Dateisysteme schnell und zuverlässig Mehr als nur Standard

Claudio Camacho, Tuxera: »Open-Source-Dateisysteme wurden vor 30 Jahren entwickelt – für eine ganz andere Speicher-Hardware als die heutige und nutzen sie dadurch stärker ab.«

Tuxera bietet verschiedene Dateisysteme als Software-Stack für den Embedded-Markt an und konzentriert sich dabei besonders auf Flash-Speicher. Warum das Unternehmen in Konkurrenz zu den Standardtreibern geht, erklärt Claudio Camacho, Head of Marketing von Tuxera.

Markt&Technik: Warum genügen die Standardtreiber der Betriebssysteme nicht, beziehungsweise die der Open-Source-Angebote?

Claudio Camacho: Die Standardprogrammroutinen und Open-Source-Dateisysteme sind im Grunde dasselbe - die meisten Open-Source-Dateisysteme sind kostenlos in den meisten Betriebssystemen vorintegriert. Es gibt aber vier wichtige Gründe, warum 90% aller Automotive-OEMs und Tier-1s die proprietäre Software von Tuxera bevorzugen – Support, Lizensierung sowie Lebensdauer und Performance.

Welche Support-Vorteile bietet Tuxera?

Open-Source-Software ist virtuell ungewartet. Wenn ein Tier-1 ein Problem mit der Software hat, gibt es niemanden, den er anrufen oder bei dem er sich beschweren kann. Im Grunde muss er Entwickler beauftragen, die dann das Problem in der Open-Source-Software beheben. Wir bei Tuxera haben 24/7-Support in USA, Deutschland, Frankreich, China, Korea und Japan, und damit haben die Tier-1s und OEMs einen direkten Ansprechpartner. Für die Automobilebranche ist das der Hauptgrund, warum sie uns und nicht Open Source einsetzen.

Wieso ist die Lizensierung ein Thema für die Kunden?

Die Tier-1s wollen nicht, dass durch das Lizenzmodell von Open Source ihre eigene, proprietäre Software offengelegt werden muss. Die Software von Tuxera ist dagegen 100 % proprietär und kann mit jeder anderen Softwarekomponente kombiniert werden, ohne ein Risiko für das Intellectual Property der OEMs und Tier-1s zu werden.

Wie passt das Argument Lebensdauer und Performance in das Bild?

Open-Source-Dateisysteme wurden vor 30 Jahren entwickelt – für eine ganz andere Speicher-Hardware als die heutige und nutzen sie dadurch stärker ab. Wir von Tuxera haben von Grund auf ein neues Dateisystem entwickelt und haben dabei den Fokus auf moderne Hardware wie UFS, eMMC, SSD und PCIe gelegt. So können wir eine bis zu dreimal längere Lebensdauer ermöglichen. Wenn bei einem Auto nur alle neun statt alle drei Jahre der interne eMMC gewechselt werden muss, dann spart das dem OEM zwischen 60 und 80 Mio. Euro ein – pro 100.000 Fahrzeugen –, und der Fahrer spart 500 Euro pro Werkstattbesuch.

Und die Performance-Vorteile?

Wir machen das Speichern im Auto gegenüber Open Source um bis zu 150 % schneller. Das ist besonders wichtig bei den neuen Applikationen der vernetzen Fahrzeuge wie Black-Boxen, ADAS, 3D-Kartendienste, V2X-Recording, EDR oder OTA-Updates. Der Platzbedarf des kompletten Software-Stack ist gerade mal 512 KByte, was auch für andere Anwendungen mit knappen Ressourcen interessant ist – also nicht nur Autos, sondern auch IoT und echtzeitkritische Applikationen.

Sie sind also auch an anderen Märkten als Automotive interessiert.

Unser größter Markt ist Automotive, gefolgt von Mobile, Netzwerktechnik, TV-STB, Kameras/Drohnen und Consumer-Applikationen.

Welche Vorteile hat es für Tuxera, direkt mit Flash-Speicher-Hersteller zusammenzuarbeiten?

Die Hersteller bieten uns Zugang zu den allerneuesten Produkten, die erst in zwei bis drei Jahren in Produktion gehen, und erklären uns tiefgehende technische Details, die es uns erlauben, den Software-Stack weiter zu verbessern. Damit können wir den OEMs zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung für einen neuen Speicher zeitnah die optimierte und getestete Software liefern. OEMs und ganz besonders Fahrzeughersteller wollen eine robuste Spitzenqualität, die gut ausgetestet ist und auch unter extremen Bedingungen arbeitet.