Weitere energieeffiziente Varianten AMD gibt Gas mit Embedded G-Series

Aurelius Wosylus, AMD: »Mit der AMD Embedded G-Series machen wir für die GPGPU-Technologie den Sprung direkt in den Embedded-Massenmarkt.«
Aurelius Wosylus, AMD: »Mit der AMD Embedded G-Series machen wir für die GPGPU-Technologie den Sprung direkt in den Embedded-Massenmarkt.«

Bereits die dritte APU-Modellreihe führt AMD in den Markt der Low-Power-x86-Prozessoren ein. Die beiden neusten Varianten der »Embedded G-Series«-Prozessoren sind in punkto Energieeffizienz nochmals optimiert worden. Aurelius Wosylus, Regional Sales Manager EMEA von AMD, erklärt die dahinter stehende Strategie.

Markt&Technik: Worin unterscheiden sich die beiden neuen Prozessoren von den Vorgängern?

Aurelius Wosylus: Anfang Januar 2011 haben wir mit der AMD Embedded G-Series mit AMD-Fusion-Technologie die weltweit erste APU gelauncht. Zur embedded world präsentierten wir speziell für die Anforderungen tief eingebetteter Systeme einen Prozessor ohne Grafik-Core und Videoeinheit. Jetzt haben wir für Systeme mit besonders hohen Anforderungen an sowohl die Grafikleistung als auch die Energieeffizienz zwei neue APUs mit besonders niedriger TDP gelauncht. So benötigt die neue Low-Power-Dual-Core-Variante maximal 6,4 Watt, und die Single-Core-Version liegt bei nur 5,5 Watt - die beiden neuen APUs weisen damit eine viel niedrigere TDP (Thermal Design Power) auf als unsere ersten APUs.

Wie wurde das erreicht?

Durch Optimieren der Produktionsprozesse und der internen Struktur, ohne den Funktionsumfang und die Leistungsfähigkeit zu beschneiden. Wir wissen, dass es drei Hauptanforderungen an Embedded-Plattformen gibt: hohe Leistung bei geringer Stromaufnahme und kompakter Baugröße. Diese Vorteile aus der ständigen technischen Weiterentwicklung aktueller Produkte geben wir mit den beiden neuen APUs schnellstmöglich an unsere Kunden weiter.

Sie sprechen immer von APU. Die Kombination von CPU und Grafik ist aber nichts Neues. Was macht die AMD Embedded G-Series denn so besonders, dass es einen neuen Namen dafür gibt?

APU steht für Accelerated Processing Unit und bedeutet, dass - und das ist einzigartig auf dem Embedded-Markt - die integrierte Grafik auch Rechenaufgaben übernehmen kann. GPGPU (General Purpose Computation on Graphics Processing Unit) ist ja mittlerweile im Desktop- und HPC-Bereich (High-Performance Computing) ein aktuelles Thema. Zudem kombinieren wir die programmierbare GPU mit einer effizienten 64-Bit-x86-CPU und einer leistungsfähigen Videodekoder-Einheit auf einem Chip. Insofern erhalten Kunden eine One-for-All-Lösung.

Also kein Nischenprodukt.

Ja, das ist für alle Embedded-Bereiche von großem Interesse. Multimedia-Applikationen und Gaming profitieren von der wettbewerbsüberlegenen Grafik- und HD-Videoleistung unserer APUs. Rechenintensive Applikationen wie Ultraschallgeräte, industrielle Bildverarbeitung sowie Messdaten- und Signalverarbeitung können die GPU als effizienten Co-Prozessor für die Datenverarbeitung nutzen. Dazu stehen bereits standardisierte Werkzeuge wie OpenCL und DirectCompute zur Verfügung.

Das GPGPU-Konzept ist im Moment noch eher auf Forschungsprojekte und Videokomprimierung beschränkt. Gibt es im Embedded-Markt schon Applikationen, die die APUs anders nutzen?

GPGPU ist abseits des Forschungsbetriebs ein recht neues Thema hinsichtlich der Massenserien. Unsere Kunden arbeiten aber schon intensiv an Serienprodukten. Wie bei jeder neuen Technologie braucht es aber Zeit, bis diese sich flächendeckend durchsetzt. Das gilt natürlich auch im Embedded-Markt. Mit der G-Series bringen wir eine High-End-Technik nun flächendeckend auch für SFF-Designs (Small Form Factor) auf den Markt, die die Verbreitung dieser Technologie deutlich beschleunigen kann. Das ist eine weitere richtig große Weltpremiere, selbst für die innovative Computertechnologie.

Denn auch hier werden die wirklichen Innovationen, wie die APUs es sind, eigentlich zuerst in der Oberklasse eingeführt, bevor sie den Weg in den Mainstream schaffen. Beispielsweise die Multi-Core-Technik, die zuerst in kostenintensiveren High-End-Projekten eingeführt wurde. Mit der AMD Embedded G-Series machen wir den Sprung direkt in den Embedded-Massenmarkt. Damit können alle OEMs mit standardisierten Software-Tools ihre Applikationen auf Basis dieser neuen Technologie aufsetzen.

Ein besonderes Verkaufsargument der G-Series ist die Grafikeinheit. Ist denn eine Variante ohne Grafikeinheit nicht widersprüchlich?

Nein, ganz und gar nicht. Natürlich wuchert man zuerst mit dem Pfund, das man hat. Und bei der integrierten Grafikleistung zählen wir mit der G-Series im Wettbewerbsumfeld zur Leistungsspitze, selbst bei deutlich größeren und schnelleren Embedded-Plattformen. Aber weil unsere Grafikeinheit ja auch in Applikationen für parallele Berechnungen sinnvoll ist, beispielsweise in Software Defined Radios, die keine Grafikausgabe benötigen, ist es nur konsequent, auch eine reine Headless-Lösung anzubieten, zumal die G-Series ja eine extrem leistungsfähige und energieeffiziente 64-Bit-CPU integriert.

Mit der Headless-G-Serie offerieren wir so nun die Vorteile der x86-Technologie auch für Low-Power-Embedded-Systeme, die keine Grafik benötigen. So haben Applikationen wie M2M-Box-PCs, Soft-SPSen, Storage-Lösungen und Netzwerk-Appliances, wie industrielle Router und Firewalls, nun auch die Möglichkeit, von der hohen Konnektivität, Kompatibilität und dem umfangreichen Soft- und Hardware-Ökosystem der x86-Technologie zu profitieren. Und das ohne den »Overhead« einer integrierten Grafikeinheit. Und bei der AMD G-Series erhalten Anwender eine Prozessorplattform, die sie homogen über den gesamten Shop-Floor einsetzen können, von der Maschinensteuerung über das HMI bis hin zur Prozessvisualisierung im Kontrollraum. Insofern ist dieser Schritt nur konsequent.

Produkte sind das eine, Services das andere. Wie will AMD hier den Erfolg der G-Series sichern?

Da gibt es eine ganze Menge. Auf der embedded world haben wir beispielsweise mit dem »Systems und Technology Track« unser AMD-Fusion-Partner-Programm für den Embedded-Markt erweitert. Damit bieten wir unseren Embedded-Partnern ein komplettes Ökosystem aus Werkzeugen, Training und technischen Ressourcen, das sie dabei unterstützt, im aktuellen Wettbewerbsumfeld des Embedded-Marktes erfolgreich zu sein.

Wie sieht es im Bereich der Design-Unterstützung aus?

Wir haben beispielsweise ein umfassendes Reference Design Kit (RDK) entwickelt, um die Entwicklungszeiten von Storage- und Media-Servern zum Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen und im Home-Office zu verkürzen. Es verfügt über vollständig geprüfte Schaltpläne und Layout-Quelldateien, so dass Unternehmen ihre wertvollen Entwicklungsressourcen voll auf die Produktdifferen-zierung für ihre Kunden konzentrieren können. Weitere Unterstützung bieten wir beispielsweise durch unser Engagement für Open-Source-Software. So haben wir unsere Quelltexte dem Open-Source-BIOS-Projekt »coreboot« bereit gestellt. Coreboot ist für die Initialisierung der Hardware und Boot-Logik von Microsoft-Windows- und Linux-basierten Systemen verantwortlich, was insbesondere für Embedded-Systeme relevant ist, in denen proprietäre oder nichttraditionelle Betriebssysteme eingesetzt werden sollen.

Und was macht die Nachfrage?

Wenn man sich die Liste der Embedded-Hersteller anschaut, die bereits fertige Board- und Systemdesigns anbieten, dann sprechen wir hier von einer ganz besonders erfolgreichen Markteinführungen für neue Prozessortechnologien. Mit Kunden wie Compulab, Fujitsu, Kontron, congatec und Quixant hat unsere AMD-Embedded-G-Series-Plattform bereits eine breite Kundschaft - und ständig kommen neue hinzu. Wir sind sehr zufrieden und bauen unsere Embedded Services und unser Produktportfolio für diese Kunden konstant weiter aus.