IT-Gipfel 2015: Tops und »Flops« »Wir müssen weiter an Tempo zulegen«

Anfang des Jahres hagelte es Kritik, Deutschland überlasse das Industrie 4.0 Feld dem IIC und habe nach den Worten von T-Systems-Vorstand Reinhard Clemens »die erste Halbzeit verloren«. Auf dem IT-Gipfel gab es nun eine neue Zwischenbilanz, die nicht nur positiv ausfällt.

Im März läutete die Plattform Industrie 4.0 eine Kehrtwende ein und formierte sich neu: Nun hat sie auf dem IT-Gipfel mit der deutschen Industrie 4.0 Landkarte einen Meilenstein ihrer Arbeit vorgestellt. Komplementär dazu gründete sich das Labs Network Industrie 4.0, um vor allem Mittelständler bei der Umsetzung zu unterstützen.

Aber bei aller Euphorie und digitalen Aufbruchstimmung, die auf dem IT-Gipfel zelebriert wurde: Handlungsbedarf gibt es noch genug. Das sieht auch Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel so: »Wir müssen weiter an Tempo zulegen«, fordert er und zitierte in seiner Rede eine Monitoring-Studie zur Digitalisierung, die Deutschland nur noch auf Platz 6 sieht und nicht mehr auf Platz 5, wie vor einem Jahr. »Unser Ziel, von Platz 5 aus weiter aufzuholen, haben wir also nicht erreicht«, so Gabriel.

Dennoch sei es das erklärte Ziel der Bundesregierung, die digitale Transformation zum Erfolg zu führen: »Es schiebt sich eine neue Wertschöpfung zwischen Produkt und Kunden und das ist im deutschen Mittelstand nicht überall in ausreichendem Maße klar. Es wird sehr darauf ankommen, dass wir die Bewertungskompetenz auf allen Ebenen vertiefen. Und auf diesem Weg müssen wir vor allem den Mittelstand mitnehmen.« Die Erkenntnis, dass der Mittelstand für die Umsetzung von Industrie 4.0 eine Schlüsselrolle spielt, scheint immerhin bei den politischen Entscheidern angekommen zu sein. Um den Mittelstand fit für Industrie 4.0 und die Digitalisierung zu machen, müssten allerdings auch mehr Mittelständler an Forschungsgeldern partizipieren können. Hier gibt es nach Auskünften von Brancheninsidern noch reichlich Defizite.

»Der Mittelstand soll vom Mittelstand lernen«

Die Industrie 4.0 Landkarte nebst Labs Network sollen es nun richten: Wo wird heute schon nach den Prinzipien der Industrie 4.0 gefertigt? Darüber gibt die interaktive Deutschlandkarte mit derzeit rund 200 Praxisbeispielen Aufschluss, die auf der Webseite der Plattform Industrie 4.0 (www.plattform-I40.de) veröffentlicht ist. Das Modell erinnert grundsätzlich an die Testbeds, die die IIC ins Leben gerufen hat und sukzessive erweitert. Dieses praktische Vorgehen fand viel Zuspruch und bescherte dem IIC einen rasanten Mitgliederzuwachs. Auch deutsche Unternehmen wie Siemens sind dort Mitglied.

Mit ihrer Industrie 4.0 Landkarte trägt das Plattform-Gremium der Forderung und Kritik Rechnung, Industrie 4.0 nicht ausschließlich aus Normungsperspektive zu betrachten, sondern parallel dazu auch die Praxis zu fördern. Auf die deutsche online Landkarte aufgenommen wurden daher bewusst nicht nur Beispiele von Großkonzernen, wie Bosch oder Siemens, sondern auch Umsetzungen aus dem Mittelstand: Mit dabei ist beispielsweise das Projekt »CodeMeter zum Schutz von Know-how und Produktionsdaten« von Wibu Systems. Code Meter unterstützt Maschinenhersteller in der Textilindustrie dabei, sowohl die Maschine selbst von Nachbau und Reverse Engineering zu schützen, aber auch die Produktionsdaten der Auftraggeber von Textilproduktionen, die auf diesen Maschinen in externen Fabriken produzieren lassen. Sowohl die unberechtigte Nutzung der Produktionsdaten lässt sich damit verhindern als auch die Produktionsstückzahl kontrollieren und damit unbemerkte Herstellung von »Originalprodukten« für den Graumarkt verhindern.

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