ASM Assembly Systems und DEK »Wir haben das klare Ziel, Nummer 1 zu werden«

Günter Lauber, ASM Assembly Systems (rechts, im Gespräch mit Mark&Technik-Redakteurin Karin Zühlke): „Wir sind der einzige Equipment-Anbieter, der die Wertschöpfungskette von der Halbleiter-Backend-Fertigung bis zum Drucken und Bestücken abdeckt.“

Nach Siplace – bzw. ASM Assembly Systems – will ASMPT auch den Druckerhersteller DEK übernehmen. Damit hätte ASMPT nicht nur zwei entscheidende SMT-Prozesse unter einem Dach, sondern auch einen weiteren europäischen Top-Player mit im Boot. Sobald die Kartellhüter zustimmen, soll DEK gemeinsam mit dem Siplace-Team den SMT-Geschäftsbereich von ASMPT bilden, den Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems, leiten wird.

Markt&Technik: Die geplante Übernahme von DEK ist ein weiterer Mosaikstein, der mich in der Ansicht bestärkt, dass sich das Branchenbild der SMT-Ausrüsterindustrie verändert – nach dem Motto »Fressen oder gefressen werden«. Ich gehe davon aus, dass ähnlich wie in der Halbleiter-Fertigungsmaschinen-Branche in Zukunft nur noch eine Handvoll Anbieter übrig bleiben. Liege ich da richtig? 

Günter Lauber: Das ist schwer zu sagen. Es gab in der Vergangenheit einige Konsolidierungen im SMT-Maschinenbau. Was die Bestückungsmaschinen angeht, so würde ich nicht davon ausgehen, dass es hier noch zu weiteren Konsolidierungen kommt, zumindest nicht bei den Großen. So viele Player sind derzeit auch gar nicht mehr auf dem Markt. Es wird meines Erachtens nicht darauf hinauslaufen, dass am Ende nur noch drei oder vier Hersteller übrig sind. 

Entsteht mit der DEK-Übernahme der weltweit größte SMT-Konzern – die Grenztechnologien von ASMPT zur Halbleiterfertigung mitgerechnet?

Einfach nur Größe hinzuzukaufen. wäre für uns kein Grund für eine Akquisition gewesen. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ob wir dann der größte SMT-Konzern sind, ist schwierig zu beantworten, weil das verfügbare Datenmaterial nicht konsistent ist. Mit ASMPT gemeinsam sind wir aber nach unserer Überzeugung der größte Equipment-Anbieter für die Elektronik-industrie – und der einzige, der die Wertschöpfungskette von der Halbleiter-Backend-Fertigung bis zum Drucken und Bestücken abdeckt. 

Kommen wir nochmal auf Ihren Einwand zurück: Größe war also nicht ausschlaggebend, was ist dann der Grund für die Übernahme?  

Wir haben ein klares Ziel, und das lautet: Innovations- und Technologieführer zu sein und damit unseren Kunden die besten Lösungen anbieten zu können. Nur wenn uns eine Akquisition wie im Fall DEK dabei hilft, für unsere Kunden noch mehr Nutzen zu generieren, dann tätigen wir diese. Für uns ist es ein großer Wettbewerbsvorteil , wenn wir nicht nur einen Prozessschritt abdecken können, sondern mit dem Drucken einen weiteren entscheidenden SMT-Prozess im Haus haben. Aber wir hätten natürlich keinen Nobody im Druckermarkt gekauft. DEK ist die Nummer 1 auf dem Druckermarkt und damit »Best-in-Class«. Deshalb versprechen wir uns von diesem Zusammenschluss einen enormen Schub für unser SMT-Geschäft. 

Während der productronica hat das Siplace-Team in einer Inhouse-Show im Rahmen einer 03015-Prozess-Präsentation einen selbst entwickelten Drucker vorgestellt. Warum haben Sie diesen Weg nicht weiterverfolgt?

Wir sind stolz auf unseren ersten selbst entwickelten Drucker, und wir haben innerhalb des Teams viel gelernt dabei. Aber die Entwicklung des eigenen Druckers hat uns auch die Vorteile einer verbesserten Integration von Pre-Placement und Placement deutlich werden lassen. Der Aufbau von technischem Applikations-Know-how im großen Stil im Printing-Bereich ist jedoch aufwändig, deshalb haben wir nach Wegen gesucht, hier in kürzester Zeit zum schnellsten Ergebnis zu kommen. Und das war aus der Sicht von WK Lee, CEO von ASMPT, und meiner Sicht der Zusammenschluss mit DEK. Dieser stellt schnell und zuverlässig sicher, dass wir bestehenden und neuen Kunden neben Best-in-Class-Bestückautomaten auch Best-in-Class-Printer und integrierte Prozesslösungen anbieten können. Und künftig werden sicherlich die Siplace-Printer-Experten eng mit den DEK-Kollegen zusammen in der Pre-Placement Business Division arbeiten. 

Interessant finde ich, dass sich ASMPT gezielt mit europäischen Herstellern verstärkt und nicht in Asien, z.B. Korea, auf »Shoppingtour« geht. Strategie oder Zufall? 

Mit Sicherheit ist das kein Zufall. WK Lee hat seine Gründe, warum er auf Deutschland bzw. Europa setzt. Zum einen wurde ASMPT durch den Kauf von Siplace zum globalen Unternehmen. Zum anderen schätzt WK Lee die Stärke des German – und European – Engineering als großen Wert für sein Unternehmen. Im Gegenzug profitieren wir von der – so genannten – Asian Efficiency. Diese gegenseitigen Stärken können wir gemeinsam sehr gut umsetzen und nutzen.  Also eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

In der Pressemeldung zum Merger heißt es »Siplace und DEK sollen dann SMT-Lösungen entwickeln und anbieten, die über eine verbesserte Integration von Druck- und Bestückprozessen weitreichende Qualitäts- und Effizienzvorteile in der Elektronikfertigung generieren«. –  Was habe ich mir darunter genau vorzustellen? Es bleiben ja immer noch getrennte Prozesse . . .

Sicher kann man die einzelnen Prozessschritte immer noch weiter optimieren, aber da ist unsere Industrie schon sehr weit. Das Verbesserungspotenzial bei den Einzelprozessen ist schon fast ausgereizt. Da lässt sich kaum noch etwas »tunen«. Wichtig ist der Gesamtprozess. Denn auch wenn Sie für die Bestückung eine hervorragende Best-in-Class-Maschine haben, profitieren Sie davon nicht, wenn der Prozess davor oder dahinter nicht die erforderliche Leistung bringt. Lotpaste, Schablone, Druck und Bestücken müssen optimal zusammenspielen, und der Kunde erwartet von uns Lösungsvorschläge, wie er den Prozess insgesamt verbessern kann und wie sich neue Herausforderungen wie etwa die 03015-Bestückung bewältigen lassen. Die Siplace-Bestückautomaten können 03015 insgesamt sehr gut verarbeiten. Aber auch hier ist der Druckprozess ganz entscheidend. Es ist also absolut von Vorteil, dass wir diese Kompetenz jetzt direkt im Haus haben und unseren Kunden so einen kompletten Applikationssupport bieten können. 

Fuji bietet ja bereits Bestücken und Drucken auf einer Plattform an – wird das für Siplace/DEK auch ein Thema?

Von uns wird es wettbewerbsfähige Lösungen geben. Ob eine gemeinsame Hardware-Plattform dabei wirklich sinnvoll ist, das wird sich zeigen. Wichtig ist vielmehr die Integration der Prozessschritte, und das ist vor allem ein Software-Thema.  

Wird es von Siplace und DEK also eine gemeinsame Software und Bedieneroberfläche geben?

Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, aber es wird in diese Richtung gehen. 

Der Kunde hat also weiterhin auch die Wahlfreiheit, mit welchem Drucker oder Bestücker er Siplace- bzw. DEK-Maschinen kombiniert?

Selbstverständlich kann der Kunde weiterhin Siplace-Bestücker und DEK-Drucker bei uns kaufen und in andere Linien-Lösungen anderer Anbieter integrieren.