Zertifizierungen werden in Krisenzeiten wichtiger Qualitätsmanagement als Erfolgsfaktor für EMS

Der EMS-Dienstleister EN ElectronicNetwork ist seit kurzem nach dem Bahnstandard IRIS (International Railway Industry Standard) zertifiziert. »Qualitätsmanagement ist heute allerorten üblich, allerdings sind das Verständnis und die gelebte Umsetzung sehr unterschiedlich«, sagt Hermann Österreicher, Leiter Qualitätswesen bei EN ElectronicNetwork.

Die Schienenfahrzeug-Hersteller Alstom Transport, AnsaldoBreda, Bombardier Transportation und Siemens Transportation Systems forderten ihre mehr als 1000 Zulieferer und Dienstleister, darunter auch EN ElectronicNetwork, auf, bis zum 01. Januar 2009 eine IRIS-Zertifizierung vorzulegen. Ziel dieser Verpflichtung war es, über die gesamte Lieferkette hinweg die Qualität zu verbessern und eine Kostenreduktion durch effizientere Geschäftsprozesse zu erreichen. Bei EN ElectronicNetwork sah man diese Herausforderung als Chance, sich in diesem sicherheitskritischen und hart umkämpften Markt weiter zu etablieren, zumal das Thema »Qualität« bei EN ElectronicNetwork sowieso zum unternehmerischen Grundverständnis zählt: »Natürlich entstand die Zertifizierung in diesem Fall aus einer unmittelbaren Notwendigkeit heraus, sonst hätten wir nicht weiter für diese Unternehmen produzieren dürfen. Aber wir wollen damit auch neue Kunden gewinnen und können uns mit dieser Zertifizierung ein Stück weit vom Mitbewerb abheben, da nur wenige EMS-Unternehmen über eine IRIS-Zertifizierung verfügen«, erklärt Österreicher. Wer das begehrte Zertifikat erhalten will, muss 239 Fragen beantworten und zahlreiche exakt vorgeschriebene Prozesse erfüllen. Die Audit- Ergebnisse werden an den Verband der Europäischen Eisenbahnindustrie (UNIFE) übermittelt und in eine Datenbank eingestellt.

Ein stringent im Unternehmen etabliertes Qualitätsmanagement war Voraussetzung, um die von IRIS geforderten Prozesse nachweisen und erfüllen zu können. »Und das betrifft jede unternehmerische Tätigkeit einer Firma und somit alle Organisationseinheiten und deren Prozesse«, sagt Österreicher. Das Qualitätsmanagementsystem (QMS) von EN ElectronicNetwork ist zentral und standortübergreifend im integrierten Managementsystem gebündelt. »Hier laufen die Fäden aus Umweltschutz-, Arbeitssicherheit und Risikomanagement zusammen, ergänzt durch Regelungen zu verschiedenen Themen wie etwa Geheimhaltung. Lieferanten und Kunden sind ebenfalls Bestandteil des QMS. Die Maßstäbe richten sich dabei neben festen Vorgaben aus Gesetzen und Normen nach den wirtschaftlichen Unternehmenszielen, Kundenanforderungen und Kundenvereinbarungen sowie Prozessleistungen «, so Österreicher. Natürlich lässt sich die Einhaltung der Qualitätskriterien nicht allein von der Unternehmenszentrale aus leiten. Besonders, wenn es um den Kundenkontakt oder die unmittelbare Qualitätsbeurteilung vor Ort geht, sind auch die einzelnen Standorte gefordert. Sie überwachen das Qualitätsmanagement hinsichtlich Lieferanten und Produktion.

Der EMS-Dienstleister muss die Anforderungen seiner Kunden und deren Märkte verstehen, um gemeinsam mit ihnen Probleme lösen zu können. Produktqualität, Liefertreue und marktgerechte Preise sind für einen EMS-Kunden selbstverständlich. Darüber hinaus erwartet er aber auch Unterstützung bei vielen aktuellen Fragen, die sich zum Beispiel aus den EU-Umweltgesetzgebungen wie ROHS oder REACH ergeben – eben ein »Rundum-Sorglos-Paket «. Dass das Qualitätsbedürfnis vor allem dem Fertigungsstandort Deutschland in die Hände spielen dürfte, davon ist Österreicher überzeugt: »Rechtliche Sicherheit, Geheimhaltung, effektive Kommunikation, kurze Wege, schnelle Reaktionszeit, das alles sind wichtige Faktoren, die für eine Produktion in Deutschland sprechen und die bei der Standortwahl oft nicht richtig oder ausreichend bewertet werden.« In Krisenzeiten schärfen viele OEMs ihren Blick für solche Attribute.

Doch auch hierzulande ist das Qualitätsverständnis in der EMS-Industrie nicht überall gleich hoch: »Die Spannweite reicht vom selbst gefalteten Papierflieger bis hin zum A380«, weiß Österreicher. »Wir sind auf dieser Skala schon sehr weit oben angesiedelt. « Dafür sorge neben dem umfassenden Qualitätsmanagementsystem auch der Einsatz eines speziell für die Elektronikindustrie zugeschnittenen computergestützten Qualitätssicherungssystems. »Neben vielen anderen Prozessen ermöglicht uns dieses System die Rückverfolgbarkeit auf Bauelemente- und Prozess-Ebene sowie Paperless-Repair. Das sind Funktionen, die in dieser Ausprägung nicht jedes EMS-Unternehmen bieten kann.« (zü)