Neue Geschäftsmodelle IoT ist mehr als M2M

Top-Manager aus der Embedded-Computing-Branche trafen sich auf Einladung der Markt&Technik in München zu einer Forumsdiskussion.
Top-Manager aus der Embedded-Computing-Branche trafen sich auf Einladung der Markt&Technik in München zu einer Forumsdiskussion.

Die Embedded-Computing-Branche ist gegenüber dem Internet of Things (IoT) sehr aufgeschlossen, differenziert das Thema aber stärker als andere Branchen und weite Teile der Öffentlichkeit - so der Tenor des Markt&Technik-Forums »Embedded Computing«.

»Viele die heute über IoT reden, meinen M2M. Von einer Pumpstation der Wasseraufbereitung wurden schon immer die Daten geholt, das ist nichts Neues«, erklärt Marcel van Helten, Head of Business Unit Industrial von Kontron. »Das wirklich Interessante ist, welche neuen Geschäftsmöglichkeiten entstehen - dass ein Teil davon M2M-Applikationen sind, ist klar.« Vorangetrieben werde das IoT-Thema dabei nicht von den Technikern in den Unternehmen, sondern von ihren Lenkern. »Das Erste was man vom Vorstand gefragt wird, ist welche IoT-Strategie man hat. Es geht dabei nicht um die Technologie, es geht um neue Geschäftsmodelle«, betont van Helten.

Ein Beispiel dafür nennt Dirk Finstel, CEO EMEA von Adlink Technology: »Ein neues Umsatzmodell das entsteht, ist Recurring Revenue, also wiederkehrende Umsätze. Das ist etwas ganz anderes, als das, was wir von der Embedded-Welt gewohnt sind.« Die neuen Einnahmequellen könne man zwar deutlich besser handhaben und sie seien lukrativer, allerdings bei stark gestiegenem Anfangsinvestment. Das Geschäftsmodell sei für die Embedded-Branche disruptiv und zwinge in ganz anderen Kategorien zu denken. Ein anschauliches Beispiel einer möglichen Entwicklung ist das Handy-Geschäft: Die Hardware wird subventioniert und die Einnahme erfolgen über die Nutzungsverträge.

Alle Bereiche von IoT können und wollen die Embedded-Computing-Anbieter nicht abdecken. »IoT ist sehr umfassend, wir im Embedded-Bereich reden nur über gewisse Gerätschaften«, erläutert Wolfgang Heinz-Fischer, Leiter Marketing und PR der TQ-Group: »IoT geht runter bis hin zu einer Lampe oder intelligenter Bekleidung, mit denen kommuniziert wird. Dann kommt eine Schicht, die wir vielleicht noch gar nicht sehen, wo Embedded-Technologie aber eine Rolle spielen wird - die Datenkonzentratoren. Dies wird für uns interessant, weil ein neuer Markt entsteht, die heutige Kommunikationstechnik ist dafür nicht ausreichend.«

Wo sieht die Expertenrunde die großen Herausforderungen? »In der Industrie sind die Sicherheitsbedenken ganz andere, man will wissen wer Zugang zu den Daten hat. Da sind wir als Hersteller gefragt und zwar nicht nur mit Hardware, sondern auch mit den passenden Softwarekomponenten - vom BIOS bis hin zu den Softwarestacks, damit alle Daten verschlüsselt sind«, betont Heinz-Fischer.

Das Schnüren von anwendungsorientierten und softwarelastigen IoT-Paketen wird also künftig ein wichtiger Teil des Embedded-Geschäfts sein. »Für einen Hardware-Hersteller klingt es wie ein Tabu-Bruch, dass die Hardware keine Rolle mehr spielt«, räumt Finstel ein. »Um die Möglichkeiten der Hardware zu beweisen, braucht man die beste Software. Und wenn man die nicht im Griff hat, dann kann man auch seine beste Hardware nicht verkaufen. Der Trend in den nächsten drei Jahren wird daher sein, dass Embedded-Hardware-Hersteller mehr Softwareentwickler einstellen müssen.«