Für 2011 rechnet Kontron mit einem nachhaltigen Aufschwung Kontron: Nutzen aus dem Schaden

Ulrich Gehrmann, Kontron: »Wir erwarten für das laufende Jahr einen weiterhin nachhaltigen Aufschwung und starkes organisches Wachstum.«
Ulrich Gehrmann, Kontron: »Wir erwarten für das laufende Jahr einen weiterhin nachhaltigen Aufschwung und starkes organisches Wachstum.«

Nach dem Betrugsfall in Asien und den wirtschaftlichen Turbulenzen der Vergangenheit sieht sich Kontron wieder eindeutig auf dem Wachstumskurs. Ulrich Gehrmann, CEO von Kontron, erläutert die Hintergründe und zeigt die Chancen auf.

Markt&Technik: Wie lief das Jahr 2010 für Kontron?

Ulrich Gehrmann: Das Geschäftsjahr 2010 war geprägt von Umsatzsteigerungen durch den Aufschwung im zweiten Halbjahr; der Jahresumsatz stieg um 8,7 Prozent auf 509,5 Mio. Euro. Durch eine Risikovorsorge in der malayischen Gesellschaft aufgrund des Verdachts auf organisierten Betrug liegt der EBIT bei -5,8 Mio. Euro. Ohne diesen Effekt hätte das EBIT rund +28 Mio. Euro betragen. Der Cash-flow war trotz der Risikovorsorge positiv. Vorstand und Aufsichtsrat haben deshalb beschlossen, der diesjährigen Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 20 Cent je Aktie vorzuschlagen.

Was erwarten Sie für das laufende Jahr?

Einen weiterhin nachhaltigen Aufschwung und starkes organisches Wachstum. Die Märkte sind gesund, und der Trend zum Outsourcen, von dem wir stark profitieren, ist ungebrochen. Wir erwarten für 2011, unseren Umsatz auf etwa 550 Mio. Euro steigern zu können.

Welche Wachstumstreiber sehen Sie?

In erster Linie die Zukunftsmärkte Energie und Sicherheit. In diesen Bereichen haben wir uns letztes Jahr durch strategische Zukäufe verstärkt. So wurden 40 Prozent der Anteile und die Mehrheit der Stimmrechte an ubitronix system solutions, einem österreichischen Spezialisten für Energie-Management, erworben und die US-amerikanische AP Labs, einer der weltweit führenden Anbieter von anspruchsvollen Komplettlösungen für den Sicherheitsbereich, übernommen. Aber auch der unter der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise stark in Mitleidenschaft gezogene Anwendungsbereich Automation, vor allem der Maschinenbau, hat sich wieder deutlich erholt - die Märkte und Kunden sind zurück, die Zeichen stehen eindeutig wieder auf profitablem Wachstum.

Gibt es regionale Unterschiede?

Starke Impulse gingen 2010 besonders von Europa aus, dessen regionaler Anteil an Kontrons Gesamtumsatz von 40 auf 46 Prozent stieg. Amerika entwickelt sich weiter sehr stabil und steigerte seinen Anteil am Gesamtumsatz von 31 auf 37 Prozent. Bedingt durch den Rückzug aus dem EMS-Geschäft, ging der Anteil der Emerging Markets von 28 Prozent im Vorjahr auf 17 Prozent zurück. Europa profitierte unter anderem durch den angesprochenen Aufschwung des Maschinenbaus, einer unserer Heimatmärkte. Für 2011 erwarten wir Wachstum in allen Regionen.

Wie werten Sie den asiatischen Betrugsfall?

Das war für uns zuerst einmal schockierend und band Managementkapazitäten für Monate. Gegen alle Schuldner und Beteiligten wurde Klage eingereicht. Den auf das lokale Management und das asiatische EMS-Geschäft beschränkten Fall haben Vorstand und Aufsichtsrat zum Anlass genommen, die Compliance- und Risiko-Management-Systeme im Gesamtkonzern zu überprüfen und gezielt zu verbessern. Wir haben das Top Management und die zweite Ebene gestärkt und lokale ’Kompetenzen‘ abgebaut und somit eine globale Kontron geformt.

Wie wirkt sich das konkret aus?

Es wurden Bereiche der Supply Chain nach Asien verlagert, das Einkaufsteam in Taiwan verstärkt und der Entwicklungsbereich reorganisiert und zentralisiert, um effizienter zu arbeiten. Außerdem haben wir entschieden, drei deutsche Gesellschaften zu verschmelzen und die übrigen europäischen Gesellschaften dieser neuen Gesellschaft zuzuordnen. Auch in Nordamerika stehen nun die US-amerikanische und die kanadische Tochtergesellschaft unter einheitlicher Leitung. Weitere Prozesse und Systeme sollen schrittweise global vereinheitlicht werden, um effizienter und schneller agieren zu können. Zudem haben wir uns aus dem margenschwachen Volumengeschäft mit Produktadaptionen und Auftragsfertigungen - dem Electronic Manufacturing Service - in Asien zurückgezogen.

Erwarten Sie Probleme durch die Lage in Japan?

Wir sind davon erst mal nicht betroffen. Die Stromknappheit und eine radioaktive Kontamination könnten sich aber auf die Wafer-Produktion auswirken, an der Japan einen Weltmarktanteil von 60 Prozent hat. Wenn das passieren sollte, hat die gesamte Elektronikwelt ein Problem. In den ersten zwei Quartalen erwarten wir für uns aber keine gravierenden Probleme.

Ist Ihr japanisches Geschäft betroffen?

Wir sind in Japan kaum vertreten, haben aber mit Emerson einen Partner, der dort traditionell stark ist. Emerson nutzt dabei unsere Produkte mit unserem Logo bei den Kunden. Uns fällt damit erstmal kein Umsatz weg - mittelfristig sehen wir aber ein Wachstumspotenzial.