Technagon expandiert »Alles, nur kein Standard«

Peter Müller, Technagon

»08/15 ist genau das, 
was wir nicht machen.«
Peter Müller, Technagon: »08/15 ist genau das, was wir nicht machen.«

Wenn Standardlösungen nicht passen, fühlt sich Embedded-Spezialist Technagon gefordert: Vom Carrier-Board-Design bis zum komplett maßgeschneiderten Embedded System reicht das Angebot.

Im Bereich des Software Engineerings ist Technagon mittlerweile ebenfalls aktiv – und die Expansion geht weiter: Etwa 1,5 Mio. Euro hat Technagon deshalb im letzten Jahr am Standort Grafenau investiert, um aus einem bestehenden alten Gebäudetrakt ein hochmodernes Engineering-Zentrum zu errichten. Auch personell stockt Technagon auf: Neu hinzugekommen ist unter anderen Peter Müller. Der ehemalige Head of Technology Management Embedded Boards bei der Kontron AG will nun als Business Development Manager den Fokus des Unternehmens weiter schärfen und das Wachstum auf hohem Niveau vorantreiben.

Markt&Technik: Was ist die Ausrichtung von Technagon?
Peter Müller: Wir bieten OEMs alles, was sie brauchen, wenn sie keine Standardprodukte verwenden können. 08/15 ist also genau das, was wir nicht machen. Wir sind Entwicklungspartner für Kunden, die maßgefertigte Systeme haben wollen. Und für diese Kunden bieten wir alles aus einer Hand.

Wirklich alles?
Was wir zukaufen, sind beispielsweise Computer-on-Module. Diese Core-Entwicklung überlassen wir unseren Embedded-Partnern wie congatec. Mit diesem Unternehmen werden wir zur embedded world offiziell die Partnerschaft bekannt geben. Unsere Entscheidung ist hier übrigens ganz klar von der Markstellung und Unternehmenspolitik geprägt. congatec ist in Europa der führende Anbieter von Computer-on-Modulen und bietet damit auch das breiteste Portfolio und umfassende Services an. Zudem ist bei congatec klar, dass keine Wettbewerbsprodukte zu unseren Lösungen sowie denen unserer Kunden entwickelt werden. Das findet man heute nur noch selten!

Da haben Sie dann quasi die Seiten gewechselt?
Nicht ganz richtig. Ich kenne das Thema Carrierboard-Designs für individuelle Systemdesigns aus dem Effeff. Das ist eine Stärke, die ich nun dazu nutzen möchte, aus Technagon einen noch qualifizierteren Servicedienstleister für kundenspezifische Systementwicklungen zu machen, der wirklich alle Dienstleistungen anbieten kann – inklusive komplexerer Carrierboard-Designs für Kiosk- und Terminalsysteme sowie auch kompakte kundenspezifische Box- und Panel-PCs. Die Basis für effiziente Carrierboard-Designs liefert natürlich auch mein Wissen um Formfaktorstandards für Boards und Module, die ich während meiner langjährigen Tätigkeit im Embedded-Markt und bei Kontron aufbauen konnte und die nun ebenfalls in die Beratung der Kunden einfließen wird.

Sie sind also ein Design&Manufacturing-Services-Anbieter für OEM-Kunden.
Exakt. Es geht bei uns nicht darum, durch möglichst viel Standardisierung Systeme von der Stange zu schaffen, sondern dem Bedarf nach individuellen Systemdesgins Rechnung zu tragen. Durch eine hohe Service- und Fertigungstiefe – auch durch unser Partnerunternehmen Dittrich & Greipl – sind wir bestens aufgestellt, diesen Bedarf schnell, umfassend und kosteneffizient befriedigen zu können.

Sie wollen also keine Standards nutzen?
Doch, sicherlich auch Standards, wie eNUC zum Beispiel. Ein eNUC-System wird bei uns aber auch immer ein Custom-Design sein, das speziell auf die Bedürfnisse des Kunden zugschnitten ist. Es bekommt also auch immer ein individuelles Carrierboard. Das schließt damit zwar letztlich nicht aus, dass wir so auch zu einem gewissen Portfolio kommen, das Kunden auch von der Stange kaufen können. Aber das ist derzeit nicht unser primärer Fokus. Die sehr enge Zusammenarbeit mit den OEM-Kunden ist uns als ODM-Anbieter deutlich wichtiger.

Im Bereich des Software Engineerings ist Technagon mittlerweile ebenfalls aktiv – und die Expansion geht weiter: Etwa 1,5 Mio. Euro hat Technagon deshalb im letzten Jahr am Standort Grafenau investiert, um aus einem bestehenden alten Gebäudetrakt ein hochmodernes Engineering-Zentrum zu errichten. Auch personell stockt Technagon auf: Neu hinzugekommen ist unter anderen Peter Müller. Der ehemalige Head of Technology Management Embedded Boards bei der Kontron AG will nun als Business Development Manager den Fokus des Unternehmens weiter schärfen und das Wachstum auf hohem Niveau vorantreiben.

 

 

Markt&Technik: Was ist die Ausrichtung von Technagon?

Peter Müller: Wir bieten OEMs alles, was sie brauchen, wenn sie keine Standardprodukte verwenden können. 08/15 ist also genau das, was wir nicht machen. Wir sind Entwicklungspartner für Kunden, die maßgefertigte Systeme haben wollen. Und für diese Kunden bieten wir alles aus einer Hand.

Wirklich alles?

Was wir zukaufen, sind beispielsweise Computer-on-Module. Diese Core-Entwicklung überlassen wir unseren Embedded-Partnern wie congatec. Mit diesem Unternehmen werden wir zur embedded world offiziell die Partnerschaft bekannt geben. Unsere Entscheidung ist hier übrigens ganz klar von der Markstellung und Unternehmenspolitik geprägt. congatec ist in Europa der führende Anbieter von Computer-on-Modulen und bietet damit auch das breiteste Portfolio und umfassende Services an. Zudem ist bei congatec klar, dass keine Wettbewerbsprodukte zu unseren Lösungen sowie denen unserer Kunden entwickelt werden. Das findet man heute nur noch selten!

Da haben Sie dann quasi die Seiten gewechselt?

Nicht ganz richtig. Ich kenne das Thema Carrierboard-Designs für individuelle Systemdesigns aus dem Effeff. Das ist eine Stärke, die ich nun dazu nutzen möchte, aus Technagon einen noch qualifizierteren Servicedienstleister für kundenspezifische Systementwicklungen zu machen, der wirklich alle Dienstleistungen anbieten kann – inklusive komplexerer Carrierboard-Designs für Kiosk- und Terminalsysteme sowie auch kompakte kundenspezifische Box- und Panel-PCs. Die Basis für effiziente Carrierboard-Designs liefert natürlich auch mein Wissen um Formfaktorstandards für Boards und Module, die ich während meiner langjährigen Tätigkeit im Embedded-Markt und bei Kontron aufbauen konnte und die nun ebenfalls in die Beratung der Kunden einfließen wird.

Sie sind also ein Design&Manufacturing-Services-Anbieter für OEM-Kunden.

Exakt. Es geht bei uns nicht darum, durch möglichst viel Standardisierung Systeme von der Stange zu schaffen, sondern dem Bedarf nach individuellen Systemdesgins Rechnung zu tragen. Durch eine hohe Service- und Fertigungstiefe – auch durch unser Partnerunternehmen Dittrich & Greipl – sind wir bestens aufgestellt, diesen Bedarf schnell, umfassend und kosteneffizient befriedigen zu können.

Sie wollen also keine Standards nutzen?

Doch, sicherlich auch Standards, wie eNUC zum Beispiel. Ein eNUC-System wird bei uns aber auch immer ein Custom-Design sein, das speziell auf die Bedürfnisse des Kunden zugschnitten ist. Es bekommt also auch immer ein individuelles Carrierboard. Das schließt damit zwar letztlich nicht aus, dass wir so auch zu einem gewissen Portfolio kommen, das Kunden auch von der Stange kaufen können. Aber das ist derzeit nicht unser primärer Fokus. Die sehr enge Zusammenarbeit mit den OEM-Kunden ist uns als ODM-Anbieter deutlich wichtiger.

Was schließen ODM-Services von Technagon alles ein?

Kurz und knapp gesagt: alles. Wir entwickeln und fertigen das gesamte System vom Carrierboard über mechatronische Komponenten bis zum kundenindividuellen Gehäuse oder Schaltschrank. Wir machen Schaltungsentwicklungen, Microcontroller- und FPGA-Programmierungen in ANSI C, C++, HTML und UML sowie Protokollsupport von I2C über TCP/IP bis hin industriellen Bussen, und wir helfen sogar bei der Anwendungsentwicklung für Linux, Windows oder auch Android.

Das ist viel auf einmal. Verzettelt man sich da nicht?

Nein, interessanter Weise nicht. Und das hat einen einfachen Grund: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, dem OEM alle erforderlichen Aufgaben abzunehmen, die mit der Integration der Embedded-IT-Systeme in seine Applikation zusammenhängen. Und das finden OEMs gut, denn sie sind die Applikationsspezialisten. Ihr Know-how steckt immer mehr in der Software und in den begleitenden Services und immer weniger in der konkreten Hardware. Die Embedded-IT-Systeme sind also nur Vehikel, die sie brauchen. Wenn man dieses Vehikel dann ’fahrbereit und straßenzugelassen‘ aus einer Hand anbieten kann, passt das Rundum-Sorglos-Paket perfekt. Möglich werden so sogar Fabless OEMs, von denen es abseits des klassischen Maschinen- und Anlagenbaus zunehmend mehr gibt. Beispielsweise auch bei den vielen neuen IoT-Startups.

Wollen Sie auch alles selbst machen?

Ja und nein. Wir haben enorme Standortvorteile durch unsere Nachbarschaft und enge Verbundenheit mit Dittrich & Greipl, einem ausgewiesenen Spezialisten im Bereich industrieller Gehäuse- und Gerätefertigung. Einer unserer Gründer, Jürgen Greipl, ist dort mittlerweile in der Geschäftsführung aktiv.

Welche Services kaufen Sie dort zu?

Großteile der Fertigung, die uns quasi keinen Wunsch offen lässt. Dittrich & Greipl bietet uns mit seinen umfassenden und hochmodernen Fertigungseinrichtungen einerseits Schnelligkeit und Flexibilität in der Entwicklung, aber auch wirtschaftliche Fertigungsmöglichkeiten und Prozesssicherheit in der Serie. Wir sind jedoch nicht auf das Leistungsportfolio eines einzelnen Dienstleisters beschränkt, sondern können uns jederzeit frei am Markt die passende Fertigungsdienstleistung beschaffen. Hinsichtlich der Komponentenfertigung sind wir also auch quasi fabless. Wir assemblieren aber und führen auch die abschließenden Test und Zertifizierungen durch, sodass bei uns alle Services letztlich aus einer Hand kommen.

Ein fabless ODM also. Interessant.

Das hält uns den Rücken frei. Wir brauchen auf keinen Maschinenpark Rücksicht zu nehmen. So können wir für unsere Kunden stets die am besten passende Lösung umsetzen und stets State-of-the-Art-Technologien in der Fertigung einsetzen, ohne große Anlaufinvestitionen. Durch unser sehr leistungsfähiges Partnernetz profitieren unsere Kunden zudem auch davon, dass wir einerseits bei Mustern und Kleinserien flexible und schnelle Reaktionszeiten bieten können, weil wir am eigenen Standort fertigen können, andererseits bieten wir auch optimierte Fertigungsbedingungen für größere Serien durch ausgewählte tschechische Produktionsstätten – also im ’Ultra-Nearshoring‘-Bereich, mit gleicher Zeitzone und geringer Distanz, wo die Personalkosten bei hohen Qualitätsstandards noch immer günstiger sind. 

Wo finden Sie Ihre Kunden?

Neben unserer Spezialisierung in der Elektromobilität und auf Kiosk-, Terminal-, Automaten- und Digital-Signage-Systeme hat Technagon ein breit gefächertes Spektrum an Kunden aus unterschiedlichsten weiteren Märkten und Branchen.

Ist dabei IoT-Kompetenz gefordert?

Ja. Genau an diesem Punkt ist dann auch wieder die Kompetenz des Carrierboard-Designs gefragt und die Auswahl der passenden Computer-on-Module, die beispielsweise für das Zusammenspiel mit den ’Intel Gateway Solutions für das IoT‘ zertifiziert wurden. Durch meine Wettbewerbsbeobachtung der letzten Jahre weiß ich da genau, wer hier interessante Lösungen bietet.

Was wird Ihr Fokus auf der embedded world sein?

Wir werden unsere erweiterten Services für kundenspezifische Carrierboard-Designs vorstellen und auch Designstudien für kundenindividuelle Panel-PCs und Box-PCs. Wir werden also all das zeigen, was Anbieter von uniformen Off-the-Shelf-Systemen nicht offensiv anbieten wollen bzw. auch gar nicht können. Wir sind uns sicher, dass das gut ankommen wird. Kunden müssen uns nämlich nicht fragen: ’Könnt ihr vielleicht?‘ Es ist klar, dass wir können! Und das sogar sehr gut und sehr gerne und auch ganz gleich, wie groß die Systeme letztlich sind – vom kleinen Box-PC bis zur digitalen Großfläche.

Das Interview führte 

Manne Kreuzer

Technagon, Halle 4A, Stand 520a