Entwicklungsdienstleistungen vom EMS-Partner »Produktentwicklung ist Teamwork«

Johann Weber, Zollner (re.): »Ich muss Qualität ganz vorne in der Entwicklung realisieren, damit ich die Prozessfähigkeit erreichen kann und nicht die Qualität durch Reparaturen erzielen muss.«

Unter dem Motto »Produktentwicklung ist Teamwork« haben die im »ZVEI Services in EMS« organisierten Unternehmen eine neue Initiative entwickelt. Vorgestellt wird sie auf der productronica. Einen Vorgeschmack gab es auf dem Markt&Technik-Forum EMS.

Im Jahresrhythmus erarbeiten die EMS-Firmen in wechselnden Arbeitskreisen ihre Standpunkte zu aktuellen Themen wie die Welt des Testens oder Obsolescene-Management. Flankiert von einer informativen Broschüre, bieten die Initiativen eine gute Grundlage, um mit dem Kunden Brennpunkte in der Zusammenarbeit zu diskutieren. »Jeder von uns hier am Tisch ist unterschiedlich aufgestellt, aber der gesamten Branche ist der Wunsch gemein, dass der Kunde den EMS und etwaige weitere Dienstleister wie Design-Häuser frühzeitig in die Entwicklung mit einbezieht«, fasst Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics, die Stoßrichtung der neuen Initiative zusammen.

Die bisher erarbeiteten Themen-Broschüren orientieren sich am Wertschöpfungstrend, der die EMS-Industrie seit geraumer Zeit prägt: »Der EMS wird immer mehr Entwicklungsdienstleister und spielt auch als Berater in der Entwicklung eine zunehmende Rolle«, beschreibt Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik. In der Entwicklung werden die wichtigen Parameter bestimmt: 80 Prozent der Kosten, das Design-for-Manufacturing, also die optimale Fertigbarkeit des Produktes, und die Materialauswahl unter den Gesichtspunkten der Obsoleszenz. »Ich muss Qualität ganz vorne in der Entwicklung realisieren, damit ich die Prozessfähigkeit erreichen kann und nicht die Qualität durch Reparaturen erzielen muss«, so Weber. Mit ihrer aktuellen Initiative wollen die EMS-Firmen ihren Mehrwert als Entwicklungspartner zeigen und erreichen, dass Kunden – OEMs und EMS und weitere Entwicklungspartner – ihre Kompetenzen gemeinsam auf einen „DfX“-Nenner bringen. Design-for-Excellence – unter diesem Begriff fasst die EMS-Industrie die Aspekte des Design-for-Manufacturing, Design-for-Testabilty, Design-for-Cost und Design-for-Logistic zusammen.

Verbindung zwischen Entwicklung und Fertigung wieder etablieren
 
 
Viele EMS-Firmen sind Ausgründungen aus großen Firmenverbunden, in denen die komplette vertikale Integration unter einem Dach konzentriert war. Dem Paradigma der „Kernkompetenzen“ folgend, wurden diese Fertigungen inzwischen in vielen Fällen abgespaltet und sind heute eigene EMS-Firmen. »Über die Zeit hat man dann die Verbindung zwischen Entwicklung und Fertigung verloren. Man hat Produkte entwickelt und irgendwann festgestellt, man muss sie auch noch produzieren«, schildert Bernd Enser, Vice President Global Automotive von Sanmina. »So eine Denke funktioniert vielleicht mit sehr einfachen Produkten, aber die Produkte, die wir heute fertigen, sind hochkomplex. Ohne die intensive Kommunikation entlang der Lieferkette – und wir sind ein wesentlicher Baustein der Lieferkette - wird das nicht funktionieren. Die Zeit, immer wieder bestimmte Schleifen zu durchlaufen und immer wieder bestimmte Dinge NICHT parallel zu tun, haben wir schlichtweg nicht mehr, sonst wird irgendwann zwischen der eigentlichen Entwicklung und dem finalen Produkt eine Kluft entstehen, genauso wie zwischen Spezifiaktion und Applikation.«

Die Initiative soll dabei helfen, diese Schnittstellen zwischen EMS und OEM wieder zu implementieren, und den Mehrwert der EMS-Firmen an dieser Stelle untermauern. Die Botschaft, dass Entwicklung und Fertigung eng verzahnt sein müssen, liegt den EMS-Firmen schon seit geraumer Zeit am Herzen, noch ist sie aber nicht allerorten angekommen. Zwar werden die EMS-Firmen als Wertschöpfungsbindeglied wahrgenommen, aber oft noch nicht zum richtigen Zeitpunkt. Ein Grund dafür ist, dass der Begriff „EMS“ keinen – festen – Platz in bestimmten Ablaufdiagrammen wie dem standardisierten V-Diagramm hat. Auch ist nicht jeder Kunde von vorne herein begeistert, wenn der EMS sich in seine Hoheitsgebiete einmischt, wie Herbert Schmid, Geschäftsführer von productware, schildert: »Es war für uns als kleinen Mittelständler anfangs sehr schwierig, unsere Kunden, die in der Regel alle eine eigene Entwicklung haben, unseren Mehrwert bei Entwicklungsleistungen und der Fertigungsoptimierung nahe zu bringen.« productware stieß mit seinen Erstmusterberichten und den Änderungsvorschlägen im Design oft erst mal auf Unverständnis. Schließlich soll ein Dienstleister nicht lange fragen, sondern einfach das machen, wofür er bezahlt wird. »Inzwischen hat sich das geändert, und die Kunden schätzen unsere Kompetenz und haben unseren Mehrwert erkannt«, freut sich Schmid.

Heterogene Kundenlandschaft
 
Die Kundenlandschaft der EMS-Firmen ist so heterogen wie die EMS-Firmen selbst. Thomas Kaiser, Geschäftsführer von CCS, fasst diese Tatsache so zusammen: »Als Branche sind wir mit der Situation konfrontiert, dass wir uns stetig neu erfinden müssen, denn wir haben unterschiedliche Geschäftsmodelle des Kunden vor uns: zum einen die Start-ups, die sich in der Fertigung nicht auskennen und sich spezifisch auf Entwicklung und Marketing konzentrieren, die teilweise entwickeln und nicht fertigen, zum anderen gibt es die ehemals großen fertigenden OEMs, die die Anforderungen der Fertigung selbst noch kennen, dementsprechend ist der Austausch hier auch viel größer. Schlussendlich haben wir den Anspruch, uns immer tiefer in die Wertschöpfung zu integrieren. Auf der andern Seite sind wir mit der Marktsituationen konfrontiert, selbst ständig in neue Innovationen investieren zu müssen, entsprechend der technologischen Bedürfnisse. Aber diese Investitionen müssen letztlich auch irgendwoher kommen, und das bedeutet: Wer sich heute auf die reine Fertigung ausrichtet in diesem vergleichbaren Markt, wird es sehr schwer haben, die nötigen Investitionen bereitzustellen.«

Nach Ansicht von Wolfgang Peter, Strategische Unternehmensentwicklung von Elektron, ist es besonders für Start-ups entscheidend, von Anfang an den richtigen Partner im Boot zu haben, denn Förderprogramme gehen oft nur bis zum Prototypen. »Wenn dieser Prototyp nicht unter den Gesichtspunkten der optimalen Fertigung entwickelt wurde, dann nimmt man der Innovation schon wieder die Chance auf dem Markt.« Wie tief die Wertschöpfung des EMS beim Kunden geht, hängt von seinen Bedürfnissen ab: Er kann bei vielen EMS wählen zwischen Fertigungsüberleitungskompetenz, ein fertig entwickeltes Produkt auf Fertigungsoptimierung – DfX – hin analysieren zu lassen oder aus einer Idee eine Entwicklung in Auftrag zu geben. »Je mehr wir an Entwicklung und Engineeringkomeptenz im eigenen Haus haben, umso mehr können uns die Kunden einbinden, und umso mehr Kundenbindung können wir erreichen«, so Dr. Werner Witte, Geschäftsführer von BuS Elektronik. Dabei darf die Tiefe der Wertschöpfung laut Roland Hollstein, Geschäftsführer von Grundig Business Systems, keine Frage der Größe sein: Auch ein kleines EMS-Unternehmen muss die komplette Kette anbieten, »denn der Kunde ist im One-Stop-Shopping-Mode.«