Embedded-Trends Nachwuchsförderer »Raspberry Pi«

Markus Mahl, Data Modul: »Weil so viele mit Raspberry PI herumexperimentieren, kommen die irgendwann auf Ideen, die Produkte generieren, in die ein Embedded-Device rein muss – ein richtiges Embedded-Device.«
Markus Mahl, Data Modul: »Weil so viele mit Raspberry PI herumexperimentieren, kommen die irgendwann auf Ideen, die Produkte generieren, in die ein Embedded-Device rein muss – ein richtiges Embedded-Device.«

Kein Einplatinencomputer ist so schnell populär geworden wie der »Raspberry Pi«. Dieser Erfolg ist der Embedded-Branche sehr recht.

Eigentlich müsste die Embedded-Branche eifersüchtig sein: Keiner ihrer eigenen Single-Board-Computer konnte je mit einer vergleichbaren Medienpräsenz und Bekanntheit aufwarten. Für die in der Runde versammelten Embedded-Spezialisten ist dies eher eine angenehme Überraschung. »Raspberry Pi hat den Zeitgeist getroffen und führt hoffentlich viele Menschen an das Thema hardwarenahe Programmierung heran«, freut sich Christian Eder, Director Marketing von Congatec. »Es gibt ihn also noch, den Technik-hungrigen Menschen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzen will, ohne ein großes Risiko oder Investment einzugehen. Ich denke, Richtung ARM wird so einiges an Nachwuchs gewonnen.«

»Eine tolle Sache, um den Nachwuchs an die Technik heranzuführen«, bestätigt auch Holger Frölich, Managing Director von F&S Elektronik Systeme. »Früher war es gang und gäbe, dass Zeitschriften erschienen, in denen es Schaltungen gab, die man nachbauen konnte, wo man etwas löten konnte – teilweise auch mit Platinenvorlagen. Das gab es lange, aber irgendwann haben die Leute alle angefangen, BWL zu studieren, und keiner hat sich für so was mehr interessiert. Jetzt ist wieder etwas da, mit dem man auf einfache Art und Weise etwas mit Technik machen kann, was ausprobieren und was gut funktioniert.«

An eine Konkurrenz zu den eigenen Produkten glauben die Experten nicht. »In Europa sind wir noch in keinem Projekt darauf gestoßen«, berichtet Wolfgang Heinz-Fischer, Leiter Marketing und PR der TQ-Group. »Unsere amerikanischen Kollegen werden öfters mal darauf angesprochen und bekommen ein Dokument zugeschickt, in dem drin steht: ’nicht für die Massenproduktion geeignet‘. Die Stückliste gibt schließlich keine Garantie auf langfristige Verfügbarkeit. Bei uns ist bislang noch niemand gekommen, der es in einer Serie einsetzen wollte.«

Kick-off für die Softwarewelt

Das bestätigt Stephan Hausmann, Vertriebsleitung von E.E.P.D.: »Hardwaretechnisch ist der Raspberry Pi kein Thema für unsere Märkte. Als Kick-off für die Softwarewelt ist er aber eine ganz interessante Sache. Das trifft uns dann wieder mit ARM-Designs und Ähnlichem. Je breiter die Basis ist, die Software und Apps entwickelt, desto mehr kommt das schlussendlich uns zugute. Was nutzt die beste Hardware ohne Software? Ich sehe den Raspberry Pi deshalb sehr positiv.«

Aber nicht nur vom Spaß an der Programmierung kann die Embedded-Branche profitieren, ist sich Markus Mahl sicher, verantwortlich für den Embedded-Bereich von Data Modul: »Weil so viele damit herumexperimentieren, kommen die irgendwann auf Ideen, die Produkte generieren, in die ein Embedded-Device rein muss – ein richtiges Embedded-Device.«

Bei so viel positiver Resonanz stellt sich die Frage, warum die Embedded-Branche selbst nicht auf ein vergleichbares Konzept gekommen ist und schon viel früher eine günstige Plattform zur Nachwuchsförderung herausgebracht hat? »Ich hätte den Testball schon gerne gespielt, aber wir sind keine Non-Profit-Organisation«, räumt Dirk Finstel ein, CEO EMEA von Adlink Technology. »Wir müssen Geld verdienen und unsere Ressourcen sinnvoll einsetzen – und die sind eigentlich immer überlastet. Von der Herstellung wäre das kein Problem. Man verdient damit aber kein Geld, weil der Support intensiv ist und der Life-cyle und die Komponenten überhaupt nicht mit unseren Zielmärkten übereinstimmen.«

Feedback aus der Community

Zudem ist es für die Embedded-Branche sehr schwierig, eine vergleichbar große Community ins Leben zu rufen. Diese ermöglicht eine Entwicklungsgeschwindigkeit, die Marcel van Helten, Head of Business Unit Industrial von Kontron, offen bewundert: »Der Collaborativ-Approche – der eine macht ein Gehäuse, der andere eine Kameraschnittstelle – ermöglicht eine schnelle Projektentwicklung in sechs bis sieben Wochen, wofür wir 12 bis 18 Monate brauchen würden. Raspberry PI erlaubt einen schnellen Proof-of-Concept, das muss man im Auge behalten.«

»Der eigentliche Geschwindigkeitsvorteil dabei ist der Software-Support«, betont Eder. »Weil eine große Community dahinter steckt. Das erlaubt die schnelle Schaffung von Prototypen.« »Man bekommt auch kostenloses Debugging«, ergänzt Finstel. »Das Feedback, das man von der Community erhält, würde Millionen Dollar kosten, wenn man es selbst erzeugen müsste.«