Kommentar Etappenziel PCIe 4.0

Manne Kreuzer, Ltd. Redakteur, MKreuzer@markt-technik.de

Das Rennen um das erste Produkt mit PCI-Express-4.0-Bus ist offiziell eröffnet. Den Startschuss dazu gab die PCI-SIG jetzt mit der Veröffentlichung der Version 1.0 der PCIe-4.0-Spezifikation.

Wer wird wohl den ersten Baustein anbieten und damit sich als Träger der Technologie-Krone wähnen und König ohne Untertan sein? Denn alleine, ohne einen weiteren Baustein, der ebenfalls die neueste Version des High-Speed-Busses nutzen kann, ist der Erstling praktisch nutzlos, da nichts mit ihm Daten austauschen kann. Es geht dabei ganz klar um das Prestige - wie bei einem Beschleunigungsrennen, um als erster an der nächsten roten Ampel zu stehen.

Es muss sich also erst noch ein PCIe-4.0-Baustein-Biotop bilden, bevor die ersten Board-Level-Produkte entstehen. Zusätzlich müssen sich die Entwickler noch mit der neuen Technologie vertraut machen, denn eine Verdoppelung der Übertragungsrate im GHz-Bereich ist alles andere als trivial, halbiert sie doch praktisch auch den Spielraum, den die Entwickler haben. Läuft dann das Design nicht, ist meist Hochleistungsmesstechnik gefordert, da auf praktische Erfahrungswerte noch nicht zurückgegriffen werden kann. Stehen also die entsprechend leistungsfähigen Messgeräte schon in den Laboren der Entwickler bereit oder muss neues Equipment her?

Ohne Investitionen – sei es in Schulungen oder Messtechnik – wird der Umstieg auf 4.0 selten möglich sein. Und ist er schon erforderlich? Für die meisten Applikation ist die Performance von PCIe 3.0, teilweise sogar die von PCIe 2.0 vollkommend ausreichend. Mittelfristig muss man sich über die Lieferfähigkeit dieser Bausteine keine Gedanken machen. Bei einigen Schlüsselbausteinen kann der Kundendruck auch eine langfristige Versorgung sichern – die Vergangenheit kann die Beharrlichkeit und Überzeugungskraft der Kunden durchaus eindrucksvoll belegen.

Konnte man beim Übergang von PCIe 1.0 auf 2.0 berechtigterweise davon ausgehen, dass langfristig kein Weg am „Aufstieg“ vorbei führt, sind diesmal Zweifel am automatischen Übergang von 3.0 auf 4.0 möglich: Denn bereits im zweiten Quartal 2019 will die PCI-SIG die PCIe-5.0-Spezifikation veröffentlichen. Wer bis dahin keinen Leidensdruck hatte, kann vermutlich auch das Rennen um die ersten 5.0-Bausteine in Ruhe abwarten. Wenn dann aber ein neues Design notwendig wird, muss auf der sprichwörtlich grünen Wiese neu anfangen werden, denn kaum ein heute erhältlicher Steckverbinder kann bei der Übertragungsrate von 32 GT/s noch mithalten, und die gewohnten Design-Methoden für die Leiterplatten haben ebenfalls ihr Ende erreicht.

Ob der Termin Q2/2019 für die Technik eingehalten wird, ist durchaus fraglich, noch fraglicher ist es, ob es wirtschaftlich überhaupt erwünscht ist. Haben sich die 4.0-Investitionen schon amortisiert und gibt es bereits genügend Anwendungen, die den nächsten Sprung finanzieren können? Sich mit der PCIe-4.0-Technologie zu beschäftigen ist wahrscheinlich nicht falsch, denn sie könnte uns wesentlich länger erhalten bleiben, als es der „Rennleitung“ lieb ist.