Embedded-Trends Apps erobern die Embedded-Branche

Stephan Hausmann, E.E.P.D.: »Die Entscheider werden immer zu dem tendieren, was sie kennen und für gut erachten.«
Stephan Hausmann, E.E.P.D.: »Die Entscheider werden immer zu dem tendieren, was sie kennen und für gut erachten.«

Das App-Konzept hat das Verständnis für Softwareprogramme verändert. Auch der Embedded-Bereich kann sich dem nicht verschließen, ist sich die Expertenrunde auf dem Markt&Technik-Forum »Embedded Computing« sicher.

Der Einfluss aus der Consumer-Elektronik auf die Embedded-Branche ist unbestritten. Auch ist der »Weg durch die Instanzen« in diesem Segment nicht unbekannt: Beispielsweise brachten Studienabsolventen Linux in die Betriebe und haben so einen Branchenstandard gesetzt. Muss die Embedded-Welt jetzt mit Apps rechnen?

»Dem Einfluss wird man sich nicht entziehen können. Es ist ein Trend, der Markt lebt und ist dynamisch«, erklärt Stephan Hausmann, Vertriebsleitung von E.E.P.D. »Die Entscheider werden immer zu dem tendieren, was sie kennen und für gut erachten.«

Damit ist der Weg offen für die neue Technologie. Doch worin unterscheidet sich eine App von einer klassischen Executable? Für den Anwender durch den App-Store, die Möglichkeit, sie später nachzuladen und die automatische Aktualisierung. Für den Programmierer setzt eine App auf einen Abstraktionslayer auf und ist damit relativ hardwareunabhängig. »In der Industrie haben wir Anwendungen, die ein gewisses Echtzeitverhalten voraussetzen – mit einer App ist das wohl nur sehr schwer möglich, weil man durch die Abstraktionsebenen nicht den direkten Hardwarezugriff hat, den gewisse Echtzeitforderungen einfach brauchen«, schränkt Christian Eder ein, Director Marketing von Congatec.

»Damit gibt es schon eine natürliche Grenze für die Einsatzmöglichkeiten. Es gibt aber Anwendungen, beispielsweise in Richtungen User-Interfaces, Datenvisualisierung, statistische Auswertungen und Ähnliches, die kann man mit Apps machen. Im Bereich M2M, Echtzeit, Datenerfassung werden wir auf einige Zeit noch hardwarenahe Software brauchen.« »Es gibt für Apps Anwendungen im Bereich der Professional Consumer, aber ich glaube nicht, dass sich so etwas im Medizinmarkt durchsetzen wird«, ergänzt Holger Frölich, Managing Director von F&S Elektronik Systeme. »Im Maschinenmarkt ginge es vielleicht mit geschlossenen, eigenen Stores. Dazu müssen aber Sicherheitsmaßnahmen und Regularien vorhanden sein.«

Weitere Einsatzmöglichkeiten für Apps könnten das Zu- bzw. Freischalten von Gerätefunktionen sein. Das ist allerdings noch etwas Zukunftsmusik. Im praktischen Einsatz sind schon Apps, die eine Visualisierung von Daten und die Anzeige des Gerätezustandes ermöglichen. Dies erfolgt zumeist auf den Geräten der Anwender und entspricht dem BYOD-Ansatz (Bring Your Own Device). »Genau das ist das IoT-Thema. Es sollen Consumer-Produkte eingesetzt werden, und dafür braucht man die App als Softwareplattform. Die Hauptsoftware läuft im Hintergrund auf einem Server, die Erweiterung, das Zusatzgeschäft, macht die App«, betont Klaus Rottmayr, Geschäftsführer von ICP Deutschland. »Man kann so die eigenen Geräte und Oberflächen mit einbinden. Das bietet natürlich keiner aus dem Consumer-Bereich an. Es wird keine Standardsoftware geben, die Embedded-Hardware automatisch erkennt und unterstützt – das muss von den Embedded-Entwicklern kommen.«