»Wir zeigen Flagge als selbstbewusster Mittelständler!« Nach der Rohwedder-Insolvenz: Mimot wieder eigenständig - und erfolgreich

Bernhard Thomas, Mimot: »So richtig ’wohl gefühlt’ hat sich Mimot nicht im Rohwedder-Konzern. Wir waren immer dafür bekannt, dass wir extrem schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren. Rohwedder hat uns in unserer Flexibilität sehr gebremst.«
Bernhard Thomas, Mimot: »So richtig ’wohl gefühlt’ hat sich Mimot nicht im Rohwedder-Konzern. Wir waren immer dafür bekannt, dass wir extrem schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren. Rohwedder hat uns in unserer Flexibilität sehr gebremst.«

Seit Sommer 2010 ist Mimot, Europas ältester Bestückungsmaschinen-Hersteller, nach der Rohwedder-Insolvenz wieder ein eigenes inhabergeführtes Unternehmen. Anknüpfen will der geschäftsführende Gesellschafter Bernhard Thomas mit seinen gleichberechtigten Partnern Jürgen Philipp und Markus Vögtler an die »alten Zeiten« des Unternehmens als flexibler Mittelständler. Damit soll das einstige Kerngeschäft von Mimot, Sonderlösungen für die SMD-Bestückung, wieder aufleben.

Markt&Technik: Im Jahr 2007 hat der Rohwedder-Konzern Mimot übernommen. Nun gab es nach nur drei Jahren aufgrund der Rohwedder-Insolvenz ein Management Buy-out. Warum ist diese neue Eigenständigkeit ein großer Gewinn für Mimot?
 
Bernhard Thomas: So richtig »wohl gefühlt« hat sich Mimot nicht im Rohwedder-Konzern. Wir waren immer dafür bekannt, dass wir extrem schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren. Rohwedder hat uns in unserer Flexibilität sehr gebremst. Unser Kerngeschäft, die Sonderlösungen rund um die SMD-Bestückung, wurde dabei völlig in den Hintergrund gedrängt. Dabei war und ist das unsere Spezialität und unser Alleinstellungsmerkmal. Denn Pick & Place kann jeder Bestückungsmaschinenhersteller. Das ist heute kein Differenzierungsmerkmal mehr. Wir haben bisher etwa 1500 kundenspezifische Maschinen realisiert. Im Rohwedder-Konzern war das aber nur Nebensache.

Warum?

Das lag an der Unternehmenspolitik und vor allem daran, dass die Geschäftsstrategien von Mimot und Rohwedder sehr unterschiedlich waren. Mimot war quasi nur die verlängerte Projekt-Werkbank von Rohwedder.

Nun gibt es viele gute Serienmaschinen für die SMD-Bestückung. Decken die nicht ohnehin so gut wie alle Anwendungen ab? 

Bei weitem nicht! Es gibt viele Sonder-Anwendungen, die eine Serienmaschine nicht abdecken kann. So konnten wir noch bevor 3D überhaupt am Markt bekannt wurde, solche Bauteile bereits dispensen und bestücken und waren damit übrigens auch die Pioniere in diesem Bereich. Ein weiteres Beispiel ist die Bestückung von Piranha-LEDs für einen großen Automobil-Zulieferer: Die LEDs brauchen nicht gegurtet werden und können mit Hilfe eines besonderen Zuführsystems direkt aus der Stange bestückt werden.

Wie funktioniert das Prinzip der Sondermaschinen bei Mimot - es wird ja nicht jede Maschine von Grund auf neu entwickelt?

Natürlich nicht. Unsere Sonderlösungen basieren immer auf einer Standard-Maschine wie der heutigen »MB 200«. Die sind von vorne herein schon so konstruiert, dass Sonder-Anwendungen relativ leicht implementierbar sind. Das heißt, unsere Sonderanfertigungen sind reversibel.

Die Fertigung in Europa ist bekanntlich ein heiß umkämpftes Feld, zumal die Hauptumsätze der großen Maschinenbauer vor allem aus Asien kommen . . .

Der Mehrwert für den Kunden muss klar erkennbar sein, das heißt, die Wertschöpfung muss so hoch wie möglich sein. Wenn man als Maschinenbauer in Europa Geschäft machen will, muss man vor allem den Anforderungen der hiesigen Fertiger an die Flexibilität genügen. Hier werden hauptsächlich kleinere Losgrößen gefertigt und Sonderanwendungen. Häufige Rüstwechsel sind ebenso zu berücksichtigen. Deshalb ist nicht nur die Hardware entscheidend, auch die Software spielt eine ganz wichtige Rolle: eine intelligente Software, die sich gut in die bestehende Infrastruktur fügt, die Maschinen-Anbindung - das sind Aspekte, die ein Maschinenbauer in Europa ganz besonders berücksichtigen muss. Kurzum: Der europäische Fertigungsmarkt lebt von der Flexibilität und den Sonderlösungen!    

Stichwort Rüstwechsel: Das ist ja derzeit ein viel strapaziertes Thema - fast alle Bestückungsmaschinen-Hersteller sind inzwischen auf den Zug der schnellen Rüstwechsel aufgesprungen.

Schon, aber was derzeit von vielen propagiert wird, das ist bei uns längst Standard. Unsere Kunden sind meist kleine und mittelständische Unternehmen - diese sind auf Flexibilität und Schnelligkeit beim Rüstwechsel angewiesen und können sich auch aus Kostengründen nicht einfach noch einen Feeder auf Lager legen. Die Produktivität über den Tag gesehen muss einfach stimmen. Das muss eine Maschine leisten können, ohne »wenn und aber«.      
 
Mimot ist ja traditionell auf Europa fokussiert, wird es auch in Zukunft dabei bleiben?

Nun, das ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass gerade die Sonderlösungen mehr oder weniger nur für den europäischen Markt relevant sind. Die großen Serien und damit den asiatischen Markt überlassen wir den anderen. Wir wollen uns da gar nicht mit den Marktführern anlegen, das ist nicht unser Terrain. Wir konzentrieren uns also auch weiterhin auf Europa. Hier möchten wir vor allem den Absatz in den drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich, Schweiz und den angrenzenden Gebieten weiter ausbauen.  

Wird es beim Bestücken bleiben oder kommt in naher Zukunft die »Turn-Key-Linie« von Mimot?

Nein. Die Bestückung mit dem ganzen Materialhandling ist unser Kerngeschäft, und dabei soll es auch bleiben.

Nun sind Sie aber mit Ihren Bestückungsmaschinen den »Nachbarmaschinen« Drucker und Ofen ein Stück voraus, denn einige Ihrer Maschinen könnten theoretisch auch zwei Produkte gleichzeitig bewältigen. Würde da nicht eine Partnerschaft mit den benachbarten Herstellern nahe liegen?

Von Fall zu Fall gibt es natürlich eine Zusammenarbeit. Aber eine exklusive Partnerschaft mit dem einen oder anderen Hersteller möchten wir nicht eingehen, das würde uns unnötig festlegen und einschränken.