Infineon setzt auf Roboter ICs für die neue Roboter-Generation

Dr. Clemens Müller, Infineon: »Wir bieten von den Controllern über das Power-Management bis zu den Sensoren und der Leistungselektronik eine umfangreiche Palette von Bausteinen, mit deren Hilfe wir die Elektronik für die neue Generation von kollaborativen Robotern liefern können. Weil alles aus einer Hand kommt, können wir die Bauelemente auf ihr Zusammenspiel in den jeweiligen Zielsystemen optimieren.«
Dr. Clemens Müller, Infineon: »Wir bieten von den Controllern über das Power-Management bis zu den Sensoren und der Leistungselektronik eine umfangreiche Palette von Bausteinen, mit deren Hilfe wir die Elektronik für die neue Generation von kollaborativen Robotern liefern können. Weil alles aus einer Hand kommt, können wir die Bauelemente auf ihr Zusammenspiel in den jeweiligen Zielsystemen optimieren.«

Infineon will mit die bisher schwerfälligen Industrieroboter intelligent machen – und kennt die Anforderungen auf Systemebene genau, weil diese Roboter in den eigenen IC-Fabs arbeiten.

Die Robotik zählt neben Drohnen, IoT und Car Security zu den künftigen Kernzielmärkten von Infineon. So will das Unternehmen wie kürzlich berichtet mit einer neuen Kommunikationstechnik für die Ansteuerung von Motoren die Robotik revolutionieren und hat auch sonst viel in diesem wachstumsträchtigen Markt vor.

Dass Roboter in die industrielle Fertigung jetzt massenhaft Einzug halten, hat sich in den letzten Jahren bereits herumgesprochen. Die eher tumben großen Industrieroboter, die den Menschen schwierige und gefährliche Arbeiten abnehmen, haben sie sich zu neuen Typen entwickelt, die kollaborativ sein sollen, also mit den Menschen Hand in Hand arbeiten. Die sprunghaften Fortschritte der Technologie auf den Gebieten der Sensorik, der Analyse riesiger Datenmengen und der künstlichen Intelligenz, haben aus den ehemaligen recht unflexiblen Riesen recht agile Helferlein gemacht. Pioniere dieser Entwicklung, die vor rund sechs Jahren so richtig einsetzte, waren Firmen wie KUKA und ABB, die Zahl der Hersteller insgesamt war recht überschaubar.

»Das ändert sich jetzt grundlegend«, sagt Dr. Clemens Müller, Director Business Development Robotics von Infineon. Denn nun tauchen unzählige relativ kleine Start-up-Firmen auf, deren Experten nichts anderes tun, als Algorithmen zu schaffen, auf deren Grundlage sie neue Roboter-Konzepte entwickeln. Die mechanische Auslegung der Roboter, interessiert diese Firmen kaum. Die etablierten Roboter-Hersteller könnten die neuen »Algorithmik-orientierten« Start-ups zwar mit ihrer Hardware beliefern, werden das aus naheliegenden Gründen aber kaum tun.

Was die neuen Start-ups nicht wirklich daran hindern kann, den Markt durcheinander zu wirbeln. Wenn die Etablierten sich zieren, bieten sich Alternativen. Etwa auf Mechatronik spezialisierte Zulieferer, von denen es viele gibt, sowie die neuen Möglichkeiten des 3D-Drucks, der ebenfalls erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen.  

Auch mit der zweiten Sorte von Hardware, die für die Roboter Voraussetzung ist, wollen sich die Algorithmik-orientierten Firmen nicht beschäftigen: Den Chips auf deren Grundlage die Elektronik erst funktionieren kann.

Hier sieht Dr. Clemens Müller die Chance für Infineon: »Wir bieten von den Controllern über das Power-Management bis zu den Sensoren und der Leistungselektronik eine umfangreiche Palette von Bausteinen, mit deren Hilfe wir die Elektronik für die neue Generation von kollaborativen Robotern liefern können. Weil alles aus einer Hand kommt, können wir die Bauelemente auf ihr Zusammenspiel in den jeweiligen Zielsystemen optimieren.«

Zu den neuen Firmen, mit denen Infineon auf dem Gebiet der neuen Roboterkonzepte zusammen arbeitet, gehören eher unbekannte Namen wie Vectioneer. Wie agil sich die Szene entwickelt, dürfte die breitere Öffentlichkeit mitbekommen haben, als die DLR-Tochter Franka Emika kürzlich den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis 2017 erhalten hatte. Das Unternehmen entwickelt genauso wie Vectioneer eigene kollaborative Robotersysteme. Diese Firmen sind in der Lage, innerhalb von wenigen Wochen Entwicklungsplattformen aufzubauen, auf deren Basis die Roboter für den Einsatz in ganz unterschiedlichen Gebieten entstehen. Sie müssen nicht wie die vorausgegangenen Roboter-Generationen aufwändig programmiert werden. Einmal erstellt, liegt das Programm dann auch nicht für lange Zeit fest. Sie lassen sich vielmehr ständig neu programmieren und sie können ihre Bewegungsabläufe – weil lernfähig – sogar selbständig neuen Gegebenheiten anpassen und optimieren.

23 Prozent Wachstum

Kein Wunder, dass die Marktforschung den neuen, flexiblen und lernfähigen Robotersystemen kräftige Wachstumsraten voraussagen. Laut IHS  erreichte der Umsatz im Markt für Industrieroboter weltweit 2015 fast 10 Mrd. Dollar. Zwischen 2015 und 2020 sagen die Analysten ihm ein Wachstum von 23 Prozent voraus. Die Kollegen von IFR Statistical Department prognostizieren in ihrem World Industrial Robots Report (2016), dass die Zahl der installierten Einheiten bis 2019 auf 2,6 Millionen steigt.