Rückkehr auf die Top-Position im Visier Kontron zündet die nächste Stufe

Hannes Niederhauser, Kontron/S&T: »Wieder die Nummer 1 der Embedded-Welt zu werden, ist meine Hauptmotivation, die mich jeden Tag umtreibt.«

Die Hauptversammlungen der Kontron AG und der S&T Deutschland Holding AG haben sich letzte Woche für einen Merger der beiden Firmen ausgesprochen. Wie es nun weitergeht und welche darüber hinaus gehenden Pläne es gibt, erklärt Hannes Niederhauser, CEO von S&T und Kontron.

Markt&Technik: Was kommt nach der Verschmelzung mit der S&T Deutschland Holding?
Hannes Niederhauser: Unmittelbar nach der Verschmelzung erhalten alle bisherigen Kontron-Aktionäre die Möglichkeit, ihre neuen S&T-Deutschland-Holding-Aktien wiederum in börsennotierte Papiere der S&T AG zu tauschen. Insofern sehen wir die Transaktion als einen Aktien-Swap.

Welche Vorteile hat der Merger?

Durch die Verschmelzung wird eine gemeinsame IoT-Strategie für die Unternehmen S&T und Kontron AG realisiert. Gleichzeitig wird Kontron die Möglichkeit eröffnet, über das S&T-Vertriebsnetz im osteuropäischen Markt zusätzliche Marktanteile zu gewinnen. Die Stärken des S&T-AG-Konzerns, nämlich Vertriebskanäle nach Osteuropa, ein breites Service-Netzwerk und hohes technologisches Know-how, insbesondere im Software-Bereich, werden um die Stärken der Kontron-Gruppe ergänzt, die sich vor allem im nordamerikanischen Markt und der jahrelangen Erfahrung in der Entwicklung von Embedded- und hardwarenahen Dienstleistung zeigt. Durch die Softwarekompetenz der S&T-Gruppe hat Kontron die Möglichkeit, das Produktportfolio mit Software-Produkten und ‑Dienstleistungen zu erweitern und somit die Wettbewerbssituation zu stärken, speziell im stark wachsenden Internet-of-Things-Markt.

Gibt es Auswirkungen auf der Finanzseite?

Ja, für Kontron werden zusätzliche Vorteile dadurch entstehen, dass nach der Verschmelzung weitere konzerninterne und externe Finanzierungslinien zur Verfügung stehen beziehungsweise leichter zu erschließen sein werden. Eine Verbesserung des Cash Flow geht damit ebenfalls einher. S&T Deutschland steht bereits in Verhandlungen mit Banken zur Verfügungstellung von Kreditlinien nach Wirksamwerden der Verschmelzung.

Was haben die Kunden von dem Firmenzusammenschluss?

Sie erhalten alles aus einer Hand. Durch unsere erfahrenen Ingenieure im OT- und IT-Bereich sprechen wir beide Sprachen und bieten so eine nahtlose und sichere Lösung vom Edge bis zur Cloud. Zusammen haben wir auch mehr Ingenieure, rund 2300 weltweit. Für die Hardware-Entwicklung bedeutet das mehr Innovationen im Bereich Embedded-Module, -Boards und -Systeme. Auf der Software-Seite gibt es zusätzliche Embedded Software und Middleware, beispielsweise für Security, Connectivity, Maintenance und Analytics. Mit dieser neuen Innovationskraft helfen wir unseren Kunden, ihre Projekte – zum Beispiel für Industrie 4.0, Smart Grid und Digital Healthcare – weiter zu beschleunigen und das Time-to-Market zu reduzieren. Zusätzlich können wir ODM-Services über unsere starken Partner Ennoconn/Foxconn im hohen Stückzahlbereich von über 100.000 pro Jahr anbieten.

Fusionen führen häufig zu Umstrukturierungen – müssen sich die Kunden an neue Ansprechpartner und Telefonnummern gewöhnen?

Die Umstrukturierung in regionale Verantwortungsbereiche mit klaren Kompetenzen und Ergebnisverantwortlichkeiten wurde bei Kontron bereits zum Jahresbeginn 2017 eingeführt. Auch die S&T-Gruppe ist regional organisiert, so dass nur kurzzeitig Änderungen bezüglich der Ansprechpartner nötig sind, das heißt für Kontron-Kunden gibt es nur vereinzelte Änderungen im Rahmen der Fusion. Es ist uns wichtig, hier Kontinuität zu bewahren und unsere Kunden möglichst wenig bis gar nicht mit neuen Ansprechpartnern und Telefonnummern zu belasten.

Haben auch die Lieferanten Vorteile vom Merger?

Viele der Kontron-Lieferanten sind durch eine unruhige Zeit gegangen, aufgrund der vielen Veränderungen, und werden sich über die erneute finanziellen Stärke und Stabilität der neuen Organisation freuen. Das neue Business-Model mit bewährter Hardware, aber neu mit Software- und Service-Lösungen als perfektes Paket –kundenspezifisch aus einer Hand – wird nicht nur die bisherigen Kontron-Kunden freuen, sondern auch viele neue Kunden bringen und damit natürlich auch das Geschäft entsprechend wachsen lassen. Und damit steigen natürlich auch die Umsätze mit den Lieferanten.

Wird es ein neues Logo geben?

Nein – das Logo und die Wortmarke der Marke „Kontron“ bleiben unverändert. Wir ergänzen „Kontron“ lediglich mit dem Zusatz „An S&T Company“, um im Rahmen einer Image-Kampagne auf die neue Organisation aufmerksam zu machen.

Die IT-Spezialisten von S&T sind ein wichtiger Bestandteil der Embedded-Cloud-Strategie – aber bislang hauptsächlich in Mittel- und Osteuropa aktiv. Wie sehen hier die Expansionspläne aus?

In diesem Jahr kommt der Roll-out in Europa. Ab 2018 expandieren wir nach China und ab 2019 in die USA.

Sind weitere Übernahmen geplant?

Vorläufig nicht, wir haben genügend mit der Integration der Kontron zu tun. Aber wir halten die Augen immer offen.

Wie stark ist der Reiz, wieder die Nummer 1 der Embedded-Welt zu werden?

Das ist meine Hauptmotivation, die mich jeden Tag umtreibt. Es ist ein ehrgeiziges Ziel von mir und dem gesamten Management, aber 2018 soll die 1-Milliarde-Euro-Marke bei den Umsätzen geknackt werden. Das ist realistisch, weil sich mit der Verschmelzung bereits für das Geschäftsjahr 2017 Umsätze zwischen 860 und 890 Millionen Euro ergeben. Mittelfristig und spätestens 2019 wollen wir wieder die Nr. 1 im Embedded-Computing-Markt sein.