Zollner »Wir wollen uns rechtzeitig im Zukunftsmarkt USA positionieren«

Johann Weber, Vorstandsvorsitzender der Zollner Elektronik in der Unternehmensgruppe Zollner, setzt auf Expansion. Warum Zollner Elektronik gerade jetzt eine Vertriebsniederlassung im »Mutterland der Krise« gründet, erklärt Weber im Interview.

Sie haben Ihre USA-Expansion verlautbart. Welche Chancen sehen Sie gerade jetzt in diesem Schritt?

Johann Weber: Einige unserer Kunden fordern bereits seit längerem eine Vor-Ort-Betreuung durch unser Haus. Zum aktuellen Zeitpunkt sind unserer Meinung nach die Rahmenbedingungen günstig, die Fachkräfteverfügbarkeit ist gut und die getätigten Investitionen mit einem Büro zur Kundenbetreuung und -akquise sind überschaubar. Zudem gibt es Indikatoren, die darauf hinweisen, dass die USA zu einer der ersten Nationen gehören wird, die die Krise überwinden und wirtschaftlich wieder wachsen. Wir wollen mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft richtig positioniert sein, um diese Markterholung rechtzeitig zu nutzen.

Erholung? Die aktuellen Arbeitslosenzahlen in den USA sprechen ja eigentlich eine andere Sprache. Könnten sich die von der US-Regierung angekündigten Wirtschaftsförderungen positiv auswirken?

Ob staatlich geförderte Konjunkturpakete eine positive Wirkung auf den erhofften Aufschwung haben werden, ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass solche Förderungen einen kurzfristigen Impuls zum Aufschwung setzen können, auf keinen Fall sind sie aber ein Allheilmittel. Unbestritten ist allerdings die Tatsache, dass die USA eine sehr stimmungsgetriebene Nation ist und sich dies auf jeden Fall positiv auf die Markterholung auswirken wird.

Zum Verständnis für uns Europäer: Von welchem Marktvolumen für EMS sprechen wir in den USA?

EMS- und ODM-Unternehmen (Original Design Manufacturing) konnten laut Analysen 2008 weltweit über 300 Mrd. Dollar umsetzen. Der Markt in Nord-Amerika hat dabei einen Anteil von knapp 20 Prozent. Interessant ist, dass es in den USA staatliche Beschränkungen gibt, die darauf abzielen, die Produktion im eigenen Land zu belassen. Für uns ergibt sich daraus die Möglichkeit, an diesem erheblichen Marktvolumen zu partizipieren.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Wie schon gesagt: Wir wollen uns rechtzeitig im Zukunftsmarkt USA positionieren. Weitere Punkte sind der Ausbau der weltweiten Marktpräsenz, die Vor-Ort-Unterstützung unserer Kunden, eine höhere Flexibilität und Leistungsfähigkeit sowie die Neukundenakquise. Darüber hinaus haben wir so die Möglichkeit, den Markt vor Ort besser einzuschätzen und zu beobachten.