2010 soll bei LPKF nicht nur das LDS-Geschäft weiter wachsen »Wir werden in diesem Jahr den Erfolg auf mehr Schultern verteilen können«

Dr. Ingo Bretthauer, LPKF, sieht das Wachstum von LPKF auf einer breiten Basis.

Das Geschäft mit Systemen zur Laser-Direkt-Strukturierung (LDS) bescherte dem LPKF-Konzern im Geschäftsjahr 2009 ein Rekordergebnis. Und erst kürzlich hat LPKF die Umsatzerwartungen für 2010 aufgrund eines LDS-Großauftrages nochmals deutlich erhöht. Dennoch will sich LPKF nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. »Wir wollen unsere traditionell breite Aufstellung weiter vorantreiben und damit unser eigentliches Kernmerkmal, dass wir auf mehreren Beinen stehen, wieder in den Vordergrund rücken«, betont Vorstandssprecher Dr. Ingo Bretthauer.

Markt & Technik: Der Auftragseingang 2009 lag mit 56,0 Mio. Euro deutlich über dem Vorjahreswert von 48,1 Mio. Euro. Verantwortlich dafür war die hohe Nachfrage nach Systemen zur Laser-Direkt-Strukturierung (LDS). Wird der LDS-Boom anhalten bzw. von Asien auch nach Europa überschwappen?

Dr. Ingo Bretthauer: Der Boom wird meines Erachtens zumindest kurz- bis mittelfristig anhalten, weil selbst im derzeit absatzstärksten Kernbereich der LDS-Technik, den Antennen für mobile Anwendungen, noch viel Potenzial steckt. Zusätzlich arbeiten wir natürlich daran, diese Technik in neue Anwendungen zum Beispiel in der Sensorik oder Medizintechnik zu überführen.

Den zweiten Teil der Frage muss man etwas abstrahierter und differenzierter beantworten. Ich würde den LDS-Boom nicht auf einzelne Regionen einschränken, sondern als Technologie-Boom bezeichnen. Fakt ist zwar, dass die LDS-Technik vor allem in Asien angewendet wird. Das liegt einfach daran, weil die Hersteller, die diese Technik einsetzen, in Asien produzieren. Das sind aber nicht immer asiatische Firmen, sondern vorwiegend internationale Konzerne, die ihre Produktionsstätten in Asien bzw. China haben. Gerade im LDS-Bereich läuft das meiste Geschäft in China. Wenige Fertigungsstätten sind aber wirklich »urchinesisch«, sondern wie gesagt oft Produktionsstätten globaler Firmen. Wie man als Lieferant für den asiatischen Markt diesen Umsatz dann letztlich aufschlüsselt ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Wir schlüsseln den Umsatz dorthin, wohin fakturiert wird. Viele der Geschäfte in Asien laufen auf Euro-Basis, ein Vorteile für uns, weil uns das unabhängiger von Währungsschwankungen macht.

Geforscht und entwickelt wird in Europa?

In der Tat finden die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die LDS-Technik und das Prototyping in Europa statt. Der F&E-Bereich ist auch für uns ein wichtiger Markt. Wir arbeiten derzeit an LDS-Prototyping-Maschinen, die wir noch in diesem Jahr auf den Markt bringen werden.

Im LDS-Bereich haben Sie zumindest was das Laserverfahren betrifft derzeit keinen Mitbewerb. Rechnen Sie mittelfristig damit, dass andere Hersteller ein ähnliches Laserverfahren entwickeln werden und Ihnen damit den Rang ablaufen könnten?

Es existiert derzeit mit dem Two-Shot-Molding nur ein Verfahren, das wie unsere Technik für die Massenfertigung geeignet ist. Weitere Verfahren, die ebenfalls eine Massenfertigung leisten können, sehen wir momentan nicht. Hin und wieder treffen wir auf Verfahren für Kleinserien, die sich aber nicht für die Massenfertigung eignen.

… Könnte das Two-Shot-Molding zum ernsthaften Mitbewerb für Ihr Verfahren werden?

Nein. Wir haben im vergangenen Jahr dem Two-Shot-Molding viele Marktanteile abgenommen.

Produktpiraterie im Maschinenbau ist vor allem in Asien an der Tagesordnung. Wie schützen Sie Ihre Technologie davor?

Wir verfügen über eine sehr gute Patentsituation, auch in Asien. Es ist nicht damit getan, die Maschine einfach zu kopieren. Da steckt viel zu viel Expertise drin, die sie nicht über eine 1:1 Kopie der Hardware abbilden können, beispielsweise die zugehörige Software.

LPKF erwirtschaftete den Löwenanteil des Umsatzes 2009 in Asien. Deutschland ist dagegen stark eingebrochen. 

Dafür gibt es zwei Gründe: Asien wird immer mehr zum Produktionsstandort Nummer Eins. Wir als Lieferant bewegen uns natürlich mit unseren Kunden in die entsprechenden Regionen. Hinzu kommt, dass der hohe Umsatzanteil von Deutschland im Vorjahr eher durch große nationale Geschäfte im Solarbereich geprägt war.

Wenn Asien sich immer mehr zum Produktionsmekka herauskristallisiert, was heißt das für Ihre Produktion in Deutschland?

Wir fertigen nach wie vor alle Laseranlagen in Deutschland. Und daran wollen wir auch nichts ändern. Das Verlagern der Fertigung würde erst dann Sinn machen, wenn wir einen Vorteil daraus ziehen würden. Aber das ist bei uns nicht der Fall, weil wir Kleinserien fertigen. Sie haben in Asien zwar geringere Personalkosten, aber die Nähe zum Engineering-KnowHow ist für unsere HighTech-Produkte wichtig und die hätten wir dort nicht.Unsere Kunden vertrauen auf diese Ingenieurskunst und die Produktion aus Deutschland als Qualitätsmerkmal.