»Phänomenale Chance für das Versionsmanagement« Neue Anwendungsgebiete für Versionsmanagement jenseits der Quellcode-Kontrolle

Christopher Seiwald, Perforce Software: »Wir wollen Perforce von der Kette lassen. Unsere Software kommt heute schon in Bereichen zum Einsatz, die wir uns nie vorgestellt hatten.«
Christopher Seiwald, Perforce Software: »Wir wollen Perforce von der Kette lassen. Unsere Software kommt heute schon in Bereichen zum Einsatz, die wir uns nie vorgestellt hatten.«

Das Versionsmanagement steht nach Ansicht von Christopher Seiwald, President und CTO von Perforce Software, an einem Scheideweg. Er erläutert die Trends und die daraus resultierenden Unternehmensschritte.

Markt&Technik: Welche Trends sehen Sie im Bereich des Versionsmanagements?

Christopher Seiwald: Es gibt gleich vier Trends: die eigenständige Evolution der Versionskontrolle, den Einfluss sozialer Netzwerke, den Einfluss der Cloud und die schiere Explosion des Contents. Wir sehen diese Entwicklungen als positiv für uns und unsere Kunden an.

Für eine Evolution muss es Selektionskriterien geben. Welche sind das für das Versionsmanagement?

Es gibt drei Hauptansätze wie man ein Versionsmanagementsystem konzipieren kann:

  • Ein verteiltes System, damit man auch offline arbeiten kann.
  • Oder super einfach zu bedienen, ohne Lernkurve, allerdings auch ohne die Möglichkeiten für Branching und Merging.
  • Und der Enterprise-Ansatz, den wir nutzen, um ein unternehmensweites Versionsmanagement zu bieten.

Die Weiterentwicklung dieser Ansätze verfolgen wir sehr genau und hören auch sehr aufmerksam zu, was die Anwender fordern. Dies alles beeinflusst die Weiterentwicklung unserer Produkte - wie wir es übrigens auf unserer jüngsten Anwenderkonferenz gezeigt haben und was sich in den Produkt-Releases der kommenden sechs bis achtzehn Monate widerspiegeln wird.

Wie wirkt sich der Einfluss der sozialen Netzwerke aus?

Mobil-Apps, Blogs, Twitter, Facebook, Code Hosting und virtuelle Konferenzen verändern, wie die Menschen und Firmen arbeiten. Man sagt seinen Kunden - und den Mitbewerbern - woran man gerade arbeitet. Und mit den sozialen Netzen haben Nutzer und Interessenten ein Medium, mit dem schnell auf Entwicklungen eingewirkt werden kann. Dies kann die Effizienz von Produktentwicklungen deutlich steigern. Wir erkennen einen Bedarf, unsere Services für unsere Kunden zu erweitern und hierfür ein Ökosystem zu schaffen, um Wissen und Technologie auszutauschen.

Wie relevant ist die Cloud für Ihre Kunden?

Für unsere größten Kunden ist es vielleicht noch etwas zu früh, ihr eigenes geistiges Eigentum in die Cloud von irgendjemand zu packen. Für die kleinen und mittelgroßen Unternehmen eröffnet sich aber eine brauchbare Chance, von kostspieligen Inhouse-Lösungen weg zu kommen - speziell Start-ups binden so weniger Kapital für Ausrüstungsinvestitionen. Weil die Cloud zum De-facto-Speichermedium vieler Aspekte unseres täglichen Lebens geworden ist, wird sich dieser Trend noch weiter beschleunigen.

Wie passt das rasche Anwachsen von Netzinhalten in das Bild?

Viele Menschen sehen »online« als den besten Ort für ihre Inhalte an - und damit meine ich nicht nur Source Code, sondern auch Bilder, E-Mails, Diagramme, Dokumente, gescannte Briefe der Großmutter und die Videos der
eigenen Babys. Dieser Kulturwandel ist eine phänomenale Chance für das Versionsmanagement - auch wenn heute noch nicht alle mit dem Begriff etwas anfangen können. Einige haben das aber schon erkannt und nutzen unsere Tools für mehr als nur Source Code.

Können Sie Beispiele nennen?

Pixar speichert alle seine Film-Assets mit Perforce - von der Entwurfzeichnung über das Storyboard bis hin zu den Sound-Dateien. Und Nvidia nutzt Perforce auch für das Chip-Design und für die unternehmensweite Kontrolle kritischer Dokumente.