Kommentar zum Verkauf von Siemens Electronics Assembly Systems Vernunftehe oder Liebesheirat?

Karin Zühlke, Markt & Technik

Dass SEAS keinem branchenfremden Investor oder gar einem Mitbewerber in die Hände gefallen ist, ist sicherlich ein Gewinn für die - ehemalige - Siemens-Tochter. Dennoch schmerzt die Tatsache, dass der letzte bedeutende deutsche Hersteller von Bestückungsautomaten nun zu einer asiatischen Unternehmensgruppe gehört, schon ein bisschen.

Bedeutet doch der Einstieg eines asiatischen Investors in vielen Fällen »Kaufen, um zu übernehmen«, und nicht, um in friedlicher Synergie miteinander zu wachsen. Dass das im vorliegenden Fall nicht zutrifft, beteuern beide Seiten und in Anbetracht der Tatsache, dass die Reputation der Marke »Siplace« auf dem europäischen Markt eng verbunden ist mit dem Prädikat »Made in Germany« tut der Investor gut daran, dieses Alleinstellungsmerkmal von SEAS nicht anzutasten. Unbestritten ist aber auch, dass eine noch engere Verbindung zum asiatischen Markt, vor allem China, für SEAS ein erhebliches Geschäfts- und Entwicklungspotenzial birgt. Wie sich das mittel- und langfristig auf den SEAS-Produktionsstandort Deutschland auswirkt, bleibt abzuwarten. Und ob es nun eine Vernunftehe oder eine Liebesheirat ist, wissen - wie im richtigen Leben – letztlich nur die beiden Partner.    


Zumindest kann SEAS jetzt aber erst einmal aufatmen: Denn die seit über einem Jahr andauernde Suche nach einem Investor hat nicht nur die Mitarbeiter sondern auch die (potenziellen) Kunden des Unternehmens verunsichert. Denn wer kauft schon gerne ein Investitionsgut bei einem Unternehmen, dessen Zukunft unklar ist?
Für die Gerüchteküche der Branche dürfte es allerdings ein herber Verlust sein, dass nun im Fall SEAS klare Fakten auf dem Tisch liegen. Schließlich wussten so genannte »Brancheninsider« im Wochenabstand von neuen Kaufinteressenten zu berichten. ASMPT hatten aber wohl nur die wirklichen Insider auf der Rechnung.     

Karin Zühlke