NetModule Chip-Schmiede als Marktöffner

Es ist in diesen Zeiten recht ungewöhnlich, als Schweizer Mittelständler einen asiatischen Anbieter von Multimedia-Chips in die »Familie« aufzunehmen. Neben möglichen Projekten auf Basis des Chips besteht die Hoffnung auf Zugang zum chinesischen Markt – sowohl bei Produkten als auch bei Technologie.

Versuchen Großunternehmen oftmals, Analysten und Anleger mit langatmigen Strategiepräsentation davon zu überzeugen, dass sie langfristig agieren und nicht nur mit wilden Aktionismus reagieren, ist der Mittelstand bodenständiger und gibt offen zu, eine Gelegenheit beim Schopf zu packen: so auch der Schweizer M2M-Kommunikationsspezialist NetModule, der bei einem Linux-Portierungsauftrag auf einen sehr interessanten Multimedia-Chip einer Firma aus Hongkong stieß – wesentliche IPs für den Baustein kommen übrigens aus Deutschland.

Das System-on-Chip vereint einen ARM11-Core mit zahlreichen Schnittstellen und zwei Videoprozessoren und adressiert diverse Anwendungsgebiete wie Video-Telefonie, mobile Internet Devices (MIDs) und Triple-Play-Settop-Boxen. Digital Signage und Gebäudeautomationsanwendungen sind aber auch denkbar.

»Operativ kooperiert NetModule mit BlueBit«

Beeindruckt von den Fähigkeiten des Bausteins, vertieften sich die Gespräche, die dann darin gipfelten, »dass die Mutter uns ein Schwesterchen gekauft hat«, berichtet Jürgen Kern, Geschäftsführer der NetModule AG und gleichzeitig Mitglied des Verwaltungsrates der NetHolding AG. »Operativ kooperiert NetModule mit BlueBit – so der Name des Hongkonger Unternehmens.«

Diese Zusammenarbeit hat gleich mehrere Vorteile, beispielsweise haben die Schweizer so kompletten Zugriff auf die Technologie, können aber gleichzeitig auch ihr eignes Knowhow einbringen. »Wir wollen gemeinsam Produktideen umsetzen «, erklärt Kern, »BlueBit hat interessante Ideen, aber wenig Erfahrung, Embedded-Designs zu machen.« NetModule will sich also auf Produktentwicklungen und Entwicklungsaufträge konzentrieren und nicht auf den Vertrieb des Bausteins. Dieser steht als kostengünstiger Chip im Wettbewerb mit Lösungen von Texas Instruments oder Broadcom.

»Die haben aber in der Regel keinen Voice-CODEC drauf«, berichtet Kern, »der muss extern sein und kostet was.« Den Chip-Vertrieb in Europa will Blue- Bit nicht als breiten Verkauf anlegen. »Wir gehen OEMs selektiv an«, berichtet Kern, »denn mancher Kunde will eine Technologie einsetzen, die andere nicht haben «. Als Systemhaus und Entwicklungspartner für die Bausteinkäufer bietet sich entsprechend NetModule an. Neben dem Zugang zu dieser potenziellen Kundenbasis wird BlueBit auch als Keimzelle für NetModule Asia dienen.

»BlueBit wird uns in Hongkong helfen«

»Bei der Standort- und Personalsuche in Hongkong wird uns BlueBit helfen«, erklärt Kern. Mit Hongkong als Standort hat Kern bereits gut Erfahrungen gemacht. So hat ihn beispielsweise die schlanke Bürokratie beeindruckt: »Die Gründung von NetModule Asia hat uns drei Stunden und 700 Euro gekostet. « Auch lobt er die Geschäfts- Ethik in Hongkong, die klar in britischer Tradition steht. »Zudem legt die Sonderwirtschaftszone Wert auf den Schutz des Intellectual Property«.

Darüber hinaus haben die Hongkong-Chinesen gute Kontakte zu den Festland-Chinesen – und diese möchte Kern gern nutzen. »Ohne Beziehungen kommt man an viele Leute einfach nicht heran – Networking ist in China wichtiger als bei uns.« So sieht NetModule für seine »NetBox«-Serie sowohl gute Sourcing-Möglichkeiten als auch hervorragende Absatzchancen im chinesischen Markt und möchte künftig dieses Potenzial besser nutzen – dazu müsste der Kontakt mit den Festland-Chinesen aber verbessert werden.

Mittelfristig setzt Kern auch auf Entwicklung für China, und das in China: »Man braucht vor Ort Leute, mit denen man vertrauensvoll arbeiten kann.« Als Erfolg versprechendes Gebiet sieht er dafür – neben dem M2M-Markt – den Bereich der elektronischen Anzeigesysteme: »China ist der größte Markt für Digital Signage – dazu braucht man aber ein chinesisches Produkt.« Mit BlueBit hat Netmodule nun das Potenzial, seine Pläne entsprechend anzugehen – und das ganz ohne aufwändige Strategiepräsentationen.