Ersa will bis 2011 wieder das Umsatzniveau von 2008 erreichen »Wir sind längst nicht mehr nur Maschinen-Hersteller!«

Rainer Kurtz, Ersa: »Wir unterstützen unsere Kunden dabei, ihren Herstellungsprozess hinsichtlich Qualität, Kosten und Lieferservice zu optimieren. Das können wir natürlich nur, wenn wir ihre Prozesse genau kennen.«

Nach einem deutlichen Umsatzrückgang im Jahr 2009 steuert Ersa, Europas größter Lötanlagen-Hersteller, wieder auf Wachstumskurs. Geschäftsführer Rainer Kurtz ist zuversichtlich, 2011 wieder das Umsatzniveau von 2008 erreichen zu können. Die gute Auftragslage verdankt Ersa vor allem dem regen Fertigungsmarkt »China«. Weiter wachsen will Ersa aber auch in Europa und den USA. Dabei kommt es laut Kurtz nicht nur darauf an, für unterschiedliche Anforderungen die passende Maschine anzubieten, sondern die Fertigungsprozesse der Kunden insgesamt zu optimieren.

Markt&Technik: Nach dem für viele Fertigungsausrüster desaströsen Jahr 2009 spürt Ersa wieder deutlichen Aufwind. Werden Sie das hohe Niveau von 2008 in absehbarer Zeit wieder erreichen können?

Kurtz: Das Jahr 2010 entwickelt sich für Ersa in jeder Hinsicht positiv. Im Verbund der Kurtz Electronics liegt unser Forecast für dieses Jahr bei 51 Mio. Euro konsolidiertem Umsatz. Wir sind damit noch ein Stück weg vom starken Jahr 2008 mit 61 Mio. Umsatz, liegen aber deutlich höher als im vergangenen Jahr, in dem wir mit 38,3 Mio. einen deutlichen Einbruch hinnehmen mussten. 2011 werden wir aller Voraussicht nach die Größenordnung von 2008 wieder erreichen.  

Die Bedenken, es könnte zum gefürchteten »Double Dip« kommen, führen branchenweit noch immer zu einer gewissen Investitionszurückhaltung gerade beim Fertigungsequipment. Teilen Sie diese Bedenken?

Wir blicken nun auf ein halbes Jahr 2010 zurück: Die beiden ersten Quartale waren insgesamt gesehen im Auftragseingang fast gleichwertig, auch wenn es monatliche Schwankungen gab. Für das dritte Quartal rechnen wir zwar mit einem deutlichen Rückgang von etwa 25 Prozent gegenüber Q2. Das sind für uns aber keine Anzeichen für einen Double Dip, sondern schlichtweg die Auswirkungen des jahreszeitbedingten »Sommerlochs«. Eine grundsätzliche Umkehr des Aufwärtstrends sehe ich also nicht.

Aus welchen Marktsegmenten kommt der Aufwind? Welche Bereiche legen zu und welche Märkte schwächeln noch?

Wenn ich unsere Auftragslage in den vertikalen Marktsegmenten betrachte, gibt es fast kein Gebiet, das noch deutlich zurückliegt. Die Segmente »Energie« und »Infrastruktur« haben die Krise als letztes zu spüren bekommen und haben sich entsprechend spät wieder aus dem Tal herausbewegt.

Man muss aber auch dazu sagen, dass diese beiden Segmente längst nicht so deutlich eingebrochen sind. Auch die Medizintechnik hat den Einbruch nur wenig zu spüren bekommen, anders als der Automotive-Sektor: Aber auch dieser Bereich ist inzwischen wieder sehr stark.

OEMs oder EMS-Firmen: Wer investiert derzeit stärker?

Deutlich stärker als die OEMs investieren momentan die EMS-Firmen. Daran zeigt sich, dass die Auslagerung von Fertigungskapazitäten ungebrochen weitergeht bzw. zunimmt.    

Ihr Wachstum kommt derzeit vor allem aus Asien. Können die anderen Regionen hier annähernd mithalten?

China trägt ganz klar den Aufschwung und ist auch unser stärkster Wachstumstreiber - wir erwirtschaften rund 35 Prozent unseres Umsatzes in Asien. Alle anderen Regionen sind deutlich schwächer. In den USA zieht das Geschäft langsam wieder an. In Europa entwickelt sich Deutschland ganz gut, auch in Osteuropa gibt es wieder Projekte. Der Rest Europas gibt leider noch keinen Anlass zu wahrer Freude, auch die GUS-Staaten sind noch schwach.

Wird Europa als Absatzmarkt für die Fertigungsausrüster demnach bedeutungslos werden?

Nein. Der Markt hier ist zwar deutlich kleiner als Asien, aber bedeutungslos wird Europa nicht werden. Jeder Markt hat seine Besonderheiten: In der Elektronikfertigung Europas gibt es eine große Anzahl von Mittelständlern und Spezialfertigern und damit ebenfalls ein riesiges Potenzial. Der Markt wird auch hier noch weiter wachsen. Allerdings werden wir unseren Fokus weiter nach Asien verschieben.

Was bedeutet das für Ihre Produktion in Deutschland?  Werden Sie Ihre Anlagen weiterhin in Deutschland produzieren - auch für den asiatischen Markt?  

Ersa produziert zu fast 100 Prozent in Deutschland. Nur ein paar Produkte für das Handlöten fertigen wir in Asien. Wir haben in den vergangenen Jahren hier sehr viel in unsere Fertigungstechnik investiert - nur so waren wir bislang in der Lage, die Fertigung in Deutschland zu halten. Das Lohnniveau ist allerdings so unterschiedlich, dass wir alle zwei Jahre die Situation evaluieren, ob die Zeit nicht reif ist, die Produktion nach China zu verlagern. Erfahrungen mit der Fertigung in China haben wir innerhalb der Kurtz-Gruppe ja bereits.

Die nächste Evaluation steht dieses Jahr an. Was spräche für China?

Eine Produktion in Asien funktioniert immer dann gut, wenn man hohe Stückzahlen mit wenig kundenspezifischem Anteil fertigt. In solchen Fällen sprechen die Vorteile für China.
Wenn man in China für China produziert und fast alle Zulieferteile aus dem Land bezieht, dann ist auch die Logistik kein Thema. Was dort wirklich negativ ins Gewicht fällt, ist die Administration: Bis eine Produktion funktioniert, sind hohe Anfangsinvestitionen erforderlich, denn der personelle Aufwand, den wir mit unseren deutschen Mitarbeitezrn betreiben müssten, um die Kollegen vor Ort einzuweisen, wäre enorm.

Wenn Sie Ihre Anlagen in Asien fertigen, erhöht sich dadurch nicht auch die Gefahr der Produktpiraterie für Ersa?

Eher nicht. Die Produkte werden dann kopiert, wenn sie erfolgreich im Markt angekommen sind. Wo sie produziert werden, ist dabei zweitrangig. Wir sind oft kopiert worden, und solange es sich dabei um unsere alten Maschinen handelt, haben wir kein Problem damit. Die Technologie entwickelt sich so schnell weiter, dass wir den Produktpiraten immer einen Schritt voraus sind. Sollten unsere Marken- und Schutzrechte verletzt werden, indem beispielsweise die Fälschungen unter unserem Label verkauft werden, gehen wir aber strikt dagegen vor.