Plagiatschutz mit Leuchtpigmenten So eindeutig wie ein Fingerabdruck

Unverwechselbar wie ein Fingerabdruck unterscheiden die Leuchtstoff-Marker von Tailorlux Originale von Plagiaten. Das unter dem Namen Tailor-Safe zum Patent angemeldete Kennezeichnungsverfahren ist langlebiger als Granit und hält Temperaturen bis zu 1700 Grad Celsius stand.

Die Keimzelle von Tailorlux liegt in der Fachhochschule Münster: Dort beschäftigte sich ein Team aus Wissenschaftlern mit »intelligenten« Materialien, die Licht spektral verschieben, fokussieren, absorbieren oder streuen können. Die Basis für die von Tailorlux entwickelten Materialien sind anorganische Leuchtstoffe, die auch als Lumineszenzpigmente bezeichnet werden. »Als immer mehr Firmenaufträge kamen, entschloss sich das Kern-Team vor gut vier Jahren, ihre Entwicklung komplett auf kommerzielle Beine zu stellen und ein eigenständiges Unternehmen zu gründen«, schildert Dr. Dominik Uhlich, einer der Firmengründer und Technischer Leiter bei Tailorlux.

Das Anwendungsspektrum solcher Leuchtstoffe erstreckt sich von der Herstellung neuartiger Leuchtmittel, über UV-Lampen zur Lackhärtung oder Wasserdesinfektion, bis hin zu Anwendungen in der Medizintechnik. Dass die Lumineszenzpigmente auch als Produktschutz fungieren können, war am Anfang noch nicht das Kernthema von Tailorlux, sondern ergab sich laut Uhlich erst »mit der Zeit« und aus Kundenanforderungen heraus. Mittlerweile hat Tailorlux für den Marken- bzw. Produkt- und Plagiatschutz unter dem Namen Tailor-Safe ein eigenes Kennzeichnungssystem entwickelt und zum Patent angemeldet. Zwar gab es nach den Worten von Uhlich zahlreiche Materialpatente für Leuchtstoffe als Produktkennzeichnung, aber kein Patent für ein Verfahren zur Produktkennzeichnung mit anorganischen Leuchtstoffen.

Wie funktioniert das System nun genau? Die Idee hinter Tailor-Safe ist im Grunde einfach: In das zu schützende Produkt werden Lumineszenzpigmente aus Seltenen-Erden Elementen integriert oder mittels Farbe, Lack oder Tinte aufgetragen. Mit bloßem Auge ist die Markierung auf dem Produkt nicht sichtbar. Nach den Worten von Uhlich gibt es mehr als 300 Milliarden Kombinationsmöglichkeiten für einen Leucht-Marker: »Das heißt, jedes Batch ist ähnlich wie ein Fingerabdruck einzigartig«, stellt Uhlich fest. »Ist der Marker einmal produziert, können auch wir ihn nicht kopieren«. Aufgrund der Einzigartigkeit hat sich der Produktschutz inzwischen zu einem potenzialträchtigen Standbein für das junge Unternehmen entwickelt. So ist es Tailorlux in diesem Jahr gelungen, die ersten international bekannten deutschen Markenhersteller als Kunden zu gewinnen. Die meisten Kundennamen darf Tailorlux aber nicht nennen. Namentliche Referenzen sind zum Beispiel die European Pallet Association EPAL, die für die internationale Gütesicherung für EUR-Paletten zuständig ist, der Medizintechnikhersteller Dr. JOHNKI, die Werkzeugfabrik JOKARI-KRAMPE und der Druckfarbenhersteller PRINTCOLOR.

Dennoch sieht Uhlich für sich und seine Kollegen noch viel Aufklärungsarbeit in der Industrie: »Das Potenzial ist zwar theoretisch gigantisch, aber der praktische Markt ist noch klein und wir müssen ihn erst entwickeln, weil viele betroffenen Firmen eben noch nicht wissen, welche technischen Möglichkeiten es gibt, um ihr Produkt einfach und gerätelesbar zu kennzeichnen und damit zu schützen.«

Hellhörig macht allerdings das Stichwort »Seltene Erden«, die für die Leuchtstoff-Marker erforderlich sind. Über Preis und Verfügbarkeit wurde in den letzten zwei Jahren bekanntlich viel diskutiert und spekuliert, weil China seine Vorkommen für den Export 2011 stark gedrosselt hat. Diese Tatsache sieht Uhlich aber nicht als Bremse für die Tailorlux-Technologie und wiegelt ab: »Die Preise haben sich inzwischen wieder stabilisiert. Außerdem gibt es mittlerweile neben China mehr und mehr auch andere Förderländer, weil große Konzerne zusammen mit der Politik entsprechende Lobbyarbeit betrieben haben. Hinzu kommt, dass wir nur sehr kleine Mengen an Seltenen Erden benötigen.«