Gegen Produktpiraterie Warum Infineon Bauteile verschrottet

So sieht das "Scrap-Material" aus, das am Ende von den Halbleitern noch übrig ist.

Obsolete, defekte oder qualitativ nicht einwandfreie Bauteile oder Module einfach im Sondermüll zu entsorgen ist riskant, weil dadurch Unternehmens-IP leicht in falsche Hände geraten kann. Um das zu vermeiden, setzt Infineon weltweit auf ein umfassendes »Scrap-Management«.

Das Scrap-Management (Scrap = Schrott) ist bei Infineon fester Bestandteil des Obsolescence-Managements und hat – wie das Wort an sich schon verdeutlicht – zum Ziel, Bauteile, die nicht für den Markt bestimmt sind, zu verschrotten. Im Wesentlichen sind das Bauteile, die aus der Fertigung ausgeschleust wurden, weil sie nicht den Qualitätsanforderungen entsprechen, oder deren Date Code – das Herstellerdatum auf der Verpackung – abgelaufen ist. 

Wie lange ein Bauteil wirklich haltbar ist, dafür gibt es bei vielen Unternehmen keinen absoluten Wert und hängt letztlich von dessen Parametern und Einsatzgebieten ab. Zu alte Bauteile lassen sich oft nicht mehr einwandfrei verarbeiten, u. a. besteht die Gefahr korrodierter Lötstellen. Die meisten Firmen schreiben ihren Fertigungen von vorne herein bestimmte Date Codes vor, um sich vor Alterungsausfällen im Feld zu schützen, denn die Funktionstüchtigkeit eines Bauteils lässt sich nur durch aufwendige Tests feststellen.

Überzeugende Gründe, warum Bauteile verschrottet werden sollten, gibt es einige laut Konrad Bechler, der bei Infineon das Scrap-Management leitet: »Es geht vor allem darum, dem Counterfeit-Markt keinen Nährboden zu bieten und damit unser Know-how zu schützen. Deshalb wollen wir verhindern, dass alte oder nicht einwandfreie Bauteile verkauft oder zerlegt werden und Einzelteile als »neu« deklariert über graue Kanäle wieder in die Lieferkette gelangen.« Neben der Grau-Markt-Problematik spiele natürlich auch das Recycling und die umweltschonende Rückgewinnung von Rohstoffen eine maßgebliche Rolle, so Bechler.