge in eine erwachsenere Phase, wenn sich die Projekte bewiesen haben und ein Markt vorhanden ist. Dann braucht man eine langzeitstabile Lösung, und damit kommen wir wieder stärker ins Spiel, denn mit klassischen Maker-Plattformen kann man nicht viel verdienen«, erklärt Eder.

Den Trend der Professional Maker hin zu Embedded-Produkten bestätigt Wolfgang Eisenbarth, Managing Director von Portwell: »Nach dem ersten Erfolg suchen viele jetzt professionelle Lösungen, die Langzeitverfügbarkeit, hohe Standzeiten und Verfügbarkeiten bieten, also die Merkmale, die im Embedded-Bereich bekannt sind und für die wir und unsere Produkte stehen. Damit kommen ganz neue Applikationen auf uns zu, die nicht nur im vollindustriellen Bereich liegen, sondern auch ein Stück weit im Commercial- und Consumer-Bereich – aber mit den Werten, die aus der Embedded-Welt kommen.«

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Markt&Technik Round Table Teil 2

Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums "Industriecomputer & Embedded Systeme".

Wurden anfänglich die Entwickler von Start-ups als das Gros der Professional Maker identifiziert, scheint sich jetzt der Schwerpunkt zu verlagern. »Wir haben ein Produkt in Professional-Maker-Bereich platziert und überraschende Erkenntnisse gewonnen«, berichtet Martin Steger, Geschäftsführer von iesy. »Daher sehen wir mittlerweile die größten Chancen bei großen Unternehmen. Entweder haben sie eigene Ausgründungen vorgenommen oder Geld in neue Firmenausrichtungen kanalisiert.« 

Über ähnliche Erfahrungen berichtet auch Volkmar Kaufmann, Sales Director Central Europe von Aaeon: »Als Professional Maker sehen wir auch die Leute in den großen Unternehmen, die fast privat Interesse an unserem Up-Board haben, es testen und jetzt in ihre große Firma einführen und daraus ein Projekt machen. Professional Maker in den Start-up-Unternehmen, sind auch sehr interessant, aber wir haben auf traditionellen Wegen gar keinen Zugang zu ihnen – die gehen nicht auf Messen, die gehen über Communities. Das ist eine andere Welt.«

Selbst wenn die Maker keine Angestellten von Großunternehmen sind, so sind sie dort doch von strategischer Bedeutung. »Die Professional Maker sind ganz, ganz wichtig als Ideenlieferanten, auch für super professionelle Produkte. Früher musste sich ein Unternehmen in einem Raum einschließen und ein Brainstorming durchführen, um eine Produktidee zu entwickeln – heute holt man sich Maker von außerhalb des Konzerns und veranstaltet ein Hackathon«, erläutert Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer von SSV Software Systems. »Die Maker-Szene hat auch nachhaltig dazu beigetragen, dass der ganze Open-Source-Bereich mittlerweile so professionell und gut bestückt ist, dass gerade bei Connectivity kein Wunsch offenbleibt.«


Zumeist fließt deren Know-how in das Betriebssystem Linux ein, auch mit Folgen für den Embedded-Markt. »Linux hat die Monopolstellung erreicht – das ist für die Leute, die schon lange dabei sind, sehr überraschend«, gesteht Jens Plachetka, Manager Product Business Unit Board Platforms von MSC. »Momentan gibt es bei uns fast keinen Kunden mehr, der nicht Linux einsetzt.«

Trotz starker Community müssen auch die Embedded-Computer-Anbieter noch Arbeit in Linux stecken. »Es gibt so viel Building-Blöcke, Libraries und Middleware – unsere Aufgabe ist es jetzt, dies sinnvoll für unsere Kunden zusammenzubringen«, erklärt Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron. »Es ist heute nicht mehr so wie in den letzten 20 Jahren das Thema, ob es ein neuer Formfaktor oder ein neuer Massenspeicherstandards ist. Man braucht zwar die Embedded-Hardware, aber die Musik spielt bei der Software und der Connectivity.«