Rohstoffgipfel in München Rohstoffversorgung wird zur »Chefsache«

Die Preistreiberei bei den Erzmetallen und Seltenen Erden und monatliche zunehmende Exportbeschränkungen der Erzeugerländer machen die Rohstoffversorgung zum eklatanten Problem für die deutsche High-Tech-Industrie.Inzwischen ist das Thema »Chefsache«: BMW zum Beispiel übernimmt mittlerweile zumindest teilweise für seine Zulieferer den Rohstoff-Einkauf und stellt das Material bei, um die Produktion der Zulieferer sicherzustellen.

Denn ein Großkonzern wie BMW kann natürlich mit einer deutlich stärkeren Marktmacht aufwarten, als ein einzelner Automobilzulieferer. Siemens geht sogar noch einen Schritt weiter und wird selber zum Rohstoffproduzenten, um die Versorgung mit den Seltenen Erden sicherzustellen: Der Konzern hat vor kurzem im Rahmen eines Joint Ventures mit Lynas in eine australische Mine investiert, in der künftig vor allem die begehrten Seltenen-Erden-Metalle gefördert werden sollen. Mittelständische und kleinere Unternehmen haben es freilich hier weitaus schwerer. Sie können nicht durch wie BMW oder Siemens durch eine große Marktmacht punkten. Die Preise für Kupfer, Eisenerz und Zinn um ein Vielfaches gestiegen, auch der Preis für das begehrte Seltene-Erden-Metall Neodym ist allein im Zeitraum von März bis Juli um 80 Prozent in die Höhe geschnellt »und die Liste der Exportbeschränkungen wird von Monat zu Monat länger«, erklärt Dr. Hubertus Bardt, stellvertretender Leiter Wissenschaftsbereich Wirtschaftspolitik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, auf dem Münchener Rohstoffgipfel.

Zwar will China nach einer Rüge der WTO seine Exportquote für die Seltenen Erden erhöhen, aber das grundsätzliche Risiko und die Abhängigkeit der deutschen High-Tech-Industrie von den Erzeugerländern reduziert das zumindest kurzfristig noch lange nicht. »Denn«, so Betram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbw, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, »die Importquote für Metallrohstoffe beträgt hier nahezu 100 Prozent«. Dass damit für die Unternehmen ein hohes Versorgungsrisiko einhergeht, liegt auf der Hand. Bekannt ist diese Abhängigkeit natürlich schon seit Jahrzehnten, aber mit dem Fortschritt der Elektronik und jetzt insbesondere mit dem Start der Elektromobilität und den Anwendungen für die Umsetzung der erneuerbaren Energien wird der Bedarf an Rohstoffen noch einmal um ein Vielfaches steigen. Kurzfristig geht es für die High-Tech-Industrie also erst einmal um Schadensbegrenzung, bevor die langfristige Strategien des Risikomanagements greifen können. »Wir haben das Thema Rohstoffversorgung in der Konzernstratregie verankert«, betont Felix Zimmermann, Corporate Strategy & Planning, BMW Group in seinem Vortrag auf dem Rohstoffgipfel. So hat BMW im Zuge dessen den Rohstoffeinkauf aus dem Facheinkauf herausgenommen und eine Querschnittsfunktion geschaffen, um den Bedarf besser bündeln zu können und damit das Risiko zu reduzieren.