EMS Neue Blickwinkel durch Six-Sigma

Six Sigma ermöglicht es, selbst Prozesse, von denen man meint, sie zu kennen, aus einem anderen Blickwinkel neu zu betrachten.

Die Tonfunk Gruppe aus Ermsleben setzt seit einem Jahr auf das Six-Sigma-Managementsystem und das mit großem Erfolg: Bereits die ersten Projekt-Phasen brachten eine Kosteneinsparung im sechsstelligen Bereich.

Tonfunk hat sich viel vorgenommen. Der EMS-Anbieter will seinen Umsatz bis 2015 auf 100 Millionen Euro steigern. Mit 25 Prozent Umsatzsteigerung zum Vorjahr hat die Gruppe das anspruchsvolle Wachstumsziel fest vor Augen. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, ist sich Tonfunk-Chef Norman Thor sicher. Derzeit investiert das Unternehmen in ein zusätzliches 2000 Quadratmeter großes Fertigungsgebäude und in neue Automatisierungstechnik, SMD-Anlagen, Röntgen- und Inspektionssysteme. Damit bei aller Umsatzsteigerung nicht die Qualität auf der Strecke bleibt, arbeitet die Tonfunk Gruppe seit nunmehr einem Jahr an der Integration des Six-Sigma-Managementsystems und das ist für einen mittelständischen EMS-Anbieter durchaus etwas besonderes, denn was in Konzernen längst Normalität ist, war bisher im Mittelstand eher ein Novum. Seit vielen Jahren vertrauen namhafte Kunden auf die Qualität der Tonfunk-Gruppe. Alle Prozesse, von der Entwicklung, über die Produktion bis zum Service, sind nach internationalen Qualitätssicherungsstandards strukturiert und nach der TS 16949 durch den TÜV Rheinland zertifiziert. Das Six-Sigma-Programm reicht noch weiter und orientiert sich noch mehr an Kundenwünschen. Dass auf die gesamte Tonfunk-Gruppe ausgelegte Six-Sigma-Qualitätsmanagement zeigt nach einem Jahr bereits beachtliche Erfolge. Für insgesamt fünf Projekte, welche in der ersten Phase bis Juli 2011 bearbeitet wurden, liegen die Ergebnisse vor. Und die können sich sehen lassen: Tonfunk hat bereits Einsparpotenziale im sechsstelligen Bereich realisiert.

Seit 1. Januar 2011 arbeitet nun ein Black Belt im Unternehmen, um das Thema weiter auszubauen. »Six Sigma ermöglicht es, selbst Prozesse, von denen man meint, sie zu kennen, aus einem anderen Blickwinkel neu zu betrachten«, betont Fertigungsleiter Christian Wamser. Durch die Arbeit und die Struktur im Team, die Unterstützung aller Mitarbeiter und der stringenten Vorgehensweise entwickle sich eine riesige Kraft zur kontinuierlichen Verbesserung aller Unternehmensprozesse.

Bereits in der ersten Phasen des Six-Sigma-Qualitätsmanagements sind zahlreiche Prozesse optimiert worden. Dabei lief bei den ersten Projektbesprechungen gar nicht alles reibungslos. Der erwartet hohe Projektgewinn sowie der starke theoretische Hintergrund, welcher sich über alle Fertigungsbereiche der Tonfunk Gruppe erstreckt, sorgten zunächst für Zweifel. Tonfunk-Mitarbeiter sprachen von einem »mulmigen Gefühl«. Doch die in ihrer Anwendung überraschend einfachen Werkzeuge der Six-Sigma-Methodik lenkten den Fokus schnell auf das eigentliche Projektthema. »Dadurch konnten unwesentliche Nebensächlichkeiten, die anfangs für Verwirrung gesorgt hatten, ausgeblendet werden«, erklärt der Firmenchef.

Im Verlauf der Projektphasen gelang es einem Six-Sigma-Projektteam sowohl für das Management als auch für die Mitarbeiter verständliche Kennzahlen zu etablieren. Die Auswertung dieser Daten im täglichen Shopfloor-Gespräch, das zu den Kontrollmaßnahmen des Projektes zählt, sorgt schon heute für Kapazitätsgewinne und für eine deutliche Kostenreduzierung ganz im Sinne des Lean-Gedanken. Diese Shopfloor-Gespräche tragen seit ihrer Einführung dazu bei, den Informationsfluss zwischen Fertigung und Management zu beschleunigen. Gleichzeitig werden dabei auch eine Fülle von Verbesserungsvorschlägen generiert. Das Ziel der Einführung von Six-Sigma-Projekten sieht Tonfunk nach eigenen Angaben nicht in der permanenten und dauerhaften Durchführung ständig neuer Projekte, sondern darin, die Denkweise und Struktur von Prozessverbesserungen zu verinnerlichen.  »Die Six-Sigma-Methoden lassen eine neue Unternehmenskultur wachsen, die es leichter macht, Prozesse stetig zu optimieren«, sagt Thor – wohl wissend, dass nur eine gut qualifizierte und motivierte Belegschaft alle Theorie Wirklichkeit werden lassen kann.