Umstellung der Geschäftsstrategie Kontron will mit der Embedded Cloud zurück zum Erfolg

Baut das neue Geschäftsfeld Smart Energy massiv aus: CEO Hannes Niederhauser.
Hannes Niederhauser, Kontron und S&T: »Ich glaube, die schlimmsten Zeiten für Kontron liegen schon hinter uns.«

Mit mehr Embedded-Cloud-Technologie und -Service will Kontron aus der Krise kommen – und das in Rekordgeschwindigkeit. Helfend zur Seite stehen dabei die Partnerfirmen S&T und Ennoconn.

Bislang setzte Kontron auf eine Plattform-Strategie, wie sie auch die Automobilhersteller nutzen, also mit mehr Gleichteilen die Kosten reduzieren. »Wir suchen jetzt dagegen das Heil in einer größeren Rohertragsmarge, und das machen wir mit einer höheren Integration von Software und Dienstleistungen rund um das Thema Embedded Cloud«, erklärt Hannes Niederhauser, CEO von Kontron und S&T. »Damit wird das Segment IoT und Industrie 4.0 zu unserer Cash Cow. Wir bieten dazu Embedded Computer mit der entsprechenden Software an und sorgen für die nötige Connectivity und Software-as-a-Service für eine Embedded Cloud.«

Kontron macht bislang im Bereich IoT/Industrie 4.0 rund 220 Mio. Euro Umsatz mit einer Rohertragsmarge von 25%. S&T hingegen hat in diesem Geschäft eine Gross Margin von 56% und einen Umsatz von 160 Mio. Euro. Dabei tragen wiederkehrende Servicegebühren, mit einem Anteil von über 30%, schon seit Jahren entscheidend zum Erfolg von S&T bei. Dieses Erfolgsrezept soll künftig auch bei Kontron zum Einsatz kommen. Im Unterschied zu anderen Anbietern im Embedded-Cloud-Bereich sieht sich Kontron im Vorteil durch die erfolgreiche (rund 340 Mio. Euro Umsatz) IT-Service-Abteilung von S&T. Denn für die meisten Unternehmen stellt sich die Herausforderung, die Daten aus sehr unterschiedlichen Systemen der CAD-/Produktdaten-, der ERP- und der Shopfloor-Welt zusammenzuführen.

Ein solch modernes Industrie-4.0-Umfeld bringt es mit sich, dass die Anwendungen der betrieblichen IT und der OT (Operational Technology/Fertigungsumfeld) verschmelzen – allerdings gibt es zwischen den IT- und OT-Verantwortlichen wechselseitige Verständnis- und Kompetenzbarrieren.

An dieser Stelle will Kontron zusammen mit S&T helfen, da Kontron diese Problematik bewusst ist und beide Blickwinkel und deren Erfordernisse berücksichtigt werden können. Weil nicht jedes Unternehmen seine Daten irgendwo in der Cloud haben will, beziehungsweise einen möglichen Konflikt mit den europäischen Datenschutzrichtlinien vermeiden will, rechnen Kontron und andere Marktbeobachter mit dem Aufbau von Embedded Clouds, deren Hardware – im Unterschied zu denen der Privat Clouds der allgemeinen IT – auch den rauen Umgebungsbedingungen eines Werksgeländes widerstehen und Echtzeit-Anwendungen unterstützen.

Diese neue Klasse von Embedded Servern muss auch eine hohe Parallelität bieten. »Unser Partner Ennoconn hat mich mit einer Maschine mit 3800 Cores beeindruckt – auf ARM-Basis, das ist genau das Richtige für die enormen Datenmengen. ARM hat für mich durchaus Chancen, in diesem Bereich Intel etwas abzugraben. Wir setzen aber auf beide Architekturen«, erläutert Niederhauser. Ennoconn ist als Foxconn-Tochter nicht nur Hersteller der Hardware, sondern auch ein Anteilseigner von S&T.

Zur embedded world 2017 zeigte Kontron bereits erste Gerätestudien der neuen Rechnerklasse. »Zum Ende des Jahres haben wir dann unsere ersten Embedded-Server-Aufträge«, erläutert Niederhauser. »Ich glaube, die schlimmsten Zeiten für Kontron liegen schon hinter uns. Wir haben ein gutes Konzept, und wir werden wieder zeigen, was einen Lieferanten ausmacht – etwas mehr Demut, Respekt für den Kunden und keine Arroganz, und mehr Service – das wollen wir.«