Neue Herausforderungen Professional Consumer verändern das Embedded Computing

Die Insider der Embedded-Branche besprechen die aktuellen Trends und Entwicklungen in ihrem Geschäftsfeld.
Die Insider der Embedded-Branche besprechen die aktuellen Trends und Entwicklungen in ihrem Geschäftsfeld.

Die Neuerungen der Consumer-Elektronik haben bei den Anwendern beispielsweise mit Multitouch und Gestensteuerung ein neues Bedienkonzept etabliert. Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums »Embedded Computing« gingen der Frage nach, welche Einflüsse die Consumer-Elektronik auf das Alltagsgeschäft im Embedded-Bereich hat.

»Man merkt definitiv, dass der Adaptionszeitraum für Consumer-Elektronik-Technologien in den Embedded-Bereich deutlich kürzer ist als in der Vergangenheit«, erklärt Dirk Finstel, CEO EMEA von Adlink Technology. »Es baut sich damit ein Druck bei den Herstellern von Embedded-Technik auf, da viele Consumer-Technologien unbekannt sind und man sie neu erforschen muss. Damit steigen die Kosten für Forschung und Entwicklung und auch das Risiko, dass man die Technologie nicht Embedded tauglich bekommt. Das ist vom Risikomanagement eine ganz neue Kategorie.«

Dem steigenden Aufwand stehen allerdings schwindende Preisvorstellungen gegenüber. »Es ist ein Riesenproblem. Der Kunde hat heute ein Smartphone und kommt mit dem Eindruck des günstigen Preises und der großen Funktionalität in das Embedded-Projekt«, berichtet Holger Frölich, Managing Director F&S Elektronik Systeme. »Er denkt sich oftmals, wenn es im Smartphone alles so günstig ist und er kein Gehäuse braucht, dann kann es wohl im Embedded-Projekt auch nicht teurer sein. Es geht dann aber nicht um Million Stück im Monat, sondern Tausende im Jahr. Da ist schon noch eine gewisse Naivität vorhanden.«

Ein weiteres Beispiel ist Intels neue und sehr kompakte Rechnerplattform »NUC«. »Es ist ein Consumer-Produkt, das so nicht industrietauglich ist, aber der Preis macht eine neue Technologie erstmal attraktiv«, bestätigt Christian Eder, Director Marketing von Congatec. »In der SGET wird daher demnächst eine Aktivität gestartet, einen NUC Embedded tauglich zu machen. Ich denke das ist der Weg, per Konsortium eine bekannte Consumer-Technologie in den Embedded-Bereich einzuführen. Es gibt so die Grundfunktionen und jeder Embedded-Anbieter kann seine Spezialthematik darauf aufsetzen. Alles ist fließend, es gibt richtig hart Embedded-Anwendungen, richtige Consumer-Anwendungen und auch alles dazwischen.« Letzteres wird von der Embedded-Branche als »Professional Consumer« bezeichnet und dieser Trend nehme sehr stark zu.

»Wir in der Embedded-Branche müssen umdenken. Wo wir früher eigene Motherboards gebaut haben, wird dieses reine Board-Geschäft in Zukunft - wegen den großen Stückzahlen - immer stärker von Professional-Consumer-Anbieter beliefert werden«, erwartet Marcel van Helten, Head of Business Unit Industrial von Kontron. »Daher müssen wir uns als Embedded-Lieferanten überlegen, wie wir künftig einen Mehrwert in die Systeme bringen oder eine Innovation bieten. Wir müssen schauen, wie wir uns dann differenzieren können.«

Allzu große Sorgen macht sich die Branche allerdings nicht. »Das treibt das Embedded-Geschäft in neue Applikationen, neue Geräte und neue Märkte«, ist sich Finstel sicher. »Es ist eine sehr interessante Sache, wie die Transformation stattfinden wird.«