Obsolescence-Management »Wir liefern NOR-Flash 10 Jahre und mehr!«

Alexander Füssel, Spansion (hier im Bild mit Markt&Technik Redakteurin Karin Zühlke): »Unsere Herstellungsstrategie ist auf den Embedded-Markt zugeschnitten und so angelegt, dass wir mehrere Technologien gleichzeitig fertigen können. Dadurch halten wir den Druck deutlich niedriger als andere Hersteller, schnell auf die nächste Stufe migrieren zu müssen.«

Speicherhersteller sind nicht unbedingt für lange Verfügbarkeiten bekannt. Aber – es gibt auch Positiv-Beispiele wie Spansion: Der Hersteller liefert im Rahmen seines Longevity-Programms NOR-Flash-Speicher 10 Jahre und länger.

Spansion beliefert mit seinen NOR-Flash-Speicher u.a. den Automotive-, Industrie- und Telekom-Infrastrukturbereich. »Weil wir uns auf diese Märkte fokussieren, haben wir uns schon frühzeitig intensiv mit dem Thema Langzeitverfügbarkeit und Obsolescence-Management beschäftigt und entsprechende Strategien und Prozesse umgesetzt«, erklärt Alexander Füssel, Senior Manager Marketing & Business Development EMEA. Schließlich kommt es nicht von Ungefähr, dass Spansion im Embedded-Markt Marktführer für NOR-Flash-Speicher ist und deshalb eine hohe Reputation genießt.

Der Embedded-Kunde muss seine Applikationen über einen langen Zeutraum verfügbar halten. Das bringt auch für die Zulieferer Herausforderungen mit sich. Spansion ist gemäß den Automobilstandards TS16949 zertifiziert. Das heißt, alle Prozesse, auch das Obsolesence Management, Abkündigungen und Product Change Notifications (PCNs), werden regelmäßig auditiert. Wie lange ein Produkt verfügbar sein sollte oder muss, ist aber nicht in der TS16949 geregelt und auch nicht in einer anderen Norm, das liegt letztlich im Ermessensspielraum und an der Strategie des Herstellers: »Wir liefern heute noch NOR-Flash-Speicher, die seit ca. 20 Jahren unverändert so produziert werden«, bekräftigt der Spansion-Manager. Konkret geht es dabei um die 5-Volt-AM29F-NOR-Flash-Speicherfamilie, deren  Belieferung Ende 2013 eingestellt wird.

»Wir fertigen immer mehrere Technologien parallel«

Natürlich wird nicht jeder NOR-Flash für 20 Jahre produziert. Aber im Rahmen des Longevity-Programms garantiert Spansion für den NOR-Flash-Produktbereich 10 Jahre Verfügbarkeit des Bausteins oder einer äquivalenten Alternative mit derselben Dichte, Spannung, demselben Command Set sowie einer identischen Programmiersprache, einem identischen Package und Footprint.

Bei NAND-Bausteinen wie der SLC-NAND-Familie garantiert Spansion immerhin 5 Jahre Verfügbarkeit. Im Fall der MirrorBit-NOR-Familie hat der Kunde zum Beispiel die Wahl zwischen drei parallelen Technologien. Oder aber er kann direkt auf die nächst kleinere Generation wechseln, also zum Beispiel von 110 nm direkt auf 65 nm. »Unsere Herstellungsstrategie ist auf den Embedded-Markt zugeschnitten«, so Füssel, »und so angelegt, dass wir mehrere Technologien gleichzeitig fertigen können. Dadurch halten wir den Druck deutlich niedriger als andere Hersteller, schnell auf die nächste Stufe migrieren zu müssen.«
Dass mehrere Technologien parallel produziert werden, und zwar mindestens drei NOR-Flash- und zwei NAND-Technologien, ist nach den Worten von Füssel ein Grundsatz im Hause Spansion und sicherlich ein großer Mehrwert, der es dem Hersteller ermöglicht, seine Obsolescence-Strategie in der Form zu treiben.

Ist das nicht ein immenser – auch finanzieller – Aufwand für das Unternehmen? »Ja, aber die Kunden schätzen diesen Service, und das zahlt sich letztlich aus«, betont Füssel. Überdurchschnittlich teuer seien die Bausteine deshalb übrigens nicht, bekräftigt Füssel: »Wir haben ein höheres Volumen, und darüber amortisiert sich der Aufwand für uns wieder.«.  Der Kunde jedenfalls hat durch das Longevity-Programm und die Strategie der parallelen Fertigung ein weites »Migrationsfenster« und viel Zeit, um auf den nächsten Technologieschritt umzusteigen.

Damit der Kunde solche Generationswechsel langfristig planen kann, setzt Spansion nach den Worten von Füssel auf enge Kommunikation mit der Klientel: »Wir zeigen unseren Kunden regelmäßig unsere fünf bis sechs Jahre Roadmap auf. Darauf können die Kunden ihre Produktplanung abstimmen.« So kommt es laut Füssel öfter mal vor, dass Kunden zu Spansion wechseln, weil sie mit der Verfügbarkeit anderer Hersteller nicht zufrieden sind.

Dass Spansion als qualifizierter Industrie- und Automotive-Lieferant seine Produkte nicht einfach unerwartet von heute auf morgen abkündigt, versteht sich von selbst. Wenn ein Produkt obsolet wird, läuft der End-of-Life-Prozess nach Aussage von Füssel strikt nach den Anforderungen der JEDEC-Normung ab: Die besagt, dass zwischen der Ankündigung der Abkündigung und dem Last Time Buy mindestens sechs Monate liegen müssen. Bis zum Last Time Ship müssen dann nochmals sechs Monate liegen. »Die Automotive-Anforderungen sind hier sogar noch höher«, bekräftigt Füssel. »Sie fordern eine Frist von jeweils neuen Monaten, die wir unseren Automotive-Kunden selbstverständlich gewähren.«  Dass auch der auf Langzeit fokussierte Industrie- und Automotive-Kunde den Speicher von Zeit zu Zeit auch innerhalb seiner Produktgeneration wechselt, ist durchaus üblich, um sein Produkt den Anforderungen des Marktes anzupassen, etwa durch mehr Speicherdichte, den Umstieg von parallel zu seriell oder von 3 V auf 1,8 V. Bei der Migration unterstützt Spansion auch softwareseitig. In Zusammenarbeit mit Third-Party-Dienstleister stellt Spansion die erforderliche Software für seine Speicher kostenlos zur Verfügung.

Was, wenn der Kunde seine Produkte aber länger als 10 Jahre benötigt? Dann ist es möglich, die Verfügbarkeit über individuelle Verträge zu regeln. Einen Dienstleister, der den End-of-Life-Prozess für Spansion verwaltet, Assets und Produkte nach der Abkündigung im Auftrag fertigt, gibt es bei Spansion nicht: »Unser Longevity-Programm ist ein reines Inhouse-Programm«, betont Füssel. Eine weitere Möglichkeit, Produkte nach dem End-of-Life noch verfügbar zu haben, ist die Langzeitlagerung, beispielsweise in flüssigem Stickstoff oder die Lagerung in Form von Dry Packs. Auch wenn es um solche Fragen geht, steht Spansion dem Kunden beratend zu Seite.