Heitec Modular bei Produkt und Service

Roland Chochoiek, Heitec: »Die 19-Zoll-Technik ist seit vielen Jahren erfolgreich und wird dies aus meiner Sicht auch noch für viele Jahre bleiben.«
Roland Chochoiek, Heitec: »Die 19-Zoll-Technik ist seit vielen Jahren erfolgreich und wird dies aus meiner Sicht auch noch für viele Jahre bleiben.«

Bislang war Heitec als Elektronik-Entwicklungsdienstleister bekannt. Mit der Übernahme der 19-Zoll-Aufbausysteme von Rittal hat das Unternehmen seine Geschäftsfelder deutlich ausgeweitet. Über diesen Übergang und die Trends im Industriecomputerbereich berichtet Roland Chochoiek, Geschäftsgebietsleiter Elektronik der Heitec AG.

Ist der Übergang der Produktpalette von Rittal reibungslos erfolgt oder hakt es noch an wenigen Stellen?

Roland Chochoiek: Der Übergang des gesamten Produktportfolios Elektronik-Aufbausysteme von Rittal zu Heitec ist problemlos abgewickelt worden. Die Transfers der Daten von einem zum anderen SAP-System, sowie die physische Umlagerung des Materials von Rittals Zentrallager in Haiger zu Heitecs Lager in Eckental erfolgten ohne Komplikationen zwischen Weihnachten und Neujahr letzten Jahres. Um dem gestiegenen Auftragsabwicklungsvolumen gerecht werden zu können, hatten wir bereits zuvor unser Personal im Vertriebsinnen- und -außendienst sowie der Logistik aufgestockt und waren damit gut vorbereitet. Aus dem Standort Eckental heraus betreuen wir jetzt fast 3000 deutsche Kunden direkt sowie mehr als 50 Länder weltweit. Der Vertrieb im Ausland wird über Vertriebspartner abgewickelt, in vielen Fällen sind dieses Vertriebsgesellschaften der Firma Rittal. Der einzige Punkt, der vielleicht noch etwas hakt, ist die lückenlose Information der Kunden über diesen Geschäftsübergang. Im Zuge einer kürzlich durchgeführten Telefonaktion stellten wir fest, dass viele ehemalige Rittal-Kunden doch noch nicht wissen, dass das Geschäft seit dem 1.1.2013 zu Heitec übergegangen ist.

Wie beurteilen Sie die Marktentwicklung bei 19-Zoll-Aufbausystemen?

Die 19-Zoll-Technik ist seit vielen Jahren erfolgreich und wird dies aus meiner Sicht auch noch für viele Jahre bleiben. Das gilt genauso für die verschiedenen darauf basierenden Systemarchitekturstandards wie CompactPCI oder VME mit all ihren Derivaten, wie auch für anwendungsspezifische Lösungen, die hybride oder proprietäre Backplanes einsetzen oder auch ganz ohne Rückwandplatine auskommen. Dieser Erfolg beruht sicherlich auf der Reife der 19-Zoll-Technik, die einen enorm großen »Lego-Baukasten« von Komponenten bereitstellt, mit dem einfach, schnell und kostengünstig skalierbare, robuste, industrielle Gehäusetechniklösungen für die unterschiedlichsten Applikationsbereiche realisiert werden können. So haben wir beispielsweise allein in unserem Katalog für Elektronikaufbausysteme etwa 2000 Standardartikel von der Führungsleiste oder dem Auswurfhebel über sechs Baugruppenträgerfamilien bis hin zu Tisch- und Systemgehäusen, auf deren Basis nahezu unendlich viele Systemgehäuselösungen realisiert werden können. Diese Lösungen können »klassische« 19-Zoll breite Gehäuse genauso umfassen, wie kleinere/schmälere oder auch größere/breitere – z.B. 21 Zoll. Somit ergeben sich laufend neue Anwendungsbereiche für diese bewährte Technologie. Und das führt weiterhin zu solidem, wenn auch sicherlich nicht exponentiellem Wachstum.

Im Vergleich zu CompactPCI scheint die Entwicklung bei MicroTCA weniger erfolgreich zu sein. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

MicroTCA ist eine Systemarchitektur, die für sehr anspruchsvolle Anwendungsbereiche geschaffen wurde, die hohe Verfügbarkeit, umfassendes Systemmanagement  und hohen Datendurchsatz erfordern - angelehnt an die Anforderungen von Telekommunikationsinfrastruktur-Applikationen. Für Anwendungen im weiteren industriellen Umfeld - Industrieautomatisierung, Verkehrstechnik, Energietechnik, Medizintechnik, Mess- und Prüftechnik - sind diese Eigenschaften in sehr vielen Fällen nicht allumfänglich erforderlich. Passende Lösungen können somit oft einfacher und kostengünstiger auf Basis der zuvor angesprochenen 19-Zoll-Technik oder anwendungsspezifischen Lösungen realisiert werden. Wir haben daher die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist, die MicroTCA-Technologie im Produkt- und Leistungsportfolio zu haben, aber Willens und in der Lage zu sein, maßgeschneiderte Lösungen für den Kunden zu erarbeiten, die einen optimalen Kompromiss zwischen Funktionalitäten einerseits und Systemkosten andererseits ermöglichen. Damit können wir unseren Kunden auch die Vorteile der MicroTCA-Technologie bieten, aber eben genau so weit, wie es für die jeweilige Anwendung erforderlich und auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Neben den mechanischen Komponenten der 19-Zoll-Technik bietet Heitec auch diverse Backplanes und Controller-Module an. Wie entwickelt sich dieses Geschäft?

Standard-Backplanes und Controller-Module verkaufen wir nur in wenigen Fällen einzeln, also ohne eine passende Gehäuse- oder Systemlösung. Unsere Standard-Systemkonfigurationen werden üblicherweise in kleinen Stückzahlen für Entwicklungs- und Laboranwendungen gekauft. Für die Zielanwendungen und sobald es um größere Stückzahlen (Zehner, Hunderter, Tausender) geht, werden fast ausschließlich individuell konfigurierte Systemplattformen eingesetzt, die zwar wiederum auf einer Reihe von Standardkomponenten (Mechanik und/oder Backplane und/oder Stromversorgung) aufbauen, in der jeweiligen Ausprägung jedoch speziell auf die Applikation zugeschnitten sind oder sogar mit projektspezifischen Komponenten kombiniert werden. Insofern sind unsere Backplanes und Controller-Module sehr wertvolle Bestandteile unseres »Lego-Baukastens«, die unser wachsendes Systemgeschäft unterstützen.