Harting AG Mitronics rechnet mit rapide steigenden Stückzahlen Schwappt die MID-Euphorie auch nach Europa?

Dirk Duhm, Harting AG Mitronics: »Wir rechnen mit rapide steigenden Stückzahlen.«

Als Komplettanbieter für die gesamte MID-Prozesskette – beginnend beim Design bis hin zur Aufbau- und Verbindungstechnik – tritt die Harting AG Mitronics auf. »Wir rechnen mit rapide steigenden Stückzahlen«, sagt Dirk Duhm, Projektmanager Product-Development.

Markt&Technik: In Asien hat die MID-Technologie den Durchbruch in die Großserienproduktion geschafft. Die Nachfrage nach MID-Teilen ist dort jedoch stark mit dem Mobiltelefongeschäft verknüpft, während die Fertigung von Handys in Europa kaum noch eine Rolle spielt. Sehen Sie trotzdem eine Dynamik am heimischen Markt?

Dirk Duhm, Harting AG Mitronics: Der europäische Markt ist natürlich anderer als der asiatische. Dennoch nehmen die konkreten Anfragen seit rund eineinhalb Jahren – vom Zeitraum her ähnlich wie der Boom in Asien – deutlich zu. Die Referenzprojekte, welche die Industrie in jüngster Vergangenheit vorweisen konnte, haben viele Entwickler und Konstrukteure endgültig überzeugt. Es verhält sich wie bei der Einführung aller neuen Technologien: Es benötigt eine gewisse Zeit, bis sie der Markt akzeptiert und annimmt, erst danach gehen die Stückzahlen signifikant nach oben.

Woher kommen die meisten Interessenten, aus dem Segment der Medizinelektronik?

Nicht nur, das Interesse an der MID-Technologie ist heute viel breiter gestreut. Neben der Medizinelektronik spielen beispielsweise auch die Sicherheitstechnik und die Automobilelektronik eine große Rolle. Im Prinzip kann man sagen, dass eine Vielzahl an Branchen von der MID-Technologie profitieren kann.

Was ist der Grund für den Durchbruch? Aus rein technischer Sicht hat sich in den vergangenen Jahren nichts Grundlegendes geändert, oder?

Geändert hat sich vor allem vieles auf der finanziellen Seite. Heute lassen sich die MID-Teile viel preiswerter herstellen als noch in den letzten Jahren. Der Branche ist es gelungen, den Teiledurchsatz mit beispielsweise neuen Metallisierungsanlagen deutlich zu steigern. Auch das High-End-Lasersystem Fusion 3D, das LPKF entwickelt hat, spielt eine wichtige Rolle. Die großen Fortschritte sehe ich also vor allem in der Fertigung und im kompletten Automatisierungsprozess - von effektiveren Metallisierungsanlagen bis hin zu optimierten Inline-Bestückungssystemen.

Wie unterscheidet sich die Harting AG Mitronics in punkto MID von den Wettbewerbern am Markt?

Wir sind das einzige Unternehmen, das sämtliche Prozessschritte aus einer Hand anbieten kann, vom Spritzguss, über das Strukturieren und Metallisieren, Aufbau- und Verbindungstechnik, bis hin zum Endtest. Unser Wettbewerbsvorteil ist also, dass wir alle Kompetenzen unter einem Dach bündeln. Die MID-Projekte können wir – abhängig von den jeweiligen Anforderungen – im Zweikomponenten-Spritzgussverfahren oder mittels LPKF-LDS-Verfahren realisieren…

…sind diese Herstellungsprozesse im Wesentlichen die zwei Verfahren, die sich auch langfristig durchsetzen werden?

Es sind die zwei Fertigungsverfahren, die sich am Markt bereits etabliert haben und heute Stand der Technik sind. Ob Zweikomponenten-Spritzguss oder Laser-Direkt-Strukturierung hängt wiederum von den Stückzahlen ab.  Je größer die Stückzahl, desto mehr geht es in Richtung 2K-Spritzguss.

Wie wird sich das MID-Geschäft aus Ihrer  Sicht weiterentwickeln?

Wir rechnen mit rapide steigenden Stückzahlen auch in Europa. Deswegen investieren wir momentan in eine größere Metallisierungsanlage, die wir natürlich entsprechend auslasten wollen. Unsere Erwartungen sind im Allgemeinen sehr hoch.