Abkündigungen forcieren Plagiate »Seien Sie stolz, dass wir Ihr Bauteil fälschen«

Runde stehend draußen
Auch die Erfahrungen in punkto Bauteilefälschungen waren Thema auf dem 3. Markt&Technik Round Table Obsolescence Management.

Sind Bauteile nicht mehr erhältlich oder gibt es für bestimmte Produktgruppen Versorgungsengpässe, schlägt die Stunde der Bauteile-Fälscher. Im chinesischen Shenzen gehen Fälschungen aller Art sogar ganz offiziell über den Ladentisch.

Das berichten die Teilnehmer des Markt&Technik Round Tables »Obsolescence Management«, zu dem sich COG-Mitglieder und weitere Industrievertreter trafen. 

Oft werden unautorisierte Distributoren ohne feste Hersteller-Franchiseverträge dafür verantwortlich gemacht, dass Fälschungen in die Lieferkette kommen. So einfach ist die Welt nach Meinung von Hardy Zeiss, geschäftsführender Gesellschafter von Pegasus Components, allerdings nicht: »Auch Kunden und Hersteller machen Fehler. Der qualifizierte Beschaffer, zu denen wir uns zählen, ist genauso betroffen in der Kette, weil der Aufwand enorm gestiegen ist. Und das Problem wird sich auch nicht so einfach lösen.« Zeiss ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Bauteilefälschung“ der  der COG und hat gemeinsam mit Kollegen einen Leitfaden zum Thema erarbeitet. Der Leitfaden umfasst die drei Themenblöcke und ist zum Beispiel für interne Schulungen gut geeignet, um Firmen die Möglichkeiten geben, die zahlreichen Aspekte der Fälschungen zu beleuchten. »Wir haben versucht, das Thema zu systematisieren und übersichtlich zusammenzufassen, um das Bewusstsein für die Problematik in den Unternehmen zu schärfen«, so Zeiss.

Auch wenn das Problem der Bauteilefälschungen nicht neu ist, ist ein größeres Bewusstsein für das Problem der Fälschungen immer noch vonnöten, denn auch für versierte Experten ist es nach wie vor eine Kunst, Fälschungen zweifelsfrei zu erkennen: »Wenn man nicht elektrisch und nicht jedes Mal unter dem Röntgeninspektionsgerät testet, sondern nur optisch prüft, dann ist es sehr schwierig, kleine Unterschiede zu erkennen«, weiß Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik. Und selbst kleine Unterschiede sind noch nicht unbedingt ein Beweis für eine Fälschung: »Wenn das Logo eines Herstellers auf zwei verschiedenen Komponenten anders aussieht, kann es auch sein, dass sie jeweils aus einer andere Fabrik kommen. Das muss nicht bedeuten, dass eine von beiden gefälscht wurde.«

Erschwert wird das Aufspüren von Fälschungen laut Weber auch dadurch, dass oft nur einzelne Bauteile im Blistergurt gefälscht sind. Die Spielwiese geht aber noch weiter bis hin zu falschen Blistergurten, abenteuerlichen Etiketten und Date Codes, leeren Gehäusen oder – und hier wird es besonders delikat - manipulierten Spezifikationen und  Leistungsparametern. Weber: »Defekte Bauteile sind ärgerlich, aber der Schaden hält sich noch in Grenzen. Aber wenn das Bauteil zum Beispiel einen erweiterten Temperaturbereich haben soll, den die Fälschung de facto nicht hat, ist das unter Umständen gefährlich, wenn das Bauteil erst im Feldeinsatz – etwa im Auto - nach einigen Monaten ausfällt.«

In solchen Fällen sind Schadensersatzansprüche nicht trivial zu lösen, klärt Dr. Malte Welters, Rechtsanswalt von Wegener & Partner auf: Man muss unterscheiden zwischen dem Bauteil an sich und dem Schaden, der eintritt, wenn ich das Bauteil irgendwo einbaue und z.B. eine Rückrufaktion auslöse. Den weitergehenden Schaden bekomme man nur geregelt, wenn man eine Anspruchsgrundlage findet, die meist einen Vorsatz erfordere. Auch spiele die zweiährige Gewährleistungsfrist eine Rolle.