»Industrie 4.0 braucht Partnerschaften!« Neue Kommunikationsprotokolle für den Shop-Floor 

Join the Power! Für Thomas Bliem, ASM und Günter Lauber, CEO von ASM (rechts im Bild) ist das Motto Programm: Als Mitglied der neugründeten Adamos-Allianz und Mitbegründer des Hermes-Consortiums öffnet ASM ein neues Kapitel für die intelligente Vernetzung der Elektronik-Fertigungsindustrie.

Mit neuen Schnittstellen bzw. Standardisierungs-Initiativen und Plattform-Partnerschaften schlägt der Fertigungsmaschinenbau nun ein neues Kapitel auf und hebt den SMT-Shopfloor ins Industrie-4.0-Zeitalter. 

Längst hat sich der Elektronikfertigungs-Maschinenbau die Industrie 4.0 auf die Fahnen geschrieben. Das Manko: Für den Shopfloor gab es bisher keine durchgängigen M2M-Kommunikations-Standards.Die Fertigungsindustrie setzt nun  in Eigeninitiative um, was Standardisierungs-Vereinigungen wie die IPC bisher verschlafen haben: Sie hebt den SMT-Shopfloor ins Industrie-4.0-Zeitalter. 

Als Vorreiter positioniert sich The Hermes Standard, der Anfang des Jahres von führenden SMT-Maschinenbauern ins Leben gerufen worden war. Hermes wurde unter anderem von ASM initiiert und basiert auf einem Zusammenschluss von über 20 Maschinenbauern, vorwiegend aus Europa; darunter Rehm, Viscom und Asys. Den Vorsitz hat derzeit AMS in Person von Thomas Bliem. Hermes ist nach den Worten von Bliem bei ASM ab sofort auf neuen Maschinen verfügbar. An einer Lösung zur Nachrüstung von Bestandsequipment im Feld wird ebenso gearbeitet.  „Hermes ready“, ist zum Beispiel auch Rehm: Laut Michael Hanke, CCO von Rehm, kann das Protokoll ab sofort ausgeliefert werden: „Mit Hermes haben wir die Digitalisierung im Shopfloor in Verbindung mit einer sicheren Schnittstelle erreicht.“

Hermes bekommt Konkurrenz aus Asien

Für Aufsehen sorgt auf der productronica eine Meldung der Japan Robot Association zur Gründung eines SMT-Subcommittees, das ein eigenes Protokoll namens ELF für die M2M-Kommunikation von SMT-Maschinen entwickelt. ELF basiert wohl auf Fujis Easy-Link. Das Prinzip ist ähnlich des von Hermes und hat die vertikale Vernetzung des Fertigungsshopfloors zum Ziel. Derzeit sind 20 Mitgliedsfirmen vorwiegend aus Japan und Korea im Gremium vertreten. Vorsitzendes Unternehmen ist die japanische Fuji Machine Co., den Vizevorsitzenden stellt die Bestückungsmaschinenbau-Division von Panasonic.  Der komplette Vorstand besteht aus Vertretern der Mitgliedsunternehmen von Yamaha Motor Juki, Omron, Saki, Tamura und CKD. 

Das asiatische M2M-Protokoll ist schon weit gediehen und am Stand von Fuji in einer Demo-Linie im Einsatz, die laut Klaus Gross, Geschäftsführer von Fuji Machine Europe  weltweit erste Implementierung, die der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Auf die Frage, warum man sich nicht weltweit auf eine M2M-Schnittstelle einigen konnte, antworten Vertreter beider Gremien diplomatisch: „Für den Kunden ist es wichtig, dass er keine Probleme hat, Maschinen unterschiedlicher Couleur zu vernetzen. Mit einem Übersetzungstool lassen sich in der Linie beide Schnittstellen abbilden“, erklärt Klaus Gross.  Günther Lauber, CEO von ASM unterstreicht die Gesprächsbereitschaft des Hermes-Gremiums und betont, dass die Initiative von Anfang an offen für alle SMT-Maschinenbauer gewesen sei, die Interesse an einer Mitarbeit haben: „Industrie 4.0 braucht Partnerschaften. Daher ist es wichtig, dass Hermes ins Leben gerufen wurde.“ 

Bislang gibt es offensichtlich (noch) keine Gespräch zwischen beiden Gremien, aber das könne sich ändern. Schließlich gehe es letztlich darum, die Kundenanforderungen nach einer durchgängigen Vernetzung unabhängig davon ob Hermes oder ELF zu erfüllen, so verlautbarten Vertreter beider Gremien gegenüber Markt&Technik. Und diese Kundenanforderungen dürften nicht lange auf sich warten lassen, schließlich setzen viele Anwender in Europa Maschinen von asiatischen Herstellern ein.  „Dass es aus Asien ähnliche Standardisierungs-Bestrebungen gibt, zeigt im Grunde, dass auch dort die Wichtigkeit von Hermes erkannt wurde“, kommentiert, Michael Hanke von Rehm und unterstreicht gleichzeitig die Gesprächsbereitschaft von Rehm: „Das Haus Rehm hat sich immer offen gezeigt, sollten entsprechende Kundenanforderungen auf uns zukommen, bedarf es natürlich der Diskussion.“