Rohstoffversorgung mit Konfliktmineralien Wirkt sich der »Dodd-Frank-Act« auf den Tantalmarkt aus?

Ein neues Gesetz verpflichtet börsennotierte Unternehmen in den USA künftig u.a. zur Offenlegung ihrer Liefer- und Produktketten bei so genannten Konfliktmineralen. Artikel 1502 des Gesetzes - der »Dodd-Frank-Act« - soll Rohstoffe aus dem Kongo und den zentralafrikanischen Nachbarstaaten vom Handel ausschließen.

Am Beispiel des für die Elektronikindustrie wichtigen Rohstoffs Tantal hat die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in einer neuen Kurzstudie untersucht, welche Auswirkungen der Wegfall von Erzlieferungen aus Zentralafrika auf den globalen Tantalmarkt hätte: So könnte der Dodd-Frank-Act laut DERA-Untersuchung zu einem de-facto-Embargo gegen die betroffenen zentralafrikanischen Staaten im Gebiet der Großen Seen führen. »Es ist zu erwarten, dass sich betroffene Firmen aus Sorge vor Imageverlusten komplett zurückziehen und andere Bezugsquellen für ihre Rohstoffe suchen werden«, so Dieter Huy, einer der vier Autoren der Studie. Zu diesen Rohstoffen zählt neben Gold, Kassiterit (Zinnstein) und Wolframit auch Columbit-Tantalit (Coltan). Beim Tantalerz Coltan hätte ein Verzicht auf Lieferungen aus Zentralafrika allerdings nur geringe Auswirkungen auf die globale Tantalverfügbarkeit. »Der Weltmarkt wäre in der Lage, diesen Ausfall kurz- bis mittelfristig zu kompensieren«, erklärt Maren Liedtke, Co-Autorin der Studie.

Für die zentralafrikanischen Staaten selbst hätte ein Boykott von Seiten der Industrie dagegen weitaus größere Konsequenzen. »Der örtlichen Bevölkerung würde damit eine der wichtigsten Einkommensquellen entzogen. Umso wichtiger sind deshalb die Bemühungen internationaler Organisationen und Initiativen zum Aufbau eines geregelten Bergbausektors«, betont Co-Autor Frank Melcher. Um mehr Transparenz und geregelte Produktionsbedingungen in Zentralafrika bemüht sich seit langem auch die BGR. In Kongos Nachbarstaat Ruanda hat die BGR auf Initiative der Vereinten Nationen und finanziert von der Bundesregierung in einem Pilotprojekt ein System zur Zertifizierung von Handelsketten mineralischer Rohstoffe eingeführt. Das Zertifizierungssystem beinhaltet international akzeptierte Umwelt-, Sicherheits- und Sozialstandards und hat damit den Grundstein für einen konfliktfreien Handel von wichtigen Rohstoffen für die Elektronikindustrie wie Zinn- oder Tantalerz gelegt. Das System soll jetzt mit Unterstützung der BGR auf andere zentral- und ostafrikanische Staaten, zu denen auch die Demokratische Republik Kongo zählt, übertragen werden. Ein wichtiges Kontrollinstrument zur Nachverfolgung von Tantalerzlieferungen hat die BGR ebenfalls entwickelt. Der chemisch-mineralogische  »Fingerprint« der BGR bietet die Möglichkeit, an Hand gemessener chemischer und mineralogischer Parameter die Herkunftslagerstätten von gehandelten Tantalerzkonzentraten eindeutig zu lokalisieren und somit auch illegale Lieferungen aus möglichen Konfliktregionen zu identifizieren.