Markt&Technik-Forum Teil 1 Euphorie trifft neue Märkte und neue Verantwortung

Die Expertenrunde des Markt&Technik-Forums "Industriecomputer & Embedded Systeme".
Die Expertenrunde des Markt&Technik-Forums "Industriecomputer & Embedded Systeme".

Das Embedded-Geschäft wird momentan weniger von neuen Technologien dominiert, sondern mehr von neuen Märkten und Geschäftsmodellen. Damit einher gehen neue Entscheidungsträger und -prozesse – so die Expertenrunde des Markt&Technik-Forums „Industriecomputer & Embedded Systeme“.

Messen sind ein wichtiger Indikator für die Stimmungslage sowohl bei den Ausstellern als auch den Besuchern. Im letzten halben Jahr haben drei große Messen die Marktlage widergespiegelt. »electronica, SPS und embedded world haben gezeigt, dass neue Projekte ganz groß anstehen«, erklärt Wolfgang Eisenbarth, Managing Director von Portwell. »Es ist im Moment ein sehr interessantes Umfeld, das einen gewissen Eindruck von Euphorie hinterlässt.« Diese Beobachtung hat auch Martin Steger, Geschäftsführer von iesy, gemacht und ergänzt: »Es gibt auch eine hohe Affinität zu neuen Technologien, die vorgestellt wurden – also wenig Vorbehalte und der Willen der Kunden, sich mit diesen Technologien zu befassen.«

Als Grund vermutet Christian Eder, Director Marketing von congatec: »Der Spaß kommt, wenn Technologien, die bisher getrennt genutzt werden, zusammenkommen. IoT ist ein Beispiel – das ist eigentlich nichts Neues, aber die Kombination der Technologien bringt Schub in den Markt.« – »An Basistechnologie haben wir genügend«, betätigt Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron, »es ist jetzt die Zeit der Ausführung – das heißt Partnerschaften bilden, Middleware und Software zusammenbekommen und dann umsetzen. Für viele Kunden ist das momentan etwas schwer – das ist jetzt die Herausforderung für uns.«
 

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Markt&Technik Round Table Teil 1

Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums "Industriecomputer & Embedded Systeme"

Der Wunsch, neue Technologien zu integrieren, ist in fast allen Kundensegmenten zu beobachten. »Etablierte Anlagenbauer und Sensorhersteller kommen auf uns zu, die das Thema IoT für sich entdecken haben und sich jetzt mit großer Euphorie hineinstürzen«, berichtet Benjamin Kuppler, Project Manager von Technagon. »Das Thema Monetarisierung oder den Business-Case zusammenstellen, da wird es allerdings oftmals auch ein bisschen schwieriger. Aber die Euphorie und der Wille sind da. Man muss den Kollegen helfen, den Business-Case aufzuzeigen, den Mehrwert für sich oder den Endkunden. Das ist die Herausforderung, die wir spüren – aber da helfen wir gerne mit unseren Dienstleistungen weiter.«

Wer glaubt, dass traditionelle Marktsegmente hier träge reagieren, irrte sich. »Es wurde jahrelang über neue Geschäftsmodelle geredet, und die finden jetzt im industriellen Bereich statt – nicht bei Smart Home«, betont Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer von SSV Software Systems. »In der Industrie starten Leute Projekte, um ihr Geschäftsmodell zu ändern. Sie wollen ihre Maschine oder Anlage nicht mehr verkaufen, sondern als Service laufen lassen und entsprechend abrechnen. Damit haben sie auch das Problem, dafür zu sorgen, dass die Maschine läuft, denn sie bekommen kein Geld bei einem Geräteausfall.« Als Konsequenz daraus werde die Anbindung an eine Cloud gesucht, um zum einen die Abrechnung zu organisieren, aber auch dank Predictive Maintenance den Stillstandzeiten entgegenzuwirken. »Die Entscheidungsfindung geht damit nicht mehr vom Industriecomputer aus, sondern über die IBM- oder Microsoft-Cloud und über Consulting-Unternehmen, die Software in die Cloud packen wollen.«

Diese Veränderung schlägt sich doppelt beim Einkauf der Embedded Boards und System nieder: Zum einen muss die Baugruppe nun zur Cloud passen, zum andern haben sich oftmals die Entscheidungsträger geändert. »Es sind immer häufiger Portfolio-, Produkt- oder Businessmanager, die entscheiden, denn sie müssen vorausschauen, was ihre Kunden in Zukunft brauchen, erklärt Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron, »und welchen Bedarf die Geräte haben werden.« – »Zudem wissen diese Manager, welche gesetzlichen Anforderungen umgesetzt werden müssen und welche Rahmenbedingungen zu erfüllen sind«, ergänzt Walter. »Wenn man sich das Organigramm einer solchen Firma anschaut, dann sind das Matrixorganisationen, und der Produktmanager hat eine Querschnittsfunktion. Der ist im Prinzip mit Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Produktion – mit allen – vernetzt. Er denkt strategisch.«