Kommentar Lenovo kauft IBMs x86-Servergeschäft

Manne Kreuzer, Markt&Technik
Manne Kreuzer

Die Gerüchte gingen schon seit geraumer Zeit im Markt um, jetzt steht fest: Lenovo kauft das x86-Servergeschäft von IBM für 2,3 Mrd. Dollar. Bereits 2004 übernahmen die Chinesen IBMs PC-Sparte für rund 1,8 Mrd. Dollar.

Eine Ära scheint damit zu enden: IBM konsolidierte 1981 den Microcomputer-Markt durch die Einführung des »IBM PC« und ebnete den Weg für die »PC-kompatiblen Rechner«, die noch weite Teile der heutigen Computerlandschaft ausmachen. Jetzt trennt sich das Unternehmen auch von den x86-Servern als »Enkel« dieser Urgeneration. Software soll aber weiterhin für die x86-Welt entwickelt werden, auch bietet das Unternehmen weiterhin seine »großen« RISC-Server an.

Der Verkauf des PC-Client-Geschäfts Ende 2004 war für viele eine Überraschung. Heute, wenn jede Quartalsstatistik den weiteren Niedergang dieser Geräteklasse dokumentiert, erscheint die Entscheidung als sehr vorausschauend, geradezu prophetisch. Droht also demnächst den Servern ihr Ende? Übernimmt die Cloud deren Aufgaben, auf Super-Server-Clustern, den neuen Mainframes?

Ganz aussterben werden kleine Server wohl nicht, denn es wird immer Daten geben, die man nicht im Irgendwo bei Irgendwem speichern will - NSA und Co. haben da ganze Abschreckungsarbeit geleistet. Auch gibt es Server-Aufgaben, die keine Störung aus dem Internet dulden und/oder sehr lokal sind. Hinzu kommen auch Anwendungsfälle mit besonderen Schnittstellenanforderungen - Embedded- und Appliance-Server treten so als spezialisierte Rechner das Erbe der unspezifischen Klein-Server an. Aber brauchen sie dafür x86-Prozessoren?