Interview TQ will mit SRI stärker in den Automotive-Bereich vorrücken

Detlef Schneider, TQ
Detlef Schneider, TQ: "Wir haben das nicht ausdrücklich strategisch geplant und akquiriert, sondern es hat sich ergeben. Wir sind für den Insolvenzverwalter ein kompetenter Ansprechpartner aus der Branche."

Seit dem 21. Dezember 2012 ist die TQ-Gruppe nun auch Mehrheitsgesellschafter des insolventen EMS-Untenehmens SRI. Wie TQ das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückführen und welche Potenziale TQ darüber hinaus im E-Mobility Segment heben will, dazu ein Gespräch mit TQ-Geschäftsführer Detlef Schneider.

Markt&Technik: Welche Strategie steckt hinter dieser jüngsten Akquisition?

Detlef Schneider: Wir haben dies nicht ausdrücklich strategisch geplant und akquiriert, sondern es hat sich ergeben. Wir sind für den Insolvenzverwalter ein kompetenter Ansprechpartner aus der Branche. Mit uns ist die Zielsetzung, in dem vorliegenden Planinsolvenzverfahren die SRI nicht zu zerschlagen. Damit kann SRI also weitergeführt werden. Hierzu gibt es einen vorläufigen Vertrag, der in einigen Punkten noch zu erfüllende Bedingungen beinhaltet, um dann endgültig aus der Planinsolvenz wieder in ein normales Geschäft überzuleiten.
Wir können mit SRI die Kunden bedienen, die wir bisher teilweise schweren Herzens ziehen lassen mussten, da wir unsere Ressourcen nicht zu Lasten unserer bestehenden Kunden hergeben wollten und werden.

Was genau ist unter »Mehrheitsgesellschafter« in diesem Fall zu verstehen – wie viel Prozent hält TQ?

Die TQ-Group GmbH wird 90 Prozent der Anteile halten.

Ihr Marketingleiter Herr Heinz-Fischer hat auf der electronica PK gesagt, man wolle »unabhängiger vom EMS-Geschäft werden«. – Wie passt dann dieser Kauf ins Bild? – SRI dürfte immerhin nach wie vor einer der größten EMS-Unternehmen in Deutschland sein …

Dies steht nicht im Widerspruch zu unserer Strategie. Ganz im Gegenteil,
mit dem Engagement bei der SRI haben wir die Möglichkeit, bei TQ die bestehenden Strukturen zu festigen und uns als führender Technologiedienstleister noch intensiver zu entwickeln als bisher.

Wachstum im Bereich E²MS – Electronic Engineering Manufacturing Services - können wir nun sehr gut durch die Beteiligung an SRI umsetzen, das wäre in den bestehenden Strukturen bei TQ zwar auch möglich, aber etwas schwieriger gewesen. Wir haben nun die Möglichkeit, in andere Produktionsvolumen einzudringen und damit die bisher guten Lieferanten durch ein erhöhtes Einkaufsvolumen zu stärken und selbst Bündelungseffekte zu erzielen.

Wird TQ bei SRI »stiller Investor« im Hintergrund bleiben oder werden die Unternehmen mittelfristig zusammengeführt? Ersteres stelle ich mir ehrlich gesagt aufgrund der Wettbewerbssituation schwierig vor…

Die SRI wird mit Unterstützung der TQ geführt. Eine Verschmelzung mit TQ ist aber nicht geplant.
Zum Wettbewerb sehe ich es so: TQ bedient einen anderen Markt als die SRI , das wird auch zukünftig so sein, allerdings wird sich die SRI zusätzlich stark in Richtung Automotive entwickeln. Hier gibt es Aussagen von bestehenden namhaften Automotive-Kunden, die mir versichert haben, dass es für Automotive europaweit keine leistungsfähigere Produktion als die SRI gibt. Diese Aussage trifft es haargenau und genau aus diesem Grund muss man diese Stärke besser am Markt platzieren.

Welche Synergien soll/wird es geben?     

Wir haben natürlich ergänzende und überlappende Strukturen und werden hier sicher Synergien heben, die beide Unternehmen in Summe schlanker und leistungsfähiger machen, welche das im Einzelnen sind wird sich zeigen.

SRI war stark im Umwelttechnik/Erneurbare Energien und Solargeschäft engagiert. Gibt es denkbare Synergien und mögliche Schnittstellen zwischen Ihrem Tochteruntenehmen IEQualize und SRI?

Leider sind genau diese Bereiche im letzten Jahr extrem eingebrochen. Damit ist die SRI dann auch in die bestehende Schieflage gekommen. Eine Synergie zwischen SRI und IEQualize für diese Bereiche besteht aktuell nicht, welche Synergien sich hier ergeben können, wird man sehen.

2012 hat TQ außerdem die Clean Mobile AG übernommen, und damit das Leistungsspektrum auf Technik für Premium E-Bikes erweitert. Wie entwickelt sich dieser Geschäftsbereich?

Die Clean Mobile AG übernommen, hört sich sehr mächtig an. Die Clean Mobile war insolvent und als einer der größten Gläubiger haben wir die gut zu uns passende Entwicklungsmannschaft mit dem  E-Mobility Know-how mit allen Patenten übernommen. Das Geschäft »E-Mobility« entwickelt sich hier erwartungsgemäß gut!

Wie beurteilen Sie generell die Wachstums- und Zukunftschancen für den Solarbereich und die erneuerbaren Energien sowie die E-Mobilität?

Wenn wir an die Energiewende denken und wir die noch vorhandenen fossilen Brennstoffe nicht in der nächsten Generation komplett verbrauchen wollen, dann gibt es keine Alternative zu erneuerbaren Energiequellen.Will heißen: Wer auch immer der Gewinner von den regenerativen Energiequellen sein wird, ich beurteile die Wachstumschancen insgesamt als sehr hoch.

Wenn, was wir alle nicht hoffen und verdrängen, es eine erneute Katastrophe nach Fukushima geben sollte, wird der Markt sogar explodieren, Fukushima ist fast vergessen doch die Gefahr ist allgegenwärtig. Die Energiewende in Deutschland ist ein konsequenter Schritt, der uns allerdings in große Abhängigkeit bringen könnte, wenn wir das Thema »Energiewende« nicht schnellstens in den Griff bekommen. E-Mobility ist die natürliche Konsequenz: aus den regenerativen Energien wird Strom erzeugt und gespeichert, um diese dann wieder für E-Mobility zur Verfügung zu stellen.

Sind mittelfristig weitere TQ-Akquisitionen geplant?
Nein!

Die TQ-Gruppe machte kürzlich auch mit der Meldung »Einstieg in die Antriebstechnik« und der Übernahme von RoboDrives von sich reden. Nun ist der Bereich ja nicht wirklich neu für TQ – Sie sind ja einer der beiden Gründer von RoboDrive. Was wird sich in der Konstellation RoboDrive/TQ denn nun genau ändern?

Die RoboDrive war vom Start weg ein Teil der TQ, hier hat sich im Prinzip nur die Tatsache geändert, dass TQ als Dienstleister noch deutlicher die Produktionsverantwortung übernommen hat. Des Weiteren ergeben sich auch ideale Synergien zum TQ- Geschäftsbereich »E-Mobilität« - Clean-Mobile.

Was muss ein EMS-Unternehmen in Deutschland mitbringen, um erfolgreich zu sein? Wie groß die Schere zwischen Erfolg und »Niederlage« sein kann, zeigt ja alleine der Vergleich zwischen den beiden Unternehmen TQ und SRI …

Ich bin davon überzeugt, dass es ein reiner EMS-Dienstleister zukünftig immer schwerer haben wird. Die Kunde möchten ganzheitliche Lösungen. TQ hat als E²MS Dienstleister, hier die Betonung auf das Quadrat für Engineering - und darauf sind wir sehr stolz -von Anfang an diesen Markttrend erkannt und bietet dem Kunden einfach mehr als das Thema Bestückung. Unser Anspruch ist es, dem Kunden das Rundumwohlfühl-Paket zu bieten, alles aus einer Hand, von der Idee über Entwicklung zur Serie bis zur Ersatzteilversorgung, also das gesamte Produkt Life Cycle Management abzubilden. Mit diesem Ansatz sind wir bisher sehr erfolgreich.

Der deutsche Embedded-HW-Markt (Module, Systeme, etc.) scheint recht stabil – Woran liegt das?

Technologisch sind wir immer aktuell und haben dabei den Fokus auf »minimale Kosten mit optimalen Kundennutzen«, das sind harte und wichtige Faktoren. Daneben haben aber viele Firmen erkannt, und darüber freue ich mich besonders, dass neben den exzellenten Entwicklungsleistungen Hardware / Software, auch Faktoren wie Qualität, Kontinuität und Verlässlichkeit, etc., in der erfolgreichen Zusammenarbeit wieder zunehmend zählen. Die Kunden konzentrieren sich mehr und mehr auf ihre Kernkompetenzen, zu diesen zählt der Rechnerkern im Allgemeinen nicht, damit ist der Trend hin zu einer kostengünstigen Modullösung aktueller denn je.

Es gibt eine Vielzahl an mittelständischen Embedded Modulanbietern und Herstellern – wie kann man sich in diesem Umfeld überhaupt noch differenzieren?

Wir können uns differenzieren, weil wir unseren Kunden nicht nur ein Embedded Modul bieten, sondern weil wir unseren Kunden - wie bereits gesagt -ganzheitliche Lösungen bieten, des Weiteren zeichnen sich TQ-Module durch höchste Integrität, höchste industrielle Ansprüche und hohe Langzeitverfügbarkeit aus.

Ihre Ziele im Embedded Markt?
Wir haben weiter neue Technologien mit oben angesprochenen Schwerpunkten entwickelt und werden diese auf der „embedded world“ zeigen. Besuchen Sie uns dort und lassen Sie sich überraschen!

Wie sieht Ihr Ausblick für 2013 aus - bezogen auf die Auftragsfertigung und Embedded?
Für den E²MS Bereich geht es darum, die bestehenden Kundenbeziehungen weiter zu festigen, indem wir weitere Zusatznutzen für den Kunden aus allen Teilbereichen der TQ bieten. Und natürlich steht für uns die erfolgreiche Weiterführung der SRI auf dem Plan! Und für Embedded erwarten wir eine sehr erfolgreiches Jahr und erfolgreiche Messen mit einem Umsatzplus von ca. 20 %, weil wir in den letzten Jahren hier die Vorarbeit für erfolgreiche neue Kundendesigns geleistet haben. Im Bereich »E-Mobility werden wir - davon bin ich überzeugt - der »Hingucker« sein auf der »Eurobike« Messe in Friedrichshafen mit einem neuen Antriebssystem für E-Bikes.