Kolumne Durchgebrannt im Baumarkt

Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien.
Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien.

FUMP! Jetzt haben schon wieder zwei Halogenlampen im Bad den Geist aufgegeben. Wenn ich mich nicht im Dunkeln mit dem Rasierer verstümmeln will, hilft nur eins: ab in den Baumarkt – und das zur Prime-Time am Wochenende.

Mich schaudert es, da ich schon jetzt genau weiß, was mich dort erwartet. Denn offensichtlich fahren alle Freizeit-Aktivisten am Samstag frisch gesaugt und gewachst von der Autowaschstraße direkt in den Baumarkt. In dem Gewimmel sehe ich auffallend viele Paare, die zielstrebig auf ihren ersten Eheberatungstermin hinarbeiten. Er schiebt würdevoll den Wagen, sie orientiert sich umsichtig. Entgegen landläufiger Meinung glaube ich inzwischen, dass Frauen mehr Spaß daran haben, samstags durch den Baumarkt zu irren als Männer.

So braucht die durchschnittliche Frau auch „nur“ ungefähr vier Stunden, um im Obi einen Schraubenzieher zu kaufen. Ganz selbstverständlich nimmt sie auch gleich noch drei Säcke Teelichter („Wenn wir mal grillen“) und 56 Rollen Geschenkpapier („Weihnachten ist jedes Jahr“) mit. Doch auch die Männer haben im Baumarkt ihre Höhepunkte.

Viele, die zu Hause keinen Nagel gerade in die Wand schlagen können, fachsimpeln schon mal gerne eine halbe Stunde mit dem Fachpersonal über den richtigen Anpressdruck von linksdrehenden Schlagbohrern. Mir fällt es bei all den Blumentöpfen, Grillanzündern, Pressspannplatten und unzähligen Hinweisschildern schwer, die Halogenspots zu finden. Doch irgendwann stelle auch ich mich mit meinen Lampen in der Hand an der Kasse an. Vor mir steht ein weiß-besockter 138 Sandalenträger mit Cordhut und ultrakurzen Bermudas, der versucht seinen Zwei-Zentner-Sack Fliesenkleber und die dazu gehörigen Fliesen der Kollektion „Bandscheibenquetscher“ auf das Kassenband zu wuchten. Plötzlich eine Stimme aus dem Nichts: „Mit der Payback-Kundenkarte gibt es heute auf die Reisnägel acht Prozent Rabatt!“ plärrt mir eine untermotivierte Kassenkraft entgegen. Das lasse ich mir nicht entgehen. Ich drehe noch mal um und besorge mir eine 10-Kilo-Trommel erlesenster Reisnägel.

Jetzt aber schnell das Gekaufte zum Auto bringen – die Königsetappe eines jeden Baumarktausflugs. Auf den Baumarkt-Parkplätzen lauert die Gefahr: wenn gestresste Grobmotoriker an Metallic-lackierten Kotflügeln ihren riesigen Einkaufswagen – beladen mit Sachen wie der Einbauschrankwand Modell „Chinesische Mauer“ – vorbei balancieren wollen. Bei Kratzern im Lack gibt es ja gleich Hilfe im Baumarkt – geht nicht, gibt´s nicht.