Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft Roland Berger analysiert Folgen der Russland-Sanktionen

Wie eine Roland Berger-Umfrage im Rahmen des "Leaders' Parliament" ergab, erwarten gut 70 Prozent der befragten deutschen Manager für 2014 einen spürbare realwirtschaftlichen Effekt der Sanktionen.

Die von der Europäischen Union gegen Russland verhängten Sanktionen treffen auch die deutsche Wirtschaft. Dies ergab eine Roland Berger-Umfrage. Die Analysten haben einen kostenlosen Handlungsleitfaden zusammengestellt.

Sie rechnen mit einer längeren Dauer der Krise und einem Wachstumsrückgang um bis zu einem halben Prozentpunkt. Gut 16 Prozent der Befragten erwartet sogar einen noch höheren Einbruch. In ihrem neuesten Konjunkturszenario revidieren die Experten von Roland Berger Strategy Consultants deshalb ihre bisherige Prognose von 2,0 Prozent Wirtschaftswachstum leicht nach unten. Für das Gesamtjahr 2014 erwarten sie nun ein Wachstum von 1,7 Prozent.

Im Vergleich zu anderen Prognosen, die von einem stärkeren Rückgang ausgehen, bleibt das Roland Berger-Konjunkturszenario dennoch optimistisch: "Ohne die Verschärfung der Wirtschaftssanktionen hätten wir unsere Prognose überhaupt nicht revidiert", sagt Prof. Dr. Burkhard Schwenker, denn: "Mit ihrer industriellen Kompetenz und Stärke konnte sich die deutsche Wirtschaft gut gegen ungünstige Entwicklungen etwa in Japan oder Brasilien behaupten. Allerdings bringt die aktuelle geopolitische Lage eben zusätzliche Unwägbarkeiten." Das schlägt sich auch in der Entwicklung des Roland Berger Uncertainty Indicators nieder: Seit dem letzten Konjunkturszenario vom Frühjahr 2014 ist er von 2,0 auf 3,0 angestiegen und liegt damit jetzt im Bereich der "mittleren Unsicherheit".

Analyse der Folgen von Sanktionen nach Branche

Die Roland Berger-Experten haben die möglichen Folgen von Sanktionen auf unterschiedliche Branchen analysiert. Dabei berücksichtigten sie zum einen, wie bedeutsam das Russlandgeschäft für eine Branche ist: Hier sind besonders die deutsche Automobilbranche, der Maschinen- und Anlagenbau sowie der Energiesektor betroffen. Zum anderen floss in die Analyse ein, auf welche Weise Sanktionen wirken können: direkt, indirekt oder perspektivisch. Hier sind negative kurzfristige Auswirkungen vor allem für die Lebensmittelbranche, die Automobilbranche, den Maschinen- und Anlagenbau sowie Telekom und IT zu erwarten. Fazit der Analyse: Auch wenn Russland für manche Branchen wichtig und für manche weniger wichtig ist: Die Sanktionen könnten alle zu spüren bekommen: "Letztendlich ist zu befürchten, dass eine weitere Eskalation deutlich mehr Branchen trifft als die bisher sanktionierten – direkt oder indirekt wahrscheinlich sogar alle Branchen", sagt Schwenker.

Deshalb haben die Autoren des Konjunkturszenarios Handlungsempfehlungen für Unternehmen entworfen. Grundlage dafür sind drei Szenarien: Ein Positiv-Szenario geht von einem schnellen Ende des Konflikts und der Sanktionen bis spätestens zum Jahresende aus. Ein mittleres Szenario rechnet mit rund zwei Jahren Dauer des Konflikts und bis 2016 laufende Sanktionen. Das dritte Szenario beschreibt den Worst Case mit dauerhafter Ost-West-Blockbildung und einer fortschreitenden Eskalation der Sanktionen.

Als ersten von fünf Schritten empfehlen die Roland Berger-Experten den Unternehmen, sich mit diesen Szenarien zu befassen und zu entscheiden, an welchem sich die Unternehmensstrategie orientieren soll. "Das ist eine individuelle Entscheidung und hängt von der unternehmensspezifischen Situation und der jeweiligen Risikoneigung ab", sagt Schwenker. "Die meisten der von uns befragten Führungskräfte halten das Mittelfrist-Szenario für am wahrscheinlichsten." 

Die nächsten drei Schritte – Analyse des eigenen Russland-Engagements, Analyse der potenziellen Auswirkungen von Sanktionen, Bestimmung der eigenen Risikoposition – gehören eng zusammen und sollen unter anderem folgende Fragen beantworten: Wie bedroht ist mein Geschäft? Wie schnell muss ich reagieren? Was bedeutet ein Wechsel von Szenario x zu Szenario y für mich? Damit legen sie die Basis für den fünften Schritt: Mit dem gewonnenen Wissen über die eigene Anfälligkeit und Verwundbarkeit können individuelle Handlungsmöglichkeiten entworfen und unternehmensspezifisch konkretisiert werden. Dabei sind die Optionen vielfältig, ihre Bandbreite reicht von "Ruhe bewahren" über "Überwintern" bis hin zu "Reißleine ziehen". Schwenker: "Wichtig ist, jetzt nicht den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten, sondern sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen."

Den Handlungsleitfaden und das Konjunkturszenario gibt es hier zum Download.