Permanenter Feinschliff erforderlich Embedded-Computing-Branche muss IT-Einflüsse richtig kanalisieren

Jens Plachetka, MSC Technologies: »Das Thema Echtzeit ist vor allem bei Automatisierungs- und Steuerungsanwendungen von Bedeutung, allerdings treten die Rechenleistung, die Grafikeigenschaften und der Bedienkomfort der Embedded-Systeme immer massiver in den Vordergrund.«
Jens Plachetka, MSC Technologies: »Das Thema Echtzeit ist vor allem bei Automatisierungs- und Steuerungsanwendungen von Bedeutung, allerdings treten die Rechenleistung, die Grafikeigenschaften und der Bedienkomfort der Embedded-Systeme immer massiver in den Vordergrund.«

Die Trends der klassischen IT fordern die Embedded-Computing-Branche heraus - es gilt daher, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Die langfristige Verfügbarkeit von Baugruppen ist ein Eckpfeiler des Embedded-Computing-Geschäfts. Gleichzeitig trifft die Branche auf recht kurzlebige Trends aus der Consumer- und Enterprise-IT, die immer wieder Einfluss nehmen. Mancher dieser Trends wird aber auch zu einem De-Facto-Industriestandard. Ein Beispiel dafür ist der Mini-ITX-Formfaktor, den VIA Technologies im Jahr 2001 vorstellte und der seitdem eine sehr erfolgreiche Embedded-Karriere machte. »Ohne Zweifel ist Mini-ITX der heute führende Standard bei den Embedded-Motherboards«, erklärt Jens Wiegand, CTO von Kontron. »Er bietet viele Standard-Interfaces und fast immer auch einen Slot für PCI-Express-Erweiterungen. Das reicht für viele Anwendungsfelder aus.« Hinzu komme, dass Mini-ITX das kleinste ATX-kompatible Board-Format ist und damit vom ATX-Ökosystem profitieren kann, das ja auch im klassischen IT-Sektor führend ist. Zudem erweitert die Embedded-Branche das Mini-ITX-Portfolio seit einiger Zeit um Baugruppen mit ARM-Prozessoren und vergrößert so die Anwendungsmöglichkeiten zusätzlich.

Ein neuer Einfluss aus der klassischen IT ist »NUC«. Das von Intel entwickelte Konzept könnte aufgrund seiner kompakten Abmessungen (10,2 x 10,2 cm) auch für den Embedded-Bereich interessant sein. »NUC im Embedded-Bereich steht noch am Anfang aufgrund der limitierten Anzahl von Schnittstellen, die auf dem beschränkten Platz angeboten werden können«, erläutert Christian Eder, Director Marketing von congatec. »Eventuell eröffnen sich für NUC segmentspezifisch Anwendungen in Embedded-Applikationen. In der SGET wurde erst kürzlich dazu eine neue Arbeitsgruppe gestartet. Ziel ist es, einen NUC-ähnlichen Standard zu schaffen, der auch für Embedded-Anwendungen geeignet ist.«

In seiner jetzigen Form ist NUC für die meisten Embedded-Anbieter nicht sonderlich von Interesse. »NUC wurde von Intel als Gegenpol zum Raspberry Pi in den Markt gebracht. Der Formfaktor ist hierbei also zunächst unerheblich. Entscheidend ist eher die Zielgruppe. Und die liegt derzeit eher abseits des Embedded-Segments«, betont Wiegand. »Das begrenzt ausgeführte Featureset eignet sich zudem auch nur für Mainstream-Applikationen.«