Auftragsboom und Rekordumsätze Renaissance der europäischen Leiterplattenindustrie

Leiterplatten räumlich auf Schaltungsträger zu plazieren ist häufig sehr aufwändig.

Zahlen des ZVEI-Fachverbands »PCB and Electronic Systems« attestieren der Leiterplattenhersteller aus D/A/CH die höchste Auftragssteigerung seit 15 Jahren. Der Boom lässt auch kleinere Produzenten profitieren.

In den letzten 15 Jahren sank die Zahl der Leiterplatten-Produzenten in Europa von 561 auf 228. Weil in Deutschland von jeher die größte Anzahl an PCB-Produzenten ansässig war, traf die Konsolidierung die D/A/CH-Region am stärksten. Immenser Preisdruck aus asiatischen Produktionen führten zum „Survival-of-the Fittest“, dem nicht nur kleine Hersteller zum Opfer fielen.
Insofern ist die aktuelle Entwicklung eine bemerkenswerte Zäsur in der Historie einer gebeutelten Branche. Als eine Ursache für den Boom macht der ZVEI Lieferengpässe bei Kupferfolien aus – und in Folge davon von Laminaten. Das habe besonders Unternehmen der Automobilindustrie dazu bewogen, Aufträge, die an asiatische Firmen verloren gegangen waren, kurzfristig an Unternehmen in Zentraleuropa zu verlagern.

Diese Entwicklung bestätigt Christoph Jarisch, Geschäftsführer des österreichischen Leiterplatten-Produzenten Häusermann: »Die Versorgungssituation mit Kupferfolie und Basismaterial ist derzeit ist daher disponieren die Kunden besonders vorausschauend. Wir spüren die Verknappung zwar auch, aber unsere Versorgung ist gesichert.« Das Jahr 2017 begann für Häusermann mit dem besten Quartal der 110-jährigen Firmengeschichte. »Mit Ende des ersten Quartals liegen wir rund 16% über dem Vorjahr. Umsatz und Auftragsstand sind aktuell weiter sehr gut. Wir verbuchen momentan den höchsten Auftragsstand aller Zeiten«, so Jarisch.

Erfolg schützt aber nicht vor Übernahme. Seit wenigen Tagen ist bekannt, dass Häusermann von KSG Leiterplatten, einem der größten europäischen Leiterplattenproduzenten übernommen wurde. Begründet liege diese Übernahme nach Informationen, die Markt&Technik vorliegen, in einer Entscheidung der Eigentümer. Ob diese gerade wegen des großen Erfolges so getroffen wurde? Jedenfalls sollen beide Gesellschaften nach Auskunft von KSG-Geschäftsführerin Margret Gleiniger getrennt weitergeführt werden.      

Superlative kennzeichnen auch die Entwicklung von Fela: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erzielte der Hersteller aus Baden-Württemberg sowohl den höchsten Auftragseingang als auch Umsatz der Unternehmensgeschichte. Fela konnte seine Zahlen im Vergleich zum Vorjahr im zweistelligen Bereich steigern. Besonders im Bereich der klassischen Leiterplatte wurde ein überdurchschnittlicher Zuwachs realisiert. »Der Leiterplattenmarkt stellt, insbesondere am Standort Deutschland, eine Herausforderung dar. Angesichts der aktuellen Entwicklungen gehen wir allerdings davon aus, dass sich die Umsatzsteigerung dank der vergangenen und geplanten Investitionen, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, fortsetzen wird«, erklärt Norbert Krütt, Geschäftsführer von Fela die aktuellen Zahlen.

Von einem »sehr positiven Geschäftsverlauf« spricht Daniel Klein, Geschäftsführer von Würth Elektronik, einem der größten Leiterplatten-Produzenten Europas: »Die deutsche Industrie insgesamt bietet aktuell ein stabiles und erfolgreiches Umfeld, aus dem viele Impulse kommen.« Als Erfolgsfaktoren sieht Würth Elektronik seine gewachsene Kundenstruktur, den regen Vertrieb und den Werksverbund aus deutschen Standorten und asiatischen Partnern. Die Verknappung von Kupferleitfolie und einen damit verbundenen Trend hin zu Rückverlagerungen insbesondere aus der Automotive-Industrie kann Würth Elektronik so nicht bestätigen. Allerdings liege das wohl auch am Fokus auf die Industrieelektronik.

Nach nur leichten Zuwächsen 2016 schaffte auch die Schweizer Gruppe einen sehr guten Start ins neue Geschäftsjahr. Im ersten Quartal 2017 hat das Unternehmen einen Umsatz von 32,4 Mio. Euro erwirtschaftet. Dies ist eine Steigerung von 14,9% zum Vorjahresquartal. Umsatzsteigerungen konnten bei allen Kundengruppen realisiert werden, wobei die Automobilkunden weiterhin am stärksten vertreten sind. Der Umsatz mit diesen Kunden stieg um 11% auf 23,1 Mio. Euro. Erfreulich für Schweizer zeigte sich auch die Entwicklung bei den Kunden aus dem Bereich Industrieelektronik. Hier stieg der Umsatz um 26,9% auf 6,7 Mio. Euro. In der regionalen Verteilung war die Umsatzsteigerung in Deutschland mit 12,5% auf 19,0 Mio. Euro etwas unterproportional, folglich stieg die Exportquote und erreichte 41,4%. Exportiert hat Schweizer insbesondere ins europäische Ausland.