Projekt "Simple Skin" Smartes T-Shirt warnt vor Stress

Eingebettete Intelligenz erobert den Textilmarkt. Das von der Europäischen Union geförderte Forschungsprojekt "Simple Skin" erforscht grundlegend neue Ansätze für die Produktion von smarten Textilien und Funktionsbekleidung.

Die Grundidee ist dabei, die Herstellung der Sensorinfrastruktur im Textil vom konkreten intelligenten Kleidungsstück und der Applikation von der es genutzt wird, zu entkoppeln. Beispielsweise ein T-Shirt aus speziellen, mit integrierten Sensoren gewebten Stoffen, das die Vitalfunktionen seines Trägers ständig erfasst und an ein Smartphone überträgt. Die Parameter könnten von einer App ausgewertet und verabeitet werden, etwa um vor Überanstrengung, zu großer Stressbelastung oder falscher Sitzhaltung zu warnen.

Wie SimpleSkin genau funktionieren soll, das erklärt  Prof. Paul Lukowicz, Leiter des Forschungsbereichs Eingebettete Intelligenz am DFKI und Konsortialführer von Simple Skin folgendermaßen: »Wir wollen wir generische intelligente Stoffe produzieren, die von einer Fülle von Programmen verwendet werden können und somit die Kostenvorteile großvolumiger Produktion ermöglichen. Aus diesen Stoffen können dann Kleidungsstücke hergestellt werden, die in hinsichtlich Produktion, Eigenschaften, Aussehen und Preis nicht mehr von heutiger Standard-Kleidung zu unterschieden sind. « Die konkrete Funktionalität der Sensoren wollen die Forscher durch eine unabhängige, vom Textil und Kleidungsstück hergestellte Steuerelektronik in Zusammenarbeit mit einer anwendungsspezifischen Software auf einem Mobilgerät realisieren. Auf lange Sicht könnte sich diese funktionale Kleidung als Standard etablieren, davon sind jedenfalls die Forscher überzeugt - vergleichbar mit sensorfähigen Mobiltelefonen, die heute bereits zur Alltagskultur gehören. Dadurch würde es möglich, das von Smartphones bekannte »App«-Konzept auf Kleidungsstücke zu erweitern und so eine Fülle neuer Anwendungen zu schaffen. Bislang führen intelligente Textilien noch ein Nischendasein. Wenn es die Forscher allerdings schaffen, Massenproduktionstaugliche Prozesse umzusetzen, könnte ein wichtiger neuer Wirtschaftszweig entstehen.

Das Verbundprojekt startete am 1. Juli 2013 und wird vom Forschungsbereich Eingebettete Intelligenz am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) koordiniert. Weitere Partner im Projekt sind die Universität Stuttgart, die Deutschen Institute für Textil und Faserforschung (DITF), die TU Eindhoven (Niederlande), die ETH Zürich (Schweiz), und die Sefar AG (Schweiz). Aus 210 Einreichungen wird SimpleSkin als eines von insgesamt acht ausgewählten Projekten von der Europäischen Union gefördert.