embedded world 2013 Deutlicher Wandel im Embedded-Geschäft

Die Embedded-Anbieter verändern ihre Geschäftsprozesse und -strategien. Das war auf der embedded world 2013 deutlich zu sehen. Die Umbrüche ziehen sich durch alle Bereiche des Embedded-Geschäfts und haben je nach Segment ein anderes Gesicht und teilweise unterschiedliche Ursachen.

Im Bereich der Software beispielsweise sind es die Forderungen nach mehr Sicherheit und Bedienbarkeit sowie der Erfolg der ARM-Chips, die den Wandel vorantreiben. »Im Markt werden wir meistens noch als Power-PC- und Avionik-Company gesehen, wir machen aber mittlerweile den Großteil unseres Geschäfts mit ARM und Automotive«, erklärt Christopher Smith, Vice President Marketing von Green Hills Software. »Der Umbruch fand über die letzten zwei Jahren statt.«

Ebenfalls stark im Bereich der Avionik und zunehmend in den Automotive- sowie Bahntechniksektoren ist Sysgo, die mit dieser Entwicklung sehr zufrieden ist: »Wir sind auf einem aggressiven Wachstumspfad und wollen bis 2017 weltweit unter die Top-3-Anbieter von zertifizierten Echtzeitbetriebssystemen vorstoßen«, betont Knut Degen, Vorstand von Sysgo. Das Unternehmen profitiert, wie der Mitbewerber Green Hills, von den Kundenforderungen nach zertifizierbarer Software und dass immer mehr Anwender Hypervisor als der sinnvollsten Weg zur Nutzung von Multicore-Prozessoren ansehen. Hypervisor integrieren die Board-Hersteller schon seit Jahren, die Anwender mussten allerdings erst ihre Lernkurve durchlaufen, um diese Technik auch effektiv ausschöpfen zu können.

Die Board-Hersteller selbst sind schon eine »Problem«-Generation weiter und müssen für ihre ARM-Produkte wieder auf die Hilfe von Drittanbietern setzen: Die Entwicklung der Board Support Packages ist - im Unterschied zu x86 - bei den meisten Herstellern outgesourced. Gleichzeitig fordern Kunden, die ARM nutzen wollen, eine deutlich höhere Integration von Hard- und Software von ihren Board-Lieferanten - als Ursache gilt der erhöhte Zeitdruck bei Projekten mit ARM. Gleichzeitig ändern sich die Stückzahlen und die Forderung nach langfristiger Verfügbarkeit wird nicht mehr so häufig gestellt.

Durch die Sparpolitik vieler Staatshaushalte verzögern sich große Infrastrukturprojekte, was das Embedded-Schwergewicht Kontron bereits zu spüren bekam: Die Umsätze und Gewinne schwinden. »Wir haben große multinationale Kunden und unterscheiden uns damit von vielen Mitbewerbern«, erklärt Rolf Schwirz, neuer CEO von Kontron. »Im indirekten Geschäft liegen wir aber hinter unseren Mitbewerbern.« Deshalb wird nun dieser Vertriebskanal gestärkt und zusätzlich die Unternehmenstruktur vereinheitlicht - aus rund neun unabhängigen Einheiten sollen ab 1. April vier vertikale Vertriebseinheiten werden. Zudem unterstützt Kontron nun auch den bislang vernachlässigten CompactPCI-Serial-Standard: gleich fünf verschiedene Baugruppen wurden auf der embedded world vorgestellt.

Auch der Wettbewerber Adlink Technology setzt auf Strukturanpassungen und verlagert Verantwortung aus Taiwan heraus nach Europa. Mit Dirk Finstel, dem ehemaligen CTO von Kontron hat das Unternehmen einen neuen Europa- und globalen Modul-Geschäft-Chef gefunden. »Der Kommandant muss vor Ort sein und nicht in der Verwaltungszentrale«, betont Jim Liu, CEO von Adlink. »Deshalb ist er hier, wo das Schlachtfeld ist.« Damit beschreibt Liu auch das härter werdende Embedded-Geschäft und sinkende Margen.

Als eine Konsequenz daraus stehen für viele Board- und Modul-Hersteller die langjährigen Lieferantenbeziehungen unter Beobachtung. »Bislang konnte man uns eigentlich als eine Freescale-Company bezeichnen«, räumt Wolfgang Heinz-Fischer, Leiter Marketing und PR der TQ-Group ein. »Wir haben aber eine Lücke zwischen den Cortex-A8- und -A9-Prozessoren identifiziert, die wir nun mit Hilfe von Texas Instruments schließen.« Mit dem »TQMa355«-Modul setzt TQ so erstmals TI-Prozessoren ein.

Lücken im Portfolio seiner asiatischen Lieferanten hat auch IPC2U identifiziert und deshalb erstmals ein eigenes System entwickelt: Der »iRobo-DR« ist ein Hutschienenrechner auf Basis der Vortex86MX+-CPU. Damit will IPC2U Anwendungen adressieren, die für die stückzahlorientierten Asiaten bislang als uninteressant gelten.

Die Fokussierung nicht nur auf die großen, sondern auch mittelgroßen Branchenlösungen ist auch bei Moxa zu beobachten: Der Kommunikationstechnik-Hersteller hat neben industriellen Anwendungen unter anderem die Bahntechnik ins Visier genommen und seine Produktpalette entsprechend um Embedded-PCs, Massenspeicher und Videokameras erweitert.