Obsoleszenzmanagement VDMA setzt auf SmartPCN

Dr. Wolfgang Heinbach
Dr. Wolfgang Heinbach

Der Entwurf des VDMA-Einheitsblatts 24903 setzt auf SmartPCN als Kommunikationsstandard für das digitale Obsoleszenzmanagement.

Die Mindestanforderungen an den Informationsgehalt von Änderungs- und Abkündigungsmitteilungen sowie an Systemschnittstellen, die einen EDV-gestützten Datenaustausch ermöglichen, beschreibt das vom VDMA-Arbeitskreis »Interagierendes Obsoleszenzmanagement« derzeit erarbeitete VDMA-Einheitsblatt 24903. Der Entwurf steht unter http://www.vdma.org/viewer/-/article/render/16626357 ab sofort zum kostenlosen Download bereit.

Bis zum 31. Juli 2017 steht der Entwurf des Einheitsblatts 24903 der Öffentlichkeit zur Kommentierung zur Verfügung. Stellungnahmen werden per E-Mail an hilmar.schmieding@vdma.org oder in Papierform an die Abteilung Normung im VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V., Postfach 71 08 64, 60498 Frankfurt erbeten. Die freigegebene Fassung wird für Ende des Jahres erwartet.

Ziel des unter Mitwirkung mehrerer Mitglieder des COG (Component Obsolescence Group) Deutschland e.V. entwickelten VDMA-Einheitsblatts ist es, »den manuellen Aufwand für die Bearbeitung von Produktänderungen und –abkündigungen signifikant zu verringern und ein umfassendes Verfügbarkeitsmonitoring und digitales Obsoleszenzmanagement zu unterstützen«, erläutert Dr. Wolfgang Heinbach, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des Industrieverbande COG Deutschland e.V. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Weiterentwicklung des von der COG Deutschland spezifizierten smartPCN-Formats ein, das in der nun vorliegenden Version vor allem auf die spezifischen Bedürfnisse von Maschinenbauunternehmen und ihren Zulieferern eingeht.

Die immer kürzeren Produktlebenszyklen haben dazu geführt, dass manche hochinnovative Elektronikkomponenten oft schon nach ein, zwei Jahren nur noch schwer oder so gut wie gar nicht mehr verfügbar sind. Dies ist eine Entwicklung, die auch Geräte- und Anlagenbauer sowie deren Kunden »oft teuer zu stehen kommt«, weiß Heinbach. Das maschinenlesbare smartPCN-Kommunikationsformat wurde ursprünglich entwickelt, um Einkäufern, Entwicklern und Projektleitern vor allem das Sammeln und Verarbeiten von Informationen zu der Verfügbarkeit von projektrelevanten elektronischen Bauelementen zu erleichtern. Entsprechend modifiziert, lässt sich nach dem gleichen Prinzip allerdings auch die Verfügbarkeit mechanischer Komponenten, chemischer Stoffe, Software und Dienstleistungen erfassen, überwachen und steuern.

Laut Heinbach ist auch im Maschinenbau ein effizientes Obsoleszenz-Management »wichtig, weil es inzwischen keine Seltenheit mehr ist, dass bis zu 50 Prozent der über den gesamten Lebenszyklus eines elektronisch gesteuerten Systems anfallenden Kosten direkt und indirekt durch abgekündigte oder aus anderen Gründen nicht mehr verfügbaren Komponenten verursacht werden«. Ohne eine Standardisierung und digitale Verarbeitung aller für ein Projekt wichtigen Verfügbarkeitsdaten könnten diese Kosten in Zukunft möglicherweise noch weiter steigen. Deshalb messe die COG dem VDMA-Einheitsblatt 24903 »große Bedeutung bei, weil es branchenübergreifend nicht nur den rund 3200 VDMA-Mitgliedern, sondern auch allen anderen betroffenen Unternehmen ergänzend zur IEC 62402 ‚Obsolescence management – Application guide‘ einen zukunftsweisenden Weg in Richtung standardisiertes digitales Obsoleszenzmanagement aufzeigt«.