EMS-Forum, Teil 3: Engineering und Entwicklung – Was muss der EMS-Dienstleister können? »Wir sind weit mehr als nur Fertiger«

Entwicklungskompetenz schreiben sich heute die meisten EMS-Firmen auf die Fahne. Was genau sich dahinter verbirgt, ist aber von Dienstleister zu Dienstleister völlig verschieden: Während die einen mit Entwickung das fertigungsnahe Engineering meinen, stecken andere tief in der Produktentwicklung und fungieren als Original Design Manufacturer (ODM).

»Unsere Neuaufträge im vergangenen Jahr haben wir alle über die Dienstleistung der Entwicklungsunterstützung gewonnen. Ohne die eigene fundierte Kompetenz und ein Netzwerk an Entwicklern kommt ein EMS an große lukrative Aufträge gar nicht mehr ran«, skizziert Dr. Werner Witte, Geschäftsführer von BuS Elektronik, die Situation. Die Unterstützung der Kunden bei Entwicklungs- und Layout- Fragen ist ein wichtiges Verkaufsargument für die EMS-Branche – mit wachsender Tendenz, wie die Diskussionsrunde bestätigt. Zwar gibt es schon noch Kunden, die einfach nur einen EMSDienstleister zum Bestücken und Löten suchen, aber die Mehrheit der Kunden erwartet eine weit tiefere Wertschöpfung von ihrem Dienstleister. »80 Prozent der Herstellungskosten werden durch die Bauteile bestimmt, und die wiederum definiert die Entwicklung, und nicht der EMS. Daher betrachte ich die Entwicklung als wichtiges Instrument, um die Kosten zu reduzieren und dem Kunden dadurch Mehrwert zu bieten«, betont Rüdiger Stahl, Geschäftsführer TQ-Group.

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»Wir sind weit mehr als nur Fertiger«

Entwicklungskompetenz schreiben sich heute die meisten EMS-Firmen auf die Fahne. Was genau sich dahinter verbirgt, ist aber von Dienstleister zu Dienstleister völlig verschieden.

Doch allein der Begriff »Entwicklung « sorgt für einige Verwirrung am Markt, weil jedes EMS-Unternehmen diesen für sich – mangels Standardisierung – anders definiert. Die meisten EMS-Firmen bieten zumindest fertigungsnahe Engineering-Leistungen. Eine Entwicklung vom Lastenheft bis hin zur Serienreife bewerkstelligen dagegen nur wenige auf bestimmte Gebiete spezialisierte EMS-Anbieter. In diesem Fall wäre der EMS ein ODM. Für den Kunden ist es in diesem Begriffsdschungel oft schwer zu entscheiden, wer genau die Entwicklungsleistungen in der Tiefe anbietet, die für das Projekt gebraucht werden.

»Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Forschung und Entwicklung und Konstruktion und Engineering «, erklärt Helmut Bechtold, Geschäftsführer, Firstronic. »Letzteres kann von uns jeder, ersteres wird von uns nur eingeschränkt und auf bestimmten Gebieten betrieben.« Denn wenn ein EMS entwickelt, im eigentlichen Sinn des Begriffes, muss er sich fokussieren und auf bestimmte Marktsegmente konzentrieren, wie das beispielsweise Flextronics tut. Die US-amerikanische Mutter der deutschen Flextronics SBS entwickelt für viele OEMs komplette Mobiltelefone. »Dafür muss man aber Spezialwissen und spezifische Produktkenntnisse haben. Auch wir als Flextronics behaupten nicht, dass wir alle Produkte entwickeln können«, gibt Dr. Uwe Schmidt- Streier zu bedenken, Geschäftsführer, Flextronics SBS.