500 Millionen Euro Umsatz bis 2021 TQ unterstreicht seinen Dienstleistungsfokus

Detlev Schneider, TQ

»Wir wollen mit unseren fünf Geschäftsbereichen bis  2021 weiterhin solide aus eigener Kraft wachsen und wären dann mit der aktuellen Wachstumsrate bei einem Umsatzziel von 500 Millionen Euro.«
Detlef Schneider, TQ: »Wir wollen mit unseren fünf Geschäftsbereichen bis 2021 weiterhin solide aus eigener Kraft wachsen und wären dann mit der aktuellen Wachstumsrate bei einem Umsatzziel von 500 Millionen Euro.«

TQ hat das Leistungsspektrum deutlich ausgeweitet: Die SRI-Übernahme, die Aktivitäten in der Antriebstechnik und der Einstieg ins x86-Geschäft sind nur einige Beispiele. Dazu Geschäftsführer Detlef Schneider und Geschäftsbereichsleiter Ulrich Ermel im Interview.

Markt&Technik: Nach zahlreichen Erweiterungen und Zukäufen von Standorten und Personalressourcen hat TQ zum 1. Juni 2014 seine Bereiche neu organisiert. Wie sieht die neue Struktur aus?
Detlef Schneider: Unser Hauptgeschäft ist und bleibt das E²MS Geschäft - also Electronics Engineering Manufacturing Services - mit Entwicklung an sechs Standorten und Produktion an allen Standorten außer Chemnitz und Leipzig. Die Kundennähe erreichen wir durch eine Kundencenterstruktur. In jedem Kundencenter gibt es bis zu drei Teams, jedes besteht aus einer kleinen kompetenten Mannschaft, um den Kunden in all seinen Belangen persönlich zu betreuen. Unter unserem E²MS-Geschäft sind vier weitere Geschäftsbereiche entstanden und am entstehen: »Embedded« unter der Leitung von Ulrich Ermel, »Building Automation« leitet Bernd Scheuffele, »Medical« steht unter der Leitung von Theresa Stary, und Reinhard Rasch führt den Geschäftsbereich »Drives«. 

So können wir schön aufzeigen, dass jeder Bereich mit qualifizierten, fertigen Modulen in unserem Baukastensystem seinen Beitrag leistet und wir damit unseren Kunden einen weiteren Zusatznutzen bieten, um somit schneller und kostengünstiger auf den Markt zu kommen. Der Kunde kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und muss sich nicht mit Abkündigungen, Qualifizierungen, Zulassungen und Dokumentationen beschäftigen. 

Sie sprechen von allen Standorten – gilt die neue Struktur auch für Shanghai?
Detlef Schneider: Unsere Niederlassung in Shanghai steht insgesamt aufgrund der räumlichen Entfernung etwas außerhalb der sonstigen TQ-Struktur, aber auch hier wird das System Kundencenter gelebt und in der Gesamtverantwortung von Herrn Bernd Lachmayer geführt.      

Sie haben eingangs betont, Dienstleistung sei weiterhin die Ausrichtung. Insofern ist es ja immer etwas kritisch, wenn ein Dienstleister wie TQ auch eigene »Zwischen-Produkte« herstellt. Oder?
Ulrich Ermel: Es ist selbstverständlich nicht unsere Absicht, unseren Kunden Konkurrenz zu machen, sondern wir haben einen Baukasten geschaffen, damit die Kunden möglichst schnell zu einem Komplettgerät kommen, also ihre Time-to-Market beschleunigen können. Unsere Geschäftsbereiche steuern sozusagen Teile zu diesem Baukasten bei, wie etwa Embedded-Module oder spezielle Leichtbaumotoren, wie wir sie im Geschäftsfeld »Drives« entwickeln und produzieren. Die Bausteine, die der Kunde von uns beziehen kann, sind fix und fertig zugelassen und zielen auf die Bedürfnisse unserer Kunden und nicht auf die deren Endkunden.

Also ist TQ doch Hersteller?
Detlef Schneider: Ja, in dieser Hinsicht sind wir Hersteller allerdings nicht von Endgeräten, sondern wie gesagt von kleinen smarten Modulen, die unseren Kunden helfen, ihre Geräte schneller und kostengünstiger zu entwickeln und zu produzieren. Wir verstehen uns als der Entwicklungsdienstleister, der auch Fertigungs-Expertise bieten kann. Denn das viel zitierte Design-for-Exellence kann ein Entwicklungsdienstleister nur realisieren, wenn er auch weiß, worauf es bei der Fertigung ankommt. Die Kunden, die unterstützt werden möchten, brauchen eine faire und transparente Dienstleistung, die dann auch produzierbar ist. 

Nach meinen Erfahrungen und Feedback aus der Branche wird aber das Thema Fertigung im klassischen Ingenieursstudium so gut wie nicht gelehrt. Wie schulen Sie Ihre Entwickler in dieser Hinsicht?
Detlef Schneider: Bei uns durchläuft jeder neue Mitarbeiter in der Entwicklung einen Einarbeitungsplan. Das heißt der Entwickler lernt alle Stationen im Produktionsprozess kennen. Diese Einarbeitung dauert bis zu drei Monate. Zielsetzung dabei ist neben den Entwicklungskenntnissen auch die wichtigen Dinge praktisch zu erkennen: Was bedeutet » Design for Manufacturing«, »Design for Testability« und »Design for Service«? Alle Entwickler sind auch nach vielen Jahren von dieser Möglichkeit noch begeistert, weil es eben diese praktische Ausbildung im Studium nicht gibt und meist zu kurz kommt und doch so wichtig ist. Natürlich hat dann auch jeder Entwickler durch die direkte Fertigungsnähe die Möglichkeit, seine Entwicklung in der Prototypenphase und in der Serienüberleitung live zu begleiten und dabei dann auch Schwachstellen gleich zu erkennen und abzustellen. 

Wir legen insgesamt sehr großen Wert auf die hauseigene Aus- und Weiterbildung. Wir haben derzeit über 80 Auszubildende! Und gerne rekrutieren wir auch unser Führungspersonal aus den eigenen Reihen. Herr Ermel beispielsweise hat bei uns schon seine Diplomarbeit geschrieben. Er arbeitet inzwischen seit sieben Jahren bei TQ, mittlerweile schon als Bereichsleiter - da muss ich jetzt langsam aufpassen!  

Immer wieder wird ja in der Branche auch darüber diskutiert, inwieweit der Einkauf eine fachspezifische Ausbildung in Richtung Elektronik benötigt. Wie sieht das bei TQ aus?
Ulrich Ermel: Bei uns gibt es nicht nur Facheinkäufer, die ebenfalls aus unserer eigenen »Kaderschmiede« kommen und sich in ihrem Gebiet sehr gut auskennen – ein Facheinkäufer ist zum Beispiel für den Bereich Leiterplatten zuständig –, sondern wir unterteilen zudem in strategischen und operativen Einkauf. Beide ergänzen sich durch theoretisches Wissen und Erfahrung – unserer Ansicht nach eine sehr gute Kombination. Unser Einkaufsleiter Herr Wilhelm Kerner hat hier transparente und klare Strukturen geschaffen, die uns auch in Zeiten der »internationalen Supply-Chain« besondere Wett­bewerbsvorteile bringen. Internationale Einkaufskonditionen und hochautomatisierte Fertigungsmöglichkeiten machen Deutschland zu einem extrem wettbewerbsfähigen Standort in Europa und in der ganzen Welt. Industrie 4.0 ist hier längst in den meisten Disziplinen Realität und klarer Wettbewerbsvorteil. 

Vor einem Jahr haben Sie SRI übernommen. Wie weit ist die Integration inzwischen, und welche personellen Veränderungen gab es dort?
Detlef Schneider: Die TQ Systems Durach GmbH ist voll in die TQ Group integriert. Die Geschäftsführung der TQ Systems Durach GmbH hat seit 01.08.2014 zusätzlich Herr Karl Zinsler übernommen, vormals verantwortlich bei der Firma Steca.

Sie sagten in unserem Interview zur SRI-Übernahme, TQ wolle mit dem Standort seine Aktivitäten im Automotive-Markt ausbauen. Wie weit sind die Pläne umgesetzt?
Detlef Schneider: Unsere Aktivitäten im Automotive-Markt sind weiterhin sehr intensiv und decken sich mit unseren Intentionen, den Automatisierungsgrad in der Produktion weiter konsequent auszubauen. Wir führen viele sehr interessante Gespräche, zu denen ich leider aus Rücksicht auf die komplette Supply-Chain hier keine Stellung beziehen kann. Wir sehen jedoch viele interessante Möglichkeiten, gemeinsam mit unseren Kunden deren internationale Wettbewerbsvorteile weiter auszubauen.