Kommentar Apple ist und bleibt ein Phänomen

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Keine Angst, dies soll keine weitere Hymne aus dem »Book of Jobs« werden, doch das Phänomen Apple, ist seit letzter Woche um eine weitere Facette reicher. Mit einem Börsenwert von 337 Milliarden Dollar war das Unternehmen Mitte letzter Woche zumindest zeitweise zum wertvollsten Unternehmen der Branche aufgestiegen. Der Elektronikriese hatte den Ölmulti Exxon Mobil vom Thron gestoßen.

Apple´s Aktie war exakt 363,69 Dollar wert - ein sicher beeindruckender Wert, hält man sich vor Augen, dass das Papier vor zehn Jahren weniger als 10 Dollar wert war. Aber das war eben lange vor dem iPhone, dem iPad oder auch dem Erfolg von iTunes. Und auch wenn sich inzwischen die Zweifler mehren, die nicht daran glauben, dass sich die Erfolgsgeschichte weiter in ähnlicher Form fortschreiben lässt, so halten es Analysten doch für möglich, dass die Aktie auch noch die 400-Dollar-Marke überwinden wird.

Damit wäre dann die Geschichte um die Company mit dem angebissenen Apfel um eine weitere Facette reicher.

Auch wer nicht gleich den ‚Appsolutismus‘ ausrufen will, kommt nicht umhin, anzuerkennen, dass in der nunmehr 35-jährigen Apple-Geschichte und der seines Gründer alles für ein historisches Epos steckt: Aufstieg und Fall und erneuter Aufstieg, Loyalität und Verrat sowie viele ergebene Jünger. Vielleicht liegt gerade in diesem Punkt das Problem für Apple: Das rasante Wachstum er letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Produkte nicht mehr als Luxus-, sondern als Massenware wahrgenommen werden. Will der Konzern weiter im bisherigen Tempo wachsen, wird er neue Kunden wohl nur über niedrigere Preise locken können.

Mit wachsender Größe und Marktmacht gerät Apple zudem immer häufiger ins Visier von Kartellbehörden, Politikern und kritischer Öffentlichkeit. Aus dem ehemaligen Nischenanbieter droht damit das neue Microsoft zu werden. Hinzu kommt, Erfolg, wie ihn Apple hat, geht im allgemeinen einher mit Kontrollwahn, Perfektionismus und Herablassung - Kunden werden bevormundet, gleichberechtigte Geschäftspartnerschaften scheinen ein Problem zu sein.

Anders dürfte es wohl kaum zu erklären sein, dass sich Apple, angesichts der veritablen Bedrohung durch Android, welche die bisherige Marktmacht bedrohlich bröckeln lässt, in ein, in dieser Form bislang wohl einmaliges Scharmützel mit Samsung hineinziehen lässt. Die Übernahme der Handysparte von Motorola durch Google, sie müsste eigentlich das Fanal sein, sich wieder auf die Kernkompetenzen zu besinnen, will man nicht ein ähnliches Schicksal wie Nokia erleiden.
Von Einlenken ist bislang aber nichts zu erkennen. Stattdessen hat man dem wichtigsten Komponentenlieferanten ebenfalls in der Vorwoche den Verkauf seiner Tablets in Europa gerichtlich untersagen lassen. Von Kopie ist die Rede. So wasserdicht die Verträge auch sein mögen, es dürfte spannend bleiben, zu beobachten, wie lange sich Samsung dieses Gebaren bieten lässt.

Der ein oder andere unter Ihnen, erinnert sich vielleicht daran, dass sich vor knapp zehn Jahren auch einmal ein deutscher Autoschloss-Hersteller mit einem Lieferstopp gegen einen Automobilhersteller zur Wehr setzte, der offenbar die Daumenschrauben zu sehr angezogen hatte. Zwar hat die Aktion letztlich beiden geschadet, doch auf Seiten des Komponentenlieferanten sah man am Ende keine Alternative mehr zu diesem spektakulären Schritt.

Entscheidend für die zukünftige Entwicklung von Apple ist deshalb nicht nur die Frage, welche technischen Antworten findet das Unternehmen auf die Herausforderung durch Android, sonder vielmehr wie schnell lernt das Unternehmen, mit seiner veränderten Marktbedeutung umzugehen. Gelingt das nicht, wird das Ereignis der letzten Woche nur eine nette kleine Petitesse des vielschichtigen Börsengeschehens bleiben.

Ihr Engelbert Hopf