EMS-Forum, Teil 1 »Wir werden von den Komponenten-Herstellern ausgebremst«

»Die Auftragslage sieht für uns blendend aus«, sagt Waldemar Christen, Leiter Vertrieb und Marketing bei der BMK Group. Dass die EMS-Branche nach der Talfahrt im vergangenen Jahr einen kräftigen Aufwind spürt, bestätigen alle Teilnehmer des Markt&Technik Forums »EMS«. Ganz so rosig sieht die Lage dennoch nicht aus, denn die langen Lieferzeiten bzw. die Allokation von Bauelementen gefährden vor allem neue Projekte.

»Wir werden von den Komponenten- Herstellern ausgebremst«, sagt Manfred Tillmann, Vorstand von Schlafhorst Electronics. Das führe dazu, dass viele EMS-Firmen bei weitem nicht so ausliefern können, wie sie wollen, weil die Komponenten fehlen, bestätigt Dr. Werner Witte, Geschäftsführer von BuS Elektronik. Schwierig sei die Situation vor allem deshalb, so Guido Perrelet, Chief Technology Officer, Asetronics, weil man gerade jetzt in neue Märkte vordringen will, und dabei sind lange Lieferzeiten und Allokation ein Hindernis besonders für neue Projekte. Peter Sommer, Leiter technischer Vertrieb, Lacroix Electronics, formuliert es noch drastischer. »Mir graut vor dem dritten Quartal, das könnte noch eine Katastrophe geben.« Dass die Hersteller oder Distributoren durch künstliche Verknappung bewusst ihre Preise hochtreiben wollen, mag zwar niemand in der EMS-Runde unterstellen.

Dennoch wird von einigen Seiten deutliche Kritik an den Komponenten-Lieferanten laut: »Die Hersteller sollten global die Märkte besser beobachten «, fordert Helmut Bechtold, Geschäftsführer, Firstronic. »Sie schaffen Abhängigkeiten, sind aber dann nicht bereit, die Verantwortung zu übernehmen.« Diese Kritik ist zwar berechtigt, allerdings stecken auch die Komponenten- Hersteller in einer schwierigen Situation. Viele Produktionskapazitäten wurden verkauft oder geschlossen und stehen damit nicht mehr zur Verfügung. Kurzfristige Investments möchte und kann kein Hersteller eingehen, »zumal in den Köpfen immer noch die Befürchtung spukt, dass der aktuelle Aufschwung eher ein kurzes Strohfeuer ist und noch kein nachhaltiges Wachstum bedeutet «, so Dr. Uwe Schmidt-Streier, Geschäftsführer, Flextronics SBS Germany. Dass ein großer EMS wie Flextronics mit einem immensen Einkaufsvolumen in diesen Zeiten Vorteile hat, ist dabei nicht ganz von der Hand zu weisen.


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Die Meinungen der EMS-Unternehmen

Lange Lieferzeiten und fehlende Forecasts der Kunden setzen die EMS-Firmen unter Druck. Das sagen führende EMS-Unternehmen in Deutschland dazu.


Doppel- und Dreifachbestellungen verzerren das Bild

Um dennoch an das benötigte Material zu kommen, tätigen viele EMS-Firmen buchstäblich Hamsterkäufe oder platzieren ihre Bestellungen teils doppelt und dreifach, um wenigstens einen Teil der Stückzahlen produzieren zu können. Das führt laut Rüdiger Stahl, Geschäftsführer der TQGroup, zu einer Überhitzung und zu einer Nachfrage am Markt, die gar nicht real ist. Weber befürchtet zudem, dass es im Herbst – auch das wäre wieder eine Parallele zu 2000/2001, zum so genannten Peitscheneffekt kommt, sich die Situation also umkehren könnte, sobald sich das Kundenverhalten beruhigt und die Bestellungen konsolidiert haben. »Die eingehenden Aufträge sind nach unserem Gefühl wesentlich höher als der tatsächliche Bedarf«, das sei mit Vorsicht zu genießen, warnt Weber.