Siemens verkauft Konzern-Tochter Siemens Electronics Assembly Systems an ASM Pacific Technologies »Unsere strategische Position hat sich erheblich verbessert«

Günter Lauber, SEAS: »Eine Kernfrage bei den Verhandlungen war, ob die Käufer über eine Strategie verfügen, die eine Zukunft für Standorte und Arbeitsplätze gewährleistet. ASMPT hat hier überzeugt.«

Siemens hat die Bestückungsautomations-Tochter Siemens Electronics Assembly Systems (SEAS), bekannt unter dem Markennamen »Siplace« an die in Hongkong ansässige ASM Pacific Technology (ASMPT) verkauft. ASMPT zählt zu den führenden Hersteller von Maschinen für die Halbleiter-Fertigung. Für Günter Lauber, CEO von SEAS, war ASMPT als industrieller Investor aus dem Elektronikmarkt ein Wunschkandidat für die Übernahme, denn anders als bei einem branchenfremden Investor zu befürchten gewesen wäre, sind derzeit weder personelle Einschnitte noch Standortschließungen geplant.

 Nachdem der Siemens-Konzern das Bestückungsautomaten-Geschäft nicht mehr als Kernbereich ansieht, lief seit gut eineinhalb Jahren die Suche nach einem Investor für SEAS auf Hochtouren. Das Portfolio beider Firmen ergänze sich sehr gut, heißt es von SEAS. Nachdem die Maschinen von ASMPT die der Bestückung vor gelagerten Prozesse in der Chipfertigung wie Bonden und »Häusen« abdecken, und SEAS mit seinen Bestückungsmaschinen im Wesentlichen die SMT-Fertigung adressiert, gibt es so gut wie keine Überschneidungen und daher steht auch erst einmal nicht zu befürchten, dass es zu Konsolidierungen kommen wird. Im Gegenteil: Lauber sieht in dem Eigentümerwechsel große Chancen für Kunden, Mitarbeiter und die Marke »Siplace« durch die technologischen Synergien der beiden Firmen: So gibt es bei der Siplace SA Maschine und bei der Bestückung von Flip-Chip- und Die-Komponenten erste Anknüpfungspunkte zum ASM-Portfolio. »Hier verlangt der Markt beispielsweise in der LED-Fertigung, bisher getrennte Prozesse und Produkte in effizienten Systemen zu integrieren. Technisch ist eine große Herausforderung, die wir gemeinsam mit ASMPT bewältigen wollen und können. Unsere strategische Position hat sich also stark verbessert und davon werden unsere Kunden profitieren«, betont Lauber.

ASMPT legt wie SEAS den Fokus auf technologische Innovationen und qualitativ hochwertige Systeme und investiert mehr als 10 Prozent seines Umsatzes in R&D. »Diese Strategie passt zu uns und unserer weltweiten Technologieführerschaft«, erklärt Lauber weiter. Auch WK Lee, CEO von ASMPT, sieht großes Potenzial in der Kombination beider Unternehmen: »Die der Synergieeffekte werden es uns ermöglichen, sowohl das Siplace-Geschäft als auch die gesamte ASM Gruppe weiter wachsen zu lassen.«  SEAS kann künftig auf die breite Kundenbasis und die gut ausgebauten Vertriebsnetze der ASMPT in Asien und insbesondere in China zugreifen. Im Gegenzug öffnet SEAS dem Honkgonger Unternehmen einen besseren Zutritt zum europäischen Markt.

München bleibt zentraler SEAS-Standort

Wirksam werden soll die Vereinbarung von Siemens und ASMPT nach der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden und der Aktionäre der ASM spätestens Anfang 2011. Dann soll SEAS innerhalb der ASMPT als eigener Bereich geführt werden verlautbaren die beiden Unternehmen. Dank der umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen und damit einhergehend die Verschlankung der Organisation, die SEAS im Rahmen des »Carve Outs« durchgeführt hat, bewertet ASMPT die Struktur von SEAS als sehr positiv. Weder bei ASMPT noch bei SEAS sind demnach im Zuge der Übernahme Standortschließungen geplant. Der SEAS-Standort München soll auch künftig das Entwicklungszentrum für Bestückautomaten-Technologie bleiben und darüber hinaus zur europäischen Vertriebszentrale für das Gesamtportfolio ausgebaut werden. »Eine Kernfrage bei den Verhandlungen war, ob die Käufer über eine Strategie verfügen, die eine Zukunft für Standorte und Arbeitsplätze gewährleistet. ASMPT hat hier überzeugt«, so Lauber. ASMPT wird nach Aussage von Lauber im Tarifverbund bleiben und auch die finanzielle Ausstattung sei gut. Dementsprechend bezeichnet Lauber die neue Konstellation als sehr solides Fundament, auf das die Mitarbeiter vertrauen können.