Geräteverschleiß Stiftung Warentest sieht keine Beweise für geplante Obsoleszenz

Hersteller planen die Lebensdauer von Produkten, bauen aber keine gezielten Schwachstellen in ihre Geräte ein. Zu diesem Ergebnis kommt die Stifung Warentest nach der Auswertung ihrer Lebensdauertests der letzten 10 Jahre.

Elektro- und Elektronikgeräte, die vorzeitig kaputt gehen, dieses Thema erregt seit einiger Zeit die Gemüter. Angefacht wurde das Thema zusätzlich durch das Portal »Murks, nein Danke!« von Stefan Schridde, auf dem wütende Verbraucher ihrem Unmut über den frühen Ausfall ihrer Elektronikgeräte Luft machen. Auch ein Murks-Barometer bietet Schridde auf seiner Seite an, anhand dessen jeder Verbraucher gleich sehen kann, welcher Hersteller mit einer schlechten Statistik glänzt. Oft ist in diesem Zusammenhang die Rede davon, dass Hersteller ganz bewusst Sollbruchstellen in ihre Geräte einbauen, um so eine geplante Obsoleszenz herbeizuführen. Diese These stellt auch das Unternehmen HTV auf, etabliertes Testhaus in der Elektronikbranche, und hat im Zuge dessen ein Prüfsiegel wider die geplante Obsoleszenz ins Leben gerufen. Einige Hersteller lassen nach Aussage von Edbill Grote, CEO von HTV, auch bereits ihre Geräte auf Herz und Nieren prüfen, um die Plakette zu erhalten. Der erste Hersteller, der das Siegel gegen geplante Obsoleszenz für seine Satelliten-Receiver erhalten hat, war Technisat.

Eine andere Sicht der Dinge

Dass es viel Murks gibt unter den Elektro- und Elektronikgeräten, dem stimmt zwar auch die Stiftung Warentest zu. Nach Ansicht des Prüfinstituts bauen Hersteller aber keine gezielten Schwachstellen in ihre Geräte ein, damit sie vorzeitig kaputt gehen. Sie planen aber dennoch eine Lebensdauer für ihre Produkte. Dabei gilt häufig die Regel: Je teurer desto langlebiger. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, nachdem sie ihre Lebensdauerprüfungen der letzten zehn Jahre ausgewertet hat.

Der Verdacht, dass gezielt ein frühzeitiger Verschleiß von Produkten herbeigeführt wird – die geplante Obsoleszenz – lässt sich laut Stifung Warentest allerdings nicht belegen. Insbesondere Haushaltsgeräte gehen heute nicht schneller und nicht häufiger kaputt als früher. Dennoch gibt es Tricks, mit denen die Hersteller ihren Umsatz ankurbeln. Dazu gehören hohe Reparaturkosten, fest eingebaute Akkus, fehlende Ersatzteile, Drucker, die fälschlich leere Patronen anzeigen oder Produkte, die sich nicht reparieren lassen.

Bei ihren Geräten planen die Hersteller schon bei der Produktion, wie lange es halten soll. Der Kunde erfährt davon allerdings nichts. Im Allgemeinen gilt: Billige Geräte sind oft schneller Schrott als teure. Bei Waschmaschinen unter 550 Euro, Akkubohrern unter 50 Euro oder Staubsaugern unter 80 Euro ist die Gefahr groß, dass die Freude am neuen Gerät nicht lange währt. Eine Garantie ist der Preis allerding nicht. Die Tester listen auch kostspielige Reinfälle auf, wie eine Espressomaschine für 985 Euro oder eine Küchenmaschine für 340 Euro.

Häufig ist es so: Je robuster ein Gerät sein soll, desto teurer wird es. Zugleich stehen Hersteller unter Kostendruck. »Das Ziel ist, ein Gerät so gut wie nötig zu bauen, nicht so gut wie möglich«, sagt Professor Albers, Leiter des IPEK Instituts für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie. »Sonst laufen die Kosten aus dem Ruder.« Schön wäre es, wenn Verbraucher erkennen könnten, welche Lebensdauer die Hersteller für ihre Produkte planen. Hier herrscht bislang völlige Intransparenz.

Reparaturen sind oft ein Problem

Ein weiteres Problem stellt sich, wenn Reparaturen nötig werden. Ist etwa die Haupt­platine des Computers defekt, kann es teuer werden. Mitunter scheinen Hersteller bei den Reparatur­kosten einfach unver­schämt zuzu­langen. Wenn das Gerät schon mehrere Jahre alt ist, sind die Reparatur­kosten oft so hoch, dass es am Service­tresen heißt: „Das lohnt nicht mehr.“ Oder, besonders ärgerlich: Das betreffende Gerät sei wegen fehlender Ersatz­teile angeblich nicht mehr zu retten. Kein Wunder, dass sich Verbraucher zunehmend wieder selbst helfen – in Reparatur­treffs oder mit Anleitungen aus dem Internet. (zü) n

 

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